Im Jahr 2003 lösten „Die Wilden Kerle“ in Deutschland einen gewaltigen Boom aus. Die fußballbegeisterte Gruppe rund um Leon, Raban und Fabi muss in der Geschichte des ersten Teils ihren Bolzplatz vom „dicken Michi“ zurückerobern. Dabei kommt es immer wieder zu Reibereien – insbesondere, als Vanessa als einziges Mädchen zum Team stößt.
Durch die Buchverfilmung wurden die Kinderdarsteller um Jimi Blue Ochsenknecht über Nacht bundesweit berühmt. Dass dieser Ruhm jedoch Schattenseiten hat und es unter den Jungstars sogar zu regelrechtem Mobbing kam, offenbart nun der ehemalige Darsteller Nick Romeo Reimann.
"Die Wilden Kerle"-Dreharbeiten: Nick Romeo Reimann erlebte Mobbing hinter der Kamera
In der neuen ARD-Doku „Kinderschauspieler – Preis des Erfolgs“ berichten unter anderem Constantin von Jascheroff und Luna Jordan über ihre Karriereanfänge. Auch Nick Romeo Reimann ergreift das Wort und erinnert sich an seine Zeit bei den „Wilden Kerlen“ zurück – eine Erfahrung, die nicht nur positiv war. Nick übernahm ab 2006 (Teil 3 der Reihe) die Rolle des „Nerv“. Er schildert, dass er damals selbst ein riesiger Fan der Filme gewesen sei und unbedingt dazugehören wollte.
Da die meisten anderen Darsteller bereits seit dem ersten Teil dabei waren, fiel es ihm schwer, in die bestehende Gruppendynamik zu finden. „Was tatsächlich verwirrend war für mich, dass die anderen so anders waren zu mir, nachdem die Kamera aus war. Da habe ich nicht wirklich zur Bande dazugehört, ganz im Gegenteil. Da habe ich häufig eine unglaubliche Kälte und Härte erlebt“, erinnert sich Nick an die Dreharbeiten.
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Ihm gegenüber habe ein „ablehnendes Verhalten“ geherrscht. Besonders die Diskrepanz zwischen der Ablehnung hinter der Kamera und der filmischen Zuneigung, die seiner Rolle vor der Kamera entgegengebracht wurde, konnte er nur schwer in Einklang bringen. Er habe zwar gewusst, dass die Zuneigung gespielt war, genoss sie aber dennoch, da er sich genau diese Verbundenheit auch abseits des Sets gewünscht hätte.
Eine Situation hat sich dabei nachhaltig eingebrannt, da er erstmals als Kind mit massiven Beleidigungen konfrontiert wurde: „Wir sitzen bei McDonald’s und […] ich möchte an der Gruppendiskussion teilnehmen und dann wird mir gesagt: ‚Halt deine Fresse, du Scheißkind. Ich will nicht so verblöden wie du‘.“ Ihm wurde schlicht verboten zu sprechen. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum man so hasserfüllt auf mich reagiert hat“, so Reimann heute.
Auch im Tourbus gab es klare Grenzen: Ein bestimmter, für die „Wilden Kerle“ vorgesehener Bereich war für ihn tabu; Nick wurde dort regelmäßig rausgeschmissen. Die Dokumentation zeigt dazu ein selbstgedrehtes Behind-the-Scenes-Video des damals jungen Nick, der den Bus vorstellt. Als er den abgegrenzten Bereich filmt, in dem die älteren Darsteller sitzen, entgegnet ihm Jimi Blue Ochsenknecht nur ein hartes „Verpiss dich“. Der junge Nick trat daraufhin den Rückzug an und betonte schon damals vor der Kamera, dass es „immer so laufen“ würde.
Jimi Blue Ochsenknecht kommt selbst zu Wort
In der ARD-Dokumentation stellt sich auch Jimi Blue Ochsenknecht den Vorwürfen seines Kollegen und gibt sich einsichtig: „Ich distanziere mich da komplett und ich stehe auch dafür ein, dass man nicht mobben sollte. Mir ist das extrem wichtig, die Schuld da einzugestehen und zu den Fehlern zu stehen.“ Er könne heute verstehen, dass die Zeit für Nick damals schwierig gewesen sei, da die restliche Gruppe bereits drei Jahre lang fest zusammengewachsen und Nick zudem deutlich jünger als alle anderen war.
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„Ich war in so einer Phase, genau in dem Alter zwischen 14 und 17, wo ich mich extrem cool fand. Bei allem, was aus meinem Mund kam, dachte ich, das wäre cool. Und wenn man sagte ‚Jetzt verpiss dich‘ und so, dachte ich irgendwie, ich bin da der Coole im Raum“, erinnert sich Jimi Blue.
Abschließend zeigt er Reue für sein damaliges Auftreten: „Mir tut es an der Stelle auf jeden Fall leid und ich kann jetzt erst nachvollziehen, wie das für ihn ankam.“ Damals habe er sein eigenes Verhalten schlichtweg noch nicht reflektieren können.