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    Heimkino-Tipp: Die neue Erotik-Provokation vom Meisterregisseur von "Basic Instinct" und "Starship Troopers"
    16.01.2022 um 10:00
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Aktuell läuft „Benedetta“ noch in einigen, wenigen deutschen Kinos – doch die Heimkino-Vorbestellung zum neuen Streich von „RoboCop“-Regisseur Paul Verhoeven läuft bereits. Und die lohnt sich im Fall des meisterhaften Erotik-Dramas ganz besonders.

    Koch Media GmbH

    +++ Meinung +++

    Der niederländische Regisseur Paul Verhoeven erlangte einst mit dem schonungslosen Sex- und Krebs-Drama „Türkische Früchte“ internationale Bekanntheit. Wenige Jahre später lieferte er mit „RoboCop“, „Total Recall“ und „Starship Troopers“ brutale Hollywood-Sci-Fi-Meisterstreiche ab. Er machte zudem mit „Basic Instinct“ Erotikdramen salonfähig und rammte das Genre kurz darauf mit „Showgirls“ in Grund und Boden.

    Im neuen Jahrtausend kehrte der Regisseur nach Europa zurück – und lieferte mit der Vergewaltigungs-Rache-Dramödie „Elle“ einen weiteren kontrovers diskutierten Film ab. Selbst mit über 80 Jahren ist Verhoeven kein bisschen milde geworden – sorgte er doch 2021 bei den Filmfestspielen von Cannes mit einem Nonnen-Lesbendrama ebenso für Furore wie knallrote Gesichter. Ab dem 24. Februar 2022 ist „Benedetta“ dann endlich auch auf DVD und Blu-ray erhältlich, und wie: Neben den handelsüblichen Editionen auf DVD und Blu-ray erscheint das Highlight auch als Limited Collector's Edition im Mediabook inklusive 4K-Blu-ray – in gleich zwei Cover-Varianten:

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    Das ist "Benedetta"

    Frei nach realen Begebenheiten aus dem 17. Jahrhundert: Lange lebte die italienische Nonne Benedetta (Virginie Efira) ohne große Vorkommnisse ein bescheidenes Leben. Doch als die sexuell genötigte Bartolomea (Daphne Patakia) ins Klosterleben flieht, werden unerwartete Gefühle in Benedetta wach. Außerdem legt sie sich mit Äbtissin (Charlotte Rampling) an, indem sie auf pompöse Weise von mahnenden Erscheinungen berichtet...

    Hat Benedetta wirklich einen Draht zu höheren Mächten? Sitzen bei ihr nicht mehr alle Drähte richtig, und sie bildet sich das alles bloß ein? Oder ist die theatral auftretende Nonne machtgeil geworden, weshalb sie sich mit ihrer Äbtissin anlegt? Ist Benedetta einfach nur notgeil und sucht nach himmelschreienden Ausflüchten, um allein mit Bartolomea sein zu können? Oder ist die korrekte Antwort auf diese Fragen: Alle vier zusammen!?

    Unter anderem genau darüber lässt Regie-Provokateur Paul Verhoeven sein Publikum grübeln. Und dann wirft der einmal mehr genüsslich-manisch zwischen Tabus brechendem Anspruch und frivolem Extraklasse-Schund springende Filmemacher hämisch grinsend akkurat beobachtete Kommentare über denkbar schlechte Pandemieverbreitung in den Film. Ein Verhoeven macht halt keine halben Sachen – und erstaunlicherweise fügt sich das Seuchenthema nahtlos in den Mix aus gleichgeschlechtlicher Erotik, Attacke auf institutionalisierte Religion und nuancierter Auseinandersetzung mit Gläubigkeit!

    Mit Wucht und Verve

    Basierend auf Judith Cora Browns Schändliche Leidenschaften: das Leben einer lesbischen Nonne in Italien zur Zeit der Renaissance formen Regisseur und Autor Verhoeven sowie sein „Elle“-Autor David Birke den Stoff zu der idealen Grundlage für eine schauspielerische Tour de force: Virginie Efira und Daphné Patakia geben sich keine Blöße und meistern nicht nur den bewusst provokanten Exploitation-Aspekt des Films, sondern auch den überdreht-satirischen Teil. Und dann funktioniert „Benedetta“ obendrein als überaus ungewöhnliche Geschichte einer verbotenen Liebe, denn die Chemie zwischen den Beiden lässt einem gar keine andere Wahl, als mit den sich begehrenden Nonnen mitzufiebern.

    Um aus der FILMSTARTS-Kinokritik zu zitieren: „Unter der Exploitation-Oberfläche verhandelt Verhoeven stets pervertierte Machtstrukturen oder strukturelle Unterdrückung“, doch er zeigt nicht bloß den Sexismus von patriarchalischen Gesellschaften auf. Stattdessen zerschmettert Verhoeven mit „Wucht und Verve und einer Marienstatue, die auf der anderen Seite zu einem praktischen Holzdildo umgeformt wurde“ alles, wofür doppelzüngige Institutionen stehen, ohne in „antireligiöse Tiraden“ abzudriften. Unverantwortlichen Umgang mit einer Seuche dagegen? Sowas steckt er ohne jegliche Geduld in Brand.

    Die FILMSTARTS-Kritik zu "Benedetta"

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