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    Elvis & Nixon
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Elvis & Nixon
    Von Carsten Baumgardt

    Der sozial engagierte Schauspiel-Superstar George Clooney trifft fast schon regelmäßig Staatsoberhäupter, die sich gerne mit ihm fotografieren lassen – von Noch-US-Präsident Barack Obama bis hin zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auch U2-Sänger Bono Vox spannt für seine Weltverbesserungspläne beständig wichtige Politiker aus aller Herren Länder ein, während Angelina Jolie direkt im Auftrag des Hochkommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge im Einsatz ist. Solche Kontakte sind heute nichts Besonderes mehr und beinahe Alltag für einige Promis, aber 1970 sah das noch etwas anders aus: Als Elvis Presley, der damals berühmteste Entertainer auf dem Planeten, damals um ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Richard Nixon bat, hatte dieser zunächst keine Lust darauf. Doch dann kam es doch noch zu einer Begegnung und damit zu einem der bizarrsten Aufeinandertreffen zwischen Größen aus Showbusiness und Politik. Diese denkwürdige Episode inszeniert Indie-Regisseurin Liza Johnson („Return“) nun in ihrer Komödie „Elvis & Nixon“ als Treppenwitz der Weltgeschichte, allerdings erweist sich ihre Erzählung vom Rockstar mit FBI-Ambitionen, der den Hardliner im Weißen Haus von sich überzeugen will, als zu leichtgewichtig für einen ganzen Spielfilm. Erst wenn sich die Titelhelden im Finale leibhaftig begegnen, erwacht „Elvis & Nixon“ zu prallem Leben.

    Kurz vor Weihnachten 1970 fliegt der Sänger und Schauspieler Elvis Presley (Michael Shannon) gemeinsam mit seinem besten Freund Jerry Schilling (Alex Pettyfer) nach Washington: Der Superstar hat genug von den radikalen Kräften, die Amerika mitten im Vietnamkrieg seiner Meinung nach zerstören. Er will selbst mit anpacken und dem US-Präsidenten Richard Nixon (Kevin Spacey) persönlich seine Hilfe anbieten. Der Entertainer möchte als Bundesagent für das Bureau Of Narcotics And Dangerous Drugs arbeiten. Er sei hochmotiviert in der Sache, habe in der Army gedient und kenne sich bestens mit Schusswaffen aus, die er auch zahlreich mit sich führt. Am Tor zum Weißen Haus überreicht er Nixons Wachpersonal einen handgeschriebenen Brief, der bei Egil „Bud“ Krough (Colin Hanks) landet, einem Mitarbeiter von Nixons Stabschef H.R. Haldeman (Tate Donovan). Nixon will Elvis aber nicht treffen und lehnt ab – zunächst. Weil seine Töchter aber ein handsigniertes Foto vom „King“ wollen, willigt der Präsident schließlich doch ein.

    Das skurrile Treffen zwischen Elvis und Nixon ist eine kleine, amüsante Randnotiz der US-amerikanischen Zeitgeschichte und auch Liza Johnsons filmische Aufarbeitung der denkwürdigen Begegnung kommt über das Anekdotische kaum hinaus. Das liegt vor allem an der uneinheitlichen Darstellung der drei Hauptfiguren: Es wirkt, als seien die Schauspieler für ganz verschiedene Filme angeheuert worden. Während Michael Shannon („Man Of Steel“, „Salt And Fire“), der rein äußerlich weit vom Original entfernt ist und eher wie ein zweitklassiger Imitator rüberkommt, sich ungewohnt zurücknimmt und Elvis als skurril-höflichen Spinner mit Charme spielt, agiert Kevin Spacey („Sieben“, „House Of Cards“) als Richard Nixon hart am Rande der Karikatur. Er ist scheinbar so sehr damit beschäftigt, den Akzent und die Körperhaltung von „Tricky Dick“ zu imitieren, dass es für eine Interpretation im eigentlichen Sinne nicht mehr reicht – über einige amüsante Andeutungen von Nixons Störrigkeit kommt er nicht hinaus. Alex Pettyfer („Ich bin Nummer Vier“) wiederum wirkt als erster Sidekick und King-Kumpel komplett geerdet und wahrhaftig, wenn er zwischen der Freundschaft zu Elvis und seiner zuhause wartenden Verlobten Charlotte (Popstar Sky Ferreira) wählen muss, die seinem Heiratsantrag entgegenblickt.

    In den ersten zwei Dritteln schwankt „Elvis & Nixon“ somit zwischen sanft- versponnener Celebrity-Comedy, unbeholfen-grobschlächtiger Politsatire und nachdenklicher Tragikomödie über Freundschaft, Liebe und Loyalität. Die dabei entstehenden erzählerischen Unwuchten sind nicht ohne Reiz, führen aber vor allem zu einigem Leerlauf, weil kaum ein Aspekt weiter vertieft wird. Eine umso schwungvollere Entschädigung dafür gibt es dann allerdings, wenn die beiden Protagonisten und Alpha-Männchen Elvis und Nixon schließlich doch noch im Oval Office aufeinandertreffen. Der Clash der Egos wird von den Vollblutschauspielern Shannon und Spacey, die sich lässig-ironisch die Bälle zuspielen, genüsslich zelebriert: Die gegenseitige Fremdheit führt zu einem köstlichen Eiertanz und Elvis brüskiert den Platzhirsch Nixon durch Etikettenbrüche, wobei selbst der Griff zur Süßigkeitenschale zum Machtspielchen wird. Schließlich lässt sich der steife Präsident von der Ehrlichkeit und dem Engagement des Sängers beeindrucken - und auch das Publikum ist mit dem vorher allzu betulichen Film versöhnt.

    Fazit: Der Funke springt in dieser Komödie über eine skurrile historische Randnotiz erst bei der persönlichen Begegnung zwischen Michael Shannon und Kevin Spacey als „Elvis & Nixon“ im letzten Filmdrittel über.

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