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21 And Over
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
21 And Over
Von Christoph Petersen
Nach einigen finanziell erfolgreichen Komödien wie „Mein Schatz, unsere Familie und ich" mit Reese Witherspoon oder „Der Womanizer - Die Nacht der Ex-Freundinnen" mit Matthew McConaughey stieß das Autoren-Duo Jon Lucas und Scott Moore 2009 mit dem Megahit „Hangover" endgültig in die erste Liga Hollywoods vor. Statt im Anschluss auch noch die Fortsetzungen „Hangover 2" und „Hangover 3" zu schreiben, präsentieren die beiden nun ihr selbstverfasstes Regiedebüt „21 And Over". Der College-Partyfilm bietet dabei zwar etliche „Hangover"-Parallelen, kann dem modernen Komödien-Klassiker aber ansonsten nicht im Ansatz das Wasser reichen. Dafür haben die Darsteller zu wenig Charme, sind die Gags zu ausgelutscht und hat der Film ganz allgemein zu wenig Biss: Beim Reiten eines elektrischen Bullen in Zeitlupe zu kotzen, bringt in Post-„Jackass"-Zeiten eben schon lange keinen Hüter des guten Geschmacks mehr auf die Barrikaden (und auch kein partywütiges Publikum ins Kino).

In der Highschool waren Miller (Miles Teller) und Casey (Skyler Astin) beste Freunde. Aber auch wenn sie sich inzwischen nur noch selten sehen, wollen sie nun gemeinsam ihren guten Kumpel Jeff Chang (Justin Chon) an dessen Geburtstag überraschen. Der kann sich über den unerwarteten Besuch allerdings nicht wirklich freuen, steht ihm doch am nächsten Morgen der wichtigste Termin seines bisherigen Lebens bevor: ein Vorstellungsgespräch an einer Eliteuni! Es bedarf der ganzen Überzeugungskunst von Miller und Casey, um ihren Freund zumindest zu einem einzigen (ja ne, is‘ klar!) Bier zu überreden...

In „Hangover" wachten Bradley Cooper, Ed Helms und Zack Galifianakis in einem Hotelzimmer in Las Vegas zwar ohne Erinnerung an die vergangene Nacht, dafür aber mit Zahnlücke, Tattoo und Tiger im Badzimmer auf. Die Situation war so absurd und das Trio so liebenswert, dass das Publikum es schon nach dem ersten Trailer kaum noch abwarten konnte, sich gemeinsam mit dem Wolfsrudel auf Spurensuche zu begeben. Das Ergebnis: der bis dahin erfolgreichste US-Start einer Erwachsenen-Komödie überhaupt! Der ähnlich gelagerte (wenn auch auf ein jüngeres Publikum abzielende) „21 And Over" ist in den USA hingegen gefloppt. Warum? Das offenbart sich schon in den ersten fünf Minuten: In der Eröffnungsszene marschieren Miller und Casey nur mit einer Socke über dem Penis und einem Brandzeichen auf dem Hintern nackt über den Campus. Die Situation ist nicht halb so abgefahren wie im großen Vorbild und die Figuren sind nicht halb so sympathisch. Die Folge: Niemanden interessiert, wie es zu dem Walk of Shame gekommen ist. Dumm also, dass es in den folgenden 90 Minuten genau darum geht!

Es werden Tampons gefressen, Hintern gebrandmarkt und Asiaten per Teddybär und Sekundenkleber „beschnitten" – und trotzdem ist der nächtliche College-Trip im Endeffekt viel zu brav: kein Vergleich zur letztjährigen Party-Orgie „Project X", nach der man selbst sofort ins nächste gutbürgerliche Wohnviertel einfallen wollte, um dort alles in Grund und Boden zu feiern. „21 And Over" entpuppt sich hingegen als allzu beliebige Ansammlung mehr oder weniger abgefahrener Gags, die manchmal zünden (die Studentenparty, bei der sich die Gäste Stockwerk für Stockwerk bis zum Tower Master hochsaufen müssen), aber meistens wirkungslos verpuffen.

Weil die Macher ihre ganze kreative Energie auf – leider nicht einmal besonders provokante – Anstößigkeiten verwenden, bleiben dem Zuschauer die Figuren gleichgültig. Es geht zwar immer mal wieder um Freundschaft, aber selbst die Autoren scheinen diese Einwürfe nur zum mechanischen Vorantreiben der rudimentären Story eingebracht zu haben (ein vermeintlicher Selbstmordversuch von Jeff Chang wird sogar als plumper Rätselkniff missbraucht). Zur Austauschbarkeit der Charaktere passt dann auch der vollkommen beliebige Umgang mit ihrem Promillespiegel: Zwischen lallenden 3,5 Promille und vollkommen nüchtern liegt oft nur eine einzige Szene.

Fazit: „Hangover" trifft „Project X" – aber man muss schon doppelt so viel intus haben, um bei „21 And Over" auch nur halb so oft zu lachen wie bei diesen beiden Partykrachern.
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