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Jane Got A Gun
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Jane Got A Gun
Von Michael Meyns
Es hörte sich vielversprechend an, als 2011 erstmals die Rede von einem feministisch angehauchten Western namens „Jane Got A Gun“ war: Ein Skript von der legendären Black List (einer jährlichen Aufstellung der nach Meinung von Hollywood-Insidern besten noch nicht produzierten Drehbücher), Oscar-Preisträgerin Natalie Portman („Black Swan“) als Hauptdarstellerin und Produzentin sowie mit Lynne Ramsay eine ambitionierte Regisseurin, die mit ihrem kompromisslosen Drama „We Need To Talk About Kevin“ gerade für Aufsehen gesorgt hatte – die Konstellation schien Qualitätskino mit einer frischen Perspektive auf ein uramerikanisches Genre zu garantieren. Doch nach einer selbst für Hollywood-Verhältnisse besonders turbulenten Produktionsgeschichte kommt nun mit reichlich Verspätung eine enttäuschende Umsetzung des Stoffes unter der Regie von Gavin O’Connor in die Kinos. Es ist von außen schwer zu ergründen, was genau hinter den Kulissen von „Jane Got A Gun“ geschah, es ist aber allemal spannender als der misslungene Film, um den es geht.

1871, New Mexiko. Jane Hammond (Natalie Portman) lebt mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) und ihrer Tochter ein friedliches Leben auf einer abgelegenen Farm. Doch eines Tages holt sie Bills Vergangenheit als Mitglied einer Verbrecherbande ein: John Bishop (Ewan McGregor) und seine Gang spüren den Ex-Kollegen auf und strecken ihn nieder. Mit acht Kugeln im Körper schleppt sich Hammond nach Hause, um Jane zu warnen. Die bittet in ihrer Verzweiflung ihren früheren Verlobten, den Revolverhelden Dan Frost (Joel Edgerton), um Hilfe ...


Die Synopsis liest sich wie die eines x-beliebigen Durchschnittswesterns, aber gerade in diesem von Archetypen bestimmten Genre kommt es auf die Umsetzung an, auf die von den Filmemachern gesetzten thematischen und stilistischen Akzente. Das schien den Beteiligten klar zu sein, als sie Lynne Ramsay („Ratcatcher“) als Regisseurin für diese klassische Rache-Geschichte aus der Sicht einer Frau engagierten. Aber dann erschien die Britin nicht zum ersten Drehtag im März 2013 am Set und warf die Brocken hin. Die Hintergründe sind unklar: Die Produzenten warfen Ramsay Alkoholismus und schlechten Umgang mit den Schauspielern vor, von Seiten der Regisseurin hört man, dass sie immer stärker unter Druck gesetzt worden sei, zu wenig Zeit zur Vorbereitung bekommen habe und man ihr entgegen voriger Absprachen das Recht auf den Endschnitt verweigert habe. Die Vorfälle hatten später auch ein juristisches Nachspiel, doch ein Nachfolger auf dem Regieposten wurde sofort gebraucht. Der wurde mit Gavin O’Connor gefunden, was die Stoßrichtung des Projekts erheblich veränderte.

Vom feministischen Ansatz ist beim auf „Macho-Stoffe“ wie „Warrior“ oder „Das Gesetz der Ehre“ spezialisierten O’Connor nichts mehr zu spüren, aber auch davon abgesehen ist „Jane Got A Gun“ ein schwacher Film. Die Geschichte verliert sich in einer unsinnigen Rückblendenstruktur, die Motivationen der Figuren sind meist wenig nachvollziehbar, visuell überzeugt allein die hübsche Landschaft und auch die Schauspieler können kaum Akzente setzen, zumal sich das Besetzungskarussell nach Ramsays Abgang noch einmal heftig gedreht hat: Ohne sie wollte auch Jude Law („Unterwegs nach Cold Mountain“) nicht mehr mitmachen (zuvor war schon Michael Fassbender abgesprungen und Joel Edgerton hatte die Rollen gewechselt), sein vermeintlicher Nachfolger Bradley Cooper („American Sniper“) hat es sich ebenfalls bald anders überlegt, ehe schließlich Ewan McGregor („Trainspotting“) engagiert wurde. Die Schwachstelle des Casts ist aber ausgerechnet Natalie Portman. Dass ihre Jane eine schwache Figur bleibt, liegt auch daran, dass die grazile Schauspielerin mit ihren makellosen Gesichtszügen und dem blendend weißen Hollywood-Gebiss nicht wirklich in die schmutzige Western-Welt passt, die hier nur behauptet wird. Vor allem aber ist Jane ohne männliche Unterstützung vollkommen hilflos: Statt Frauenpower gibt es in „Jane Got A Gun“ altbackene Stereotypen.

Fazit: Natalie Portman mag mit ihrem Western-Projekt „Jane Got A Gun“ hohe künstlerische  Ambitionen verbunden haben, nach zahllosen Problemen vor und während der Dreharbeiten ist am Ende jedoch ein uninspirierter und überaus konventioneller Film entstanden.

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Kommentare

  • Jimmy V.
    Schade, schade! Mich hätte ja interessiert, ob McGregor so eine gute Figur macht wie im Trailer suggeriert wird.
  • niman7
    Was ist das für eine Kritik? Gut 3/4 davon erhält Kommentare über den schwierigen Dreh und der Schwachpunkt ist Natalie Portman, weil sie...zu gut aussieht? Ernsthaft?
  • Fain5
    Was für eine miserable Kritik. Da wird schon im ersten Satz gesagt, dass es eine Standardwesterngeschichte ist. Ja, wie definiert man denn einen Western, wenn es keine Westerngeschichte ist? Dann habe ich das Gefühl, dass der Autor ein Möchtegernfeminist ist, der nicht damit klar kommt, den Frauenfilm zu kriegen den er sich erhofft hat. Dazu kommt noch, wie Niman schon erwähnte die grenzdebile Kritik, dass Portman zu schön für den Film sei, auch das ist keine Ausnahme bei solchen Filmen.Also ehrlich Filmstarts unabhängig was man von euren fragwürdigen Specials hält waren immerhin eure Kritiken zum grössten Teil ernst zu nehmen. Aber in letzter Zeit sind diese nur noch ein Witz. Ich weiß nicht ob ihr einfach ein schlechtes Händchen bei der Auswahl eurer Kritiker habt oder der Kerl, der in letzter Instanz für die Veröffentlichung zuständig ist nichts drauf hat aber das ist weder als Filmfan noch in journalistischer Hinsicht zufrieden stellend.
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