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    Margos Spuren
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Margos Spuren
    Von Andreas Staben
    Noch ehe sich ihre Teenager-Romanze „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ im Sommer 2014 zu einem wahren Phänomen entwickelte, das nicht nur das Publikum, sondern auch große Teile der Kritik begeisterte, dachten die Produzenten des Überraschungserfolgs bereits daran, eine weitere Vorlage des gefeierten Bestsellerautors John Green zu verfilmen. Ihre Wahl fiel auf „Margos Spuren“, den dritten Roman des Schriftstellers, außerdem engagierten sie für die Hauptrolle und das Drehbuch bewährte „Schicksals“-Kräfte: Nat Wolff hatte als erblindeter bester Freund von Ansel Elgorts Protagonisten eine beeindruckende Leistung gezeigt und dem Duo Scott Neustadter und Michael H. Weber war es gelungen, den so natürlich wirkenden Tonfall Greens kongenial auf die Leinwand zu bringen. Das sind einerseits beste Voraussetzungen für einen weiteren gelungenen Film, zum anderen fördert es aber auch falsche Erwartungen, denn wie die Kenner der Bücher wissen, ist „Margos Spuren“ eben kein zweites „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Ging es dort noch tränenträchtig um die ganz große romantische Liebe im Angesicht des Todes, erzählt der neue Regisseur Jake Schreier in seiner weitgehend vorlagentreuen Mischung aus Highschool-Komödie, Coming-of-Age-Drama und Road Movie nun weniger schicksalsschwer und nicht frei von erzählerischen Unwuchten, aber ähnlich einfühlsam von den vielen Facetten der Freundschaft.

    Der 17-jährige Quentin (Nat Wolff), von seinen Freunden auch Q genannt, ist weniger an Partys als an einem guten Schulabschluss interessiert. Aber als das Nachbarsmädchen Margo (Cara Delevingne), in das er seit Jahren verliebt ist, an sein Fenster klopft und ihn als Fluchtfahrer mit auf einen nächtlichen Rachefeldzug nehmen will, sagt er ja. Die gemeinsamen Streiche setzen in ihm ungekannte Gefühle frei, doch am nächsten Tag ist Margo verschwunden. Quentin entdeckt, dass sie ihm Hinweise auf ihren Aufenthaltsort hinterlassen hat und macht sich auf die Suche nach der Ausreißerin. Er überredet seine beiden besten Kumpels Ben (Austin Abrams) und Radar (Justice Smith) zu einem Road Trip von Orlando in das Städtchen Agloe im Bundesstaat New York. Die populäre Lacey (Halston Sage), die nicht versteht, warum sie bei Margo  in Ungnade gefallen ist, und Radars Freundin Angela (Jaz Sinclair) schließen sich ihnen an. Der Weg ist weit und es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Abschlussball...


    Wenn Quentin und Margo am Anfang eine Leiche entdecken, liegt ein Hauch von „Stand By Me“ in der Luft und wenn sie später ein Auto in Folie einwickeln oder einem schlafenden Mitschüler eine Augenbraue abrasieren, dann erinnert das an die ausgetüftelten Streiche aus „Ferris macht blau“ - es ließen sich auch noch das Rätselraten aus „Die Goonies“ und zahlreiche weitere Assoziationen aufzählen: War „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ noch durch eine gewisse Schnörkellosigkeit und erzählerische Konzentration gekennzeichnet, steckt „Margos Spuren“ nun voller ganz unterschiedlicher Ideen und Stimmungen. Dabei muss sich der Film ähnlich wie seine Hauptfigur (Nat Wolff überzeugt als Sympathieträger und Identifikationsfigur) gleichsam erst finden. Zunächst wirkt vor allem die Erzählstruktur mit Quentins bedeutungsschwangerem Off-Kommentar noch recht gezwungen. Da ist gleich von einem Wunder die Rede und von Liebe auf den ersten Blick, doch die Margo-Vernarrtheit des Jungen ist auch später nicht so leicht nachzufühlen. Das Model Cara Delevingne („Anna Karenina“) bringt gut die Eigenwilligkeit und auch den Egoismus des Freigeistes zur Geltung, aber von einer faszinierenden Aura war zumindest für diesen Betrachter wenig zu spüren. Und während andere Nebenfiguren wie der zunächst etwas nervige Nerd Ben und die leidende Schöne Lacey im Laufe des Films deutlich an Tiefe gewinnen, bleibt Margo nicht nur aus dramaturgischen Gründen kaum mehr als der Auslöser für die Entwicklung der anderen.

    Wenn Quentin und Co. sich ins Auto setzen, um Margo in einer Paper Town (so nennt man erfundene Orte, die von den Erstellern auf Landkarten wie eine geheime Signatur eingetragen werden, um Fälscher oder Plagiatoren überführen zu können) zu suchen, beginnt der stärkste Teil des Films. Einige der besten Gags (man achte auf die Südstaatenflagge), der überraschendste Gastauftritt (wer dort als Verkäufer im Tankstellenshop zu sehen ist, wird nicht verraten) und die schönsten Dialoge gibt es auf dem Trip der Clique durchs Land. Einmal sitzen die besten Freunde Quentin, Radar und Ben zusammen und unterhalten sich über all die „schrecklichen Dinge“, die sie nach der Schule nie wieder tun müssen – und können. Sie sind zwischen dem ungeduldigen Herbeisehnen der Zukunft und dem nostalgisch bedauernden Rückblick auf eine Zeit, die unwiderruflich zu Ende geht, hin- und hergerissen, und man kann spüren, wie sie von der plötzlichen Intensität ihrer widerstreitenden Gefühle überrascht werden. Diese bittersüße Stimmung zwischen Aufbruch und Abschied prägt die besten Momente des Films. Da treffen John Greens lebensechte Figuren auf das atmosphärische Gespür der Drehbuchautoren von „(500) Days Of Summer“ und „The Spectacular Now“. Und der Regisseur von „Robot & Frank“ steuert seinen Sinn für die Versöhnung von Gegensätzen bei.

    Fazit: Kurzweiliger und gefühlvoller Teenager-Film nach einer Vorlage von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“-Autor John Green.
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