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    Machete 2: Machete Kills
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Machete 2: Machete Kills
    Von Christoph Petersen

    Es ist alles beim Alten im Staate Mexiko. Wo sich Danny Trejo in „Machete“ noch an die Gedärme eines Widersachers geklammert aus dem Fenster stürzte, um dann ein Stockwerk tiefer wieder durch die Scheibe zu krachen, wirft er diesmal den halb herausgerissenen Darm eines Kartellschergen in die rotierenden Blätter eines Helikopters, woraufhin der ohnehin schon ausgeweidete Handlanger auch noch in Tausende kleine Stücke zerhäckselt wird. Robert Rodriguez‘ Schmuddelkino-Hommage „Machete Kills“ ist genauso brutal, abgefahren und politisch inkorrekt wie ihr Vorgänger, diesem wird aber auch kaum etwas Neues hinzugefügt. Für alle Fans von „Machete“ oder dem Rodriguez/Tarantino-Double-Feature „Grindhouse“ (in dem Machete in einem Fake-Trailer erstmals auftrat) bietet die Fortsetzung also erneut mehr als 100 temporeiche Minuten vollgestopft mit den geschmacklosesten Gags, unappetitlichsten Splattereffekten und absurdesten Storytwists. Aber wer schon mit dem ersten Auftritt von Danny Trejo als einsilbige Killermaschine nicht so recht warm wurde, der kann sich das Sequel von vorneherein mit gutem Gewissen sparen.

    Nach der Ermordung seiner Geliebten Sartana (Jessica Alba) scheint Machete (Danny Trejo) tatsächlich am Ende zu sein. Aber während er im Büro des sadistischen Sheriffs Doakes (William Sadler) am Strick baumelt, klingelt plötzlich das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: US-Präsident Rathcock (grandios: Carlos Estevez in seiner ersten Rolle) höchstpersönlich! Der mächtigste Mann der Welt benötigt die Hilfe von Machete, um dem durchgeknallten Kartellboss Mendez (Demian Bichir) eine Rakete abzujagen, die dieser auf Washington gerichtet hat. Eigentlich eine der leichtesten Aufgaben für die mexikanische Ein-Mann-Armee, aber es gibt ein Problem: Mendez hat den Raketenzünder per „Iron Man“-artiger Gerätschaft mit seinem Herzschlag verbunden. Also muss Machete den persönlichkeitsgespaltenen Mörder/Revolutionär/Geheimagenten lebend zurück in die USA schaffen, um die Vorrichtung zu entschärfen. Allerdings sind auf die Köpfe von Machete und Mendez inzwischen 20 Millionen Dollar ausgesetzt, weshalb nun jeder Gangster Mexikos Jagd auf die beiden macht – darunter auch der legendäre Profikiller Chamäleon (Walton Goggins, Cuba Gooding Jr., Lady Gaga, Antonio Banderas)…



    Das Grindhouse-Gemetzel geht in die zweite Runde… und Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“, „Sin City“) macht genau da weiter, wo er im ersten Teil aufgehört hat: Vom Chain-Gun-Büstenhalter bis zum iPhone-Springmesser („Machete don’t Tweet!“) hat der Regisseur immer noch mehr als genügend abgefahrene Einfälle in der Hinterhand, um auch in der Fortsetzung niemals einen Gang runterschalten zu müssen. Besonders gelungen sind dabei diesmal weniger die wieder reichlich vorhandenen Splatter-Extravaganzen, als die augenzwinkernden Meta-Bezüge wie eine 3D-Nacktszene mit Johnny Depps Freundin Amber Heard („All the Boys Love Mandy Lane“), in deren Rot/Grün-Gepansche das Publikum ohne passende 3D-Brille aber leider nichts erkennen kann. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die Figur des Auftragskillers Chamäleon, dessen Besetzung mit vier Schauspielern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, den leichtfertigen Maskenwahn von „Kobra, übernehmen Sie!“ & Co. treffend auf die Schippe nimmt.

    So bleibt der einzige Vorwurf, den man Rodriguez machen kann: Weil er den Wahnsinn in praktisch jeder Szene bis zum Anschlag aufdreht, gibt es kaum echte Höhepunkte. Was von „Machete 2“ am ehesten in Erinnerung bleiben wird, ist deshalb wie schon beim Vorgänger die mit Stars und Überraschungen gespickte Besetzung. Vor allem Newcomer Carlos Estevez legt als frauenverschlingender US-Präsident einen so herrlich-schmierigen Charme an den Tag, dass er selbst den in dieser Hinsicht bisher unangefochtenen Charlie Sheen aus „Two and a Half Men“ noch in den Schatten stellt. Und auch Sofia Vergara (in den USA dank „Modern Family“ ein Superstar, in Deutschland noch kaum bekannt) macht als schwerbewaffnete, männerhassende Puffmutter keine Gefangenen – und wenn ihre Metallbrüste leergeschossen sind, dann holt sie halt ihren höherkalibrigen Strap-On-Penis raus.

    Die Vierfachbesetzung des Chamäleons mit einem Texaner, einem Schwarzen, einer Frau und einem Spanier ist an sich schon so genial, dass es gar nicht weiter auffällt, dass Popstar Lady Gaga kein bisschen schauspielern kann – zwei Szenen später holt dann eben Antonio Banderas die Kastanien wieder aus dem Feuer. In die Fußstapfen von Robert De Niro als Oberbösewicht tritt diesmal „Mad Max“ Mel Gibson, dem man nach seinen cholerischen Real-Life-Eskapaden ohne weiteres zugetraut hätte, einen tobenden Grindhouse-Schurken zu verkörpern. Aber als hellsehendes Rüstungsindustrie-Mastermind mit „Moonraker“-Phantasien bleibt der Oscar-Preisträger überraschend blass. Deshalb ist es auch eine gute Sache, dass der in „Machete Kills“ präsentierte Trailer zu „Machete Kills Again… in Space“ bereits vorwegnimmt, dass Gibsons Rolle als Voz im für 2014 angekündigten dritten Teil von Leonardo DiCaprio gespielt wird – allerdings wird für diesen Casting-Coup laut eingeblendetem Disclaimer leider keinerlei Gewähr übernommen...

    Fazit: „Machete Kills“ = „Machete“ minus Überraschungseffekt.

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