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The Crime
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Crime
Von Robert Cherkowski
Schon lange ist das Ende einer Fernsehserie nicht mehr endgültig. Immer wieder leben Serienhelden auf der großen Leinwand weiter, mal als Zwischenspiel wie beim ersten „Akte X"-Film, mal als größere, lautere und nicht unbedingt bessere Fortsetzung wie bei „Sex and the City", vor allem aber als komplett neue Version. Die Liste ist lang und reicht von großartigen Filmen wie Brian De Palmas „Die Unbestechlichen" oder der „Mission: Impossible"-Reihe bis hin zu banalem Durchschnitt wie „Das A-Team", von deutschen („Türkisch für Anfänger") bis zu britischen Adaptionen („Sex on the Beach"). Von der Insel stammt auch die neueste Wiederbelebung einer TV-Serie als Kinofilm: „The Crime" (im Original „The Sweeney"). Die 70er Jahre-Kultserie lief in Deutschland unter dem Titel „Die Füchse" und handelte vom harten Alltag des bärbeißigen Bullen Jack Regan. Der von Nick Love inszenierte Cop-Thriller wirkt zwar oft wie der Pilotfilm zu einem Serien-Reboot, doch dank des charismatischen Raubeins Ray Winstone („The Departed") in der Rolle des Regan macht „The Crime" viel Spaß.

Wenn der eisenharte Londoner Polizist Jack Regan (Ray Winstone) anrückt, dann gewiss nicht, um zu deeskalieren. Regan und seine Einheit, die berüchtigte „Flying Squad", sind nicht umsonst als Ausputzer bekannt. Bei ihren Einsätzen kennen sie kein Pardon und kämpfen mit schlagenden Argumenten gegen die Unterwelt. Als ein Juwelenraub aus dem Ruder läuft und die Diebe eine Angestellte töten, hat Regan schnell einen Verdacht. Mit gewohnt rabiaten Mitteln nimmt er den Einbruchsexperten Allen (Paul Anderson) fest, doch als sich nach einem brutalem Verhör herausstellt, dass eine serbische Gangsterbande hinter dem Bruch steckt, rücken interne Polizeiermittler unter der Führung von Simon Ellis (Allen Leech) Regan auf die Pelle und überwachen ihn streng. Aus Rache (und weil der bullig-unrasierte Kraftprotz so unwiderstehlich ist) führt Regan eine Affäre mit Ellis‘ junger Frau Nancy (Hayley Atwell), zugleich heftet er sich noch verbissener an die Fersen der serbischen Räuberbande. Als auch noch einer seiner Kollegen von den Gangstern niedergeschossen wird, brechen alle Dämme.

Derbe Bullen mit dubiosem Ehrenkodex, reichlich dunklen Seiten und rabiaten Methoden hat es in der Film- und Fernsehgeschichte schon viele gegeben. Ob Gene Hackmans getriebener Popeye Doyle in „French Connection", Clint „Dirty Harry" Eastwood, Denzel Washington als Bad Boy mit Polizei-Marke in „Training Day" oder Michael Chiklis‘ eigenmächtiger Berserker Vic Mackey in „The Shield - Gesetz der Gewalt" – wenn der Freund und Helfer das Recht auf höchst persönliche Weise auslegt, ist das Ergebnis oft mitreißend. Diese illustre Reihe muss nun um einen Namen erweitert werden, denn Ray Winstone legt gegenüber John Thaws Serien-Jack Regan noch einen Zahn zu. Wie ein Büffel stürmt er voran, kraftmeiert, scherzt, lässt die Muskeln spielen und röhrt aus heiserer Kehle Befehle, Drohungen oder obszöne Beleidigungen. Doch erst die Zwischentöne, mit denen Winstone dessen ambivalenten Charakter andeutet, machen Regan zu einer charismatischen Figur: ein Spross der prekären East Side Londons, der sich eher dem einfachen Mann als der staatlichen Autorität verpflichtet fühlt. Dass er auf der Seite des Gesetzes steht, wirkt oft wie reiner Zufall: Genauso gut hätte der bullige Alpha-Rüde auch auf der anderen Seite landen können, er hätte dort den gleichen Job gemacht - nur für mehr Geld. Seine Ermittlungsarbeit beschränkt sich in der Regel jedenfalls darauf, in der Unterwelt rumzupoltern, Verdächtige einzuschüchtern und zu zeigen dass er trotz seines Alters immer noch die dicksten Eier hat.

So rustikal wie der Held fällt auch die Inszenierung von Nick Love aus. Mit Filmen wie dem Hooligan-Reißer „Football Factory" oder der Gangster-Klamotte „The Business" hat Love bereits unter Beweis gestellt, dass er ein gutes Händchen für Genre-Stoffe hat. Auch Actionszenen liegen ihm, allein als Geschichtenerzähler hat er noch Defizite. Der Handlungsaufbau ist in „The Crime" wieder einmal recht holprig und es kommt zu unnötigen Wiederholungen. Auch das Bemühen um Doppelbödigkeit läuft weitgehend ins Leere, zumal man es oft mit langatmigen Dialogpassagen versucht, in denen der Zuschauer mit trockenen Informationen versorgt wird. Das aus Genre-Abziehbildern bestehende Figurenarsenal und die ewig gleichen Hinterzimmer-Schauplätze lassen „The Crime" auf erzählerischer Ebene endgültig wie eine misslungene und dabei auch noch zu lang geratene Serienfolge wirken. So ist es am Ende vor allem Ray Winstones überzeugende Darbietung, die Nick Loves Film über den Durchschnitt hebt.

Fazit: Wenn Ray Winstone als uriger Cop auf die Pirsch geht, macht das einfach Laune. Da vergisst man gerne, dass der Film im Ganzen recht oberflächlich und nicht wirklich packend ist.
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