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    Darkest Hour
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Darkest Hour
    Von Christoph Petersen
    Wie alle Freunde der russischen Fantasy-Blockbuster „Wächter der Nacht" und „Wächter des Tages" haben wir gerne gehört, dass Regisseur Timur Bekmambetov („Wanted", „Abraham Lincoln Vampirjäger") für den Invasions-Blockbuster „Darkest Hour" zumindest als Produzent nach Moskau zurückkehren würde. Nach dem Anschauen der ersten Trailer wich diese Zuversicht aber schnell einer erheblichen Skepsis: Kann ein Alien-Thriller überhaupt spannend sein, wenn sich die Menschen wie in schlechten Vampir-Filmen bei Feindkontakt sofort in einen Haufen Asche verwandeln? Inzwischen haben wir den Film von Regisseur Chris Gorak („Right at Your Door") ganz gesehen und müssen zugeben, dass die Alien-Attacken doch überraschend effektiv geraten sind. Allerdings hat „Darkest Hour" dafür ein ganz anderes Problem: Bis zum Schluss weiß der Zuschauer nicht, wie ernst er den Film eigentlich nehmen soll.

    Die Software-Entwickler Sean (Emile Hirsch) und Ben (Max Minghella) sind nach Moskau geflogen, um dort eine von ihnen programmierte Social Media App an einen russischen Konzern zu verscherbeln. Allerdings war ihr früherer Geschäftspartner Skyler (Joel Kinnaman) schneller – er hat die Idee geklaut und vor den beiden an den Mann gebracht. Aber ein paar Stunden später spielt das sowieso alles keine Rolle mehr. Erst bewundern noch alle die goldenen Staubwolken, die plötzlich auf Moskau niedergehen, aber dann attackieren die elektromagnetischen Wesen mit einem Mal die gen Himmel starrenden Menschen und verwandeln sie in einen Haufen Asche. Sean, Ben, und Skyler verstecken sich gemeinsam mit den amerikanischen Rucksacktouristinnen Natalie (Olivia Thirlby) und Anne (Rachael Taylor) in der Speisekammer eines Nachtclubs – aber nach einigen Tagen gehen die Vorräte zu Ende und die fünf müssen sich wohl oder übel wieder nach draußen wagen...

    In modernen Alien- oder auch Zombie-Filmen wissen die Protagonisten meist sofort, was zu tun ist, schließlich haben sie selbst genug Hollywoodfilme gesehen, die sie auf diese Situation vorbereitet haben. In „Darkest Hour" gibt es aber keine kleinen grünen Männchen, gegen die man einfach das Militär ins Feld schicken könnte. Stattdessen sind die Invasoren goldschimmernde, elektromagnetische Staubwolken, bei denen die Angegriffenen zunächst nicht die leiseste Ahnung haben, wie man sich gegen sie zur Wehr setzen sollte. Der Lernprozess ist dabei stimmig umgesetzt, selbst wenn plötzlich manch einer Ahnung von Elektrophysik hat, von dem man es vorab sicher nicht erwartet hätte. So hängen sich die zunächst noch ziellos durch Moskaus verwaiste Straßen schleichenden Flüchtlinge zum Beispiel Glühbirnen um den Hals, weil diese sofort anfangen zu leuchten, sobald sich eines der Aliens nähert.

    Während die erste Angriffswelle der Aliens in einem reinen Gemetzel endet (soweit man das überhaupt so nennen kann, es fließt ja nur Strom und kein Blut), begegnet die Truppe in der Folge meist einem oder maximal zwei der Wesen auf einmal. Und diese Aufeinandertreffen sind – Blutarmut hin oder her – ziemlich spannend geraten, was neben Chris Goraks ausgeprägtem visuellen Gespür auch daran liegt, dass die Figuren den Löffel hier nicht strikt nach dem herkömmlichen Hollywood-Abzählreim abgeben, sondern mitunter auch überraschend sterben.

    Ist dann nach einer halben Stunde die passende Endzeitstimmung inklusive menschenleerem Roten Platz geschaffen, schleichen sich aber plötzlich immer mehr Trashelemente in den Film ein. Das ist zwar zum Teil echt lustig, zum Beispiel wenn die Russen pathetische Patriotismus-Ansprachen raushauen, die man im amerikanischen Kino seit den 80er Jahren (man erinnere sich nur an „Rambo III") kaum mehr so platt erleben konnte. Aber die zuvor mühsam erarbeitete Atmosphäre fällt natürlich in sich zusammen, wenn das Publikum immer wieder lauthals losprustet.

    Dass nie ganz klar wird, wohin die Reise geht, liegt auch an den Schauspielern. Während die US-Darsteller ihre Rollen vollkommen ernsthaft (und leider nur selten überzeugend) abspulen, stehen die russischen Gaststars für puren Trash. Vom tüftelnden Vollbartträger Sergei (Dato Bakhtadze), der seine Wohnung in einen riesigen Faradayschen Käfig verwandelt hat, bis zum martialischen Matvei (Yuriy Kutsenko), dem berittenen, mit Panzerfaust und Kettenhemd ausgestatteten Anführer der Bürgerwehr – in diesen Parts schimmert jener russische Wahnsinn durch, der damals auch schon „Wächter der Nacht" zu einem so außergewöhnlichen Filmerlebnis machte. Zwanzig Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges treffen in „Darkest Hour" US-amerikanisches und russisches Kino aufeinander – und die russische Seite trägt einen deutlichen Punktsieg davon.

    Fazit: Effektiv inszeniertes Alien-Invasions-Spektakel, bei dem sich die Macher aber offenbar selbst nicht einig waren, ob sie nun einen Trashfilm drehen wollen oder nicht.
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