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    Dieser TV-Meilenstein bietet 6 Stunden Survival-Abenteuer in der harschen Wildnis – jetzt feiert er sein Heimkino-Comeback
    06.08.2022 um 10:00
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

    Der TV-Sechsteiler „So weit die Füße tragen“ ist einer der wichtigsten Klassiker der deutschen Nachkriegs-Fernsehgeschichte. Jetzt kommt das Survial-Abenteuerepos in voller Länge zurück ins Heimkino.

    Fernsehjuwelen GmbH

    Im Nachkriegs-Deutschland war der vermeintlich auf wahren Begebenheiten beruhende Roman „So weit die Füße tragen“ eine regelrechte Sensation. In dem Buch berichtet Autor Josef Martin Bauer nach eigenen Aussagen von seinen Erfahrungen als Kriegsgefangener. Da er sich als unbescholten darstellt, traf seine Survival-Geschichte im Deutschland der 1950er-Jahre einen Nerv – und diente als Vorlage eines gleichnamigen Fernseh-Mehrteilers, der nicht minder erfolgreich war.

    Das sechsteilige TV-Event „So weit die Füße tragen“ prägte den Begriff „Straßenfeger“, da während der Ausstrahlungen praktisch das ganze Land vor den Bildschirmen klebte. Zwar gibt es mittlerweile zunehmend größere Zweifel an der Authentizität der Vorlage, dennoch ist der Fernseh-Meilenstein weiterhin sehr gefragt, weshalb die erste Blu-ray-Auflage des Titels längst wieder vergriffen ist. Doch nun gibt es endlich Nachschub: Diese Woche kam „So weit die Füße tragen“ zurück ins Heimkino – auf DVD und auf Blu-ray.

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    Das Label Fernsehjuwelen bringt „So weit die Füße tragen“ nicht einfach neu raus, sondern wertet seine Veröffentlichung mit umfangreichem Bonusmaterial auf. Darüber hinaus wurde der TV-Sechsteiler für diese Edition restauriert.

    "So weit die Füße tragen": Survivalepos als Trostpflaster

    Oberleutnant Clemens Forell (Heinz Weiss) wird zusammen mit 3000 weiteren Kriegsgefangenen im Herbst 1945 nach Sibirien verschleppt, wo sie zu 25 Jahre Zwangsarbeit verdonnert werden. Schon während der Hinreise stirbt knapp die Hälfte der Gefangenen, die unmenschlichen Bedingungen vor Ort kosten weitere Leben. Forell versucht mehrmals, zu fliehen ...

    ... und nach mehreren Fehlschlägen gelingt es ihm endlich. Doch die Flucht aus dem Lager war ein Klacks im Vergleich zu dem, was folgt: Der Heimweg ist 14.000 Kilometer lang und fordert ihn heraus, sich durch Eiswüsten, Wäldern und Steppen zu schlagen, sowie gegen Wölfe, Diebe und Räuber zu kämpfen...

    Neu im Heimkino: Dieser Abenteuer-Klassiker bietet sechs (!) Stunden spektakuläre Action und Bilder – nun als Sammler-Edition

    So unberechenbar die Gefahren sind, die Forell während seiner Heimreise durchstehen muss, so unberechenbar sind auch die Formalien des Sechsteilers: Statt einer uniformierten Dramaturgie und Lauflänge spielen die einzelnen Teile, ganz untypisch für das lineare Fernsehen, nach eigenen Regeln. Sie erstrecken sich von knapp einer Dreiviertelstunde bis fast eineinhalb Stunden Laufzeit, da Regisseur und Autor Fritz Umgelter jedem Abschnitt der Geschichte die Laufzeit gibt, die optimal für ihn ist, statt ihn unnötig zu dehnen oder zu strecken, um ihn in ein Programmschema zu pressen.

    Heimlicher Star der Produktion sind die ausschweifenden Naturaufnahmen, die genauso wie die atmosphärische Schwarz-Weiß-Fotografie auf Blu-ray noch besser zur Geltung kommen als einst im Ende der 50er-Jahre noch oftmals verrauschten Fernsehen. Der damals so überschwängliche Erfolg von „So weit die Füße tragen“ dürfte derweil auch daraus folgern, dass der Protagonist ein unschuldiger, heldenhafter deutscher Ex-Soldat ist – ein filmisches Trostpflaster, nach dem sich weite Teile des damaligen Publikums gesehnt haben dürften, selbst wenn es eher wie eine Scheuklappe fungierte.

    Aus heutiger Sicht ist dass eine bestenfalls naive, schlimmstenfalls beschämend-ignorante Beinote in einem TV-Epos, dessen filmhandwerklichen Leistungen dennoch bemerkenswert bleiben. Die Blu-ray-Edition von Fernsehjuwelen beleuchtet nicht nur diese Aspekte, sondern nähert sich in einer fast halbstündigen Dokumentation auch kritisch den historischen Hintergründen des Filmstoffes.

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