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    Über 1 Stunde länger als im Kino: Highlight (nicht nur) für Fans der "Before"-Trilogie jetzt neu im Heimkino
    03.12.2021 um 14:30
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Es erlebte eine der charmantesten Liebesgeschichten der vergangenen deutschen Kinojahre. Jetzt hat das clevere, redegewandte Paar aus „303“ über 70 Minuten mehr Zeit, sich zu verlieben – und uns zu verzaubern!

    AlamodeFilm

    +++Meinung+++

    Deutsches Kino muss bei vielen Filmfans noch immer große Vorurteile überwinden – und deutsche Liebesfilme umso mehr, sind sie doch häufig aus demselben, längst morsch gewordenen Holz geschnitzt. 2018 feierte allerdings mit „303“ ein Film seine Premiere, der die Antithese zum verkrampften, aufgesetzten deutschen RomCom-Kino darstellt. In der FILMSTARTS-Kritik etwa wurde Hans Weingartners Lovestory als eine bezeichnet, die „selbst den hartherzigsten Betrachter mit ihren Glückshormonen mitreißen dürfte“ und die Kollegen von Uncut.at sahen in ihr einen „Film mit magischer Anziehungskraft“.

    Die Berliner Zeitung lobte „303“ sogar als „eines der schönsten Roadmovies, die man je gesehen hat“ und im Spiegel wurde die Reise-Romanze zwischen Mala Emde und Anton Spieker nicht nur zum „Sommerfilm des Jahres“ ernannt: Die Leichtigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Dialoge wurde sogar über die Gespräche aus der legendären „Before“-Trilogie von Richard Linklater gestellt! Immenses Lob für den herzlichen Film und das eloquente Palaver der „303“-Hauptfiguren. Jedoch hatten Julie Delpy und Ethan Hawke in der herzzerreißenden Trilogie deutlich mehr Laufzeit, ihre Figuren mittels Wortwechsel zu entfalten. Jetzt aber zieht „303“ nach – mit einer XXL-Schnittfassung, die ab sofort im Heimkino erhältlich ist

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    Liebe, Reisen, Labern: "303" in der Ur-Fassung

    Jan (Anton Spieker) ist auf dem Weg nach Spanien, um seinen Vater kennenzulernen, doch seine Mitfahrgelegenheit lässt ihn sitzen. Wie der Zufall es so will, lernt er aber Jule (Mala Emde) kennen, die mit ihrem alten Mercedes 303 Wohnmobil nach Portugal fährt, um wichtige Beziehungsfragen zu klären. Kurzerhand gründen sie eine Fahrgemeinschaft mit ungewissem Ausgang und mit tonnenweise Gesprächsbedarf … Gesprächsbedarf, den Regisseur/Autor Hans Weingartner kaum zu bändigen wusste. Sein Drehbuch umfasste 270 Seiten, die er nicht zu kürzen gewillt war, obwohl das bedeutete, dass er so keinen Film mit gewöhnlicher Laufzeit auf die Beine stellen kann.

    Also erstellte er während der Postproduktion zunächst eine sechsteilige Serienfassung mit insgesamt knapp 225 Minuten Laufzeit – und das, obwohl ihm zuerst ein Kinofilm vorschwebte. Nach Fertigstellung der Serienversion machte sich der Regisseur ans Verdichten und komprimierte die Serie auf (für deutsche Filme noch immer außergewöhnliche) 145 Minuten. Diese Fassung von „303“ wurde zuerst veröffentlicht – und war einfach bezaubernd: Emde und Spieker leben ihre Rollen, atmen die fabelhaften Dialoge, als seien sie die Luft, die sie zum Leben benötigen, und die Anziehungskraft, die während der Streit-, Anmach- und Herumblödelgespräche zwischen den Figuren entsteht, ist einfach magisch!

    Ende August dieses Jahres wurde endlich auch die längere „303“-Fassung der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Zumindest theoretisch, denn praktisch gesprochen wurde die nahezu vier Stunden lange „303“-Serienfassung am äußeren Rand des TV-Programms gezeigt – nämlich nachts nach zwei Uhr im Bayerischen Rundfunk, mit entsprechend niedrigen Reichweiten.

    Dank der nun erschienenen Blu-ray ist Weingartners erste Schnittfassung aber endlich zugänglicher geworden. Und die ist für Fans des Films und alle, die ihn noch nicht kennen, aber liebend gern an einer aufkeimenden Liebe teilhaben, empfehlenswert: Sie enthält noch mehr der brillanten, wie aus dem Leben gegriffenen Unterhaltungen über Egoismus, Zusammenhalt, Sex, romantische Irrtümer und alles andere, worüber studierte Mittzwanziger mit großem Mitteilungsbedürfnis philosophieren, wenn sie einander beschnuppern.

    In einem Pressestatement äußerte sich Weingartner selbst übrigens diplomatisch darüber, welches seiner „Kinder“ besser ist – die Film- oder Serienfassung. Die Serie zeige die Annäherung zwischen den Zufallsverliebten in dem beim Dreh beabsichtigten Tempo und Rhythmus. „Wer jetzt also das Material in seiner Urform sehen will, muss sich die Serie reinziehen“, so der Regisseur, der übrigens als Produktionsassistent an „Before Sunrise“ mitwirkte. „Wer komprimiert die Essenz sehen will“, so fährt er fort, „der kann sich den Film anschauen.“

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