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Jason Bourne
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Jason Bourne
Von
Erinnern wir uns. Dreimal schoss, jagte und prügelte sich der ominöse Jason Bourne im Lauf der Nuller Jahre durch labyrinthische Paranoiageschichten, immer auf der Suche nach seinem Gedächtnis und seiner Identität. Eher klassisch-detektivisch ging es im von Doug Liman inszenierten Erstling „Die Bourne Identität“ (2002) zu, doch dann übernahm Paul Greengrass das Kommando und erfand in „Die Bourne Verschwörung“ (2004) und „Das Bourne Ultimatum“ (2007) mal eben den Spionagethriller neu. Mit wackeliger Handkamera, wüstem Stakkatoschnitt und einer gehörigen Portion politischer Skepsis sorgte der dokumentarisch geschulte Brite für eine stilistische Modernisierung bei gleichzeitiger Verankerung im Hier und Jetzt. Dann war Schluss, zumindest für den Regisseur und seinen Star, den grandios wortkargen, mit subtiler Präzision agierenden Matt Damon. Und während das Duo sich in „Green Zone“ auf brenzliges Politthriller-Terrain vorwagte, versuchten die „Bourne“-Produzenten, ihr Franchise in Bond-Manier fortzusetzen: mit Jeremy Renner als neuem Ex-Agenten und einem Team, das weitgehend für Kontinuität sorgte. Die Story von „Das Bourne Vermächtnis“ allerdings geriet blutleer und Renner wurde zum George Lazenby unter den Bourne-Darstellern. So kehrt Damon nun zurück wie einst Sean Connery: als „Jason Bourne“ sucht er erneut nach Fakten aus seiner Vergangenheit und wird in ein Intrigenspiel verwickelt, das Greengrass  als atemlose transatlantische Hetzjagd arrangiert.

Ex-CIA-Attentäter Jason Bourne (Matt Damon) lebt seit Jahren im europäischen Untergrund und hält sich mit illegalen Faustkämpfen über Wasser. Seine ehemalige Kollegin Nicky Parsons (Julia Stiles), inzwischen für eine Enthüllungsplattform tätig, hackt sich in das CIA-Computersystem und stiehlt hochbrisante Daten, die auch Bournes Vorgeschichte betreffen. Sofort sind ihr die CIA-Beamtin Heather Lee (Alicia Vikander) und ihr Vorgesetzter, der Agenturdirektor Robert Dewey (Tommy Lee Jones) auf der Spur. Als Bourne und Parsons sich während einer Demonstration in Athen treffen, warten bereits ein Agententeam und der Killer „The Asset“ (Vincent Cassel) auf die beiden. Parsons kann Bourne den Datenstick übergeben, doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Bourne flieht nach Berlin, wo er Einsicht in die Files bekommt und wieder einige Puzzlestücke zu seiner eigenen Vergangenheit und der seines Vaters (Gregg Henry) findet ...



Die erste Szene spielt an der griechisch-albanischen Grenze und weckt – gewollt oder ungewollt – Assoziationen zur Flüchtlingskrise. Das passt gleich doppelt, ist Bourne doch der Flüchtling par excellence, ein ewig Heimatloser, der immer bloß reagiert und allenfalls in die Offensive kommt, wenn er seinen Verfolgern ein Schnippchen schlagen muss. Auch nach fast zehn Jahren in der Versenkung hat er kein Zuhause gefunden, sondern prügelt finsteren Kontrahenten die Seele aus dem Leib wie einst Clint Eastwoods „Mann aus San Fernando“ oder Edward Norton im „Fight Club“. Ein politischer Brennpunkt ist auch der Schauplatz der ersten von drei epischen Verfolgungsjagden, die in Länge und Logistik, wenn auch nicht in Originalität, an Klassiker wie „The French Connection“ erinnern. Mitten in Athen (gedreht wurde allerdings auf Teneriffa) liefern sich Polizei und Demonstranten einen erbitterten Schlagabtausch und erinnern beiläufig an die schwere Wirtschaftskrise des Landes. So wie hier verwebt Paul Greengrass durchgehend aktuelle politische Sujets mit der furiosen Action seines ansonsten ziemlich eindimensionalen Plots.

Obwohl es hier phasenweise sehr analog zugeht, avanciert das Internet mit seiner wachsenden Kontrollfunktion alsbald zum Hauptthema des Films: Edward Snowden wird immer wieder explizit genannt, Julia Stiles‘ Figur arbeitet für einen Julian Assange nachempfundenen Aktivisten und Riz Ahmed („Four Lions“) spielt einen Social Media-Entrepreneur, dessen „Deep Dream“-Netzwerk wie Mark Zuckerbergs Facebook funktioniert. Alle Datenströme laufen in der CIA-Zentrale zusammen, einer imposanten Cyberhölle, wo binnen Sekundenbruchteilen Gesichter erfasst, Laufwege nachgezeichnet und USB-Sticks geortet werden. Es gibt keine persönliche Freiheit mehr, lautet der wenig subtile Subtext fast jeder Szene und Greengrass’ Film ist entsprechend düster. Es gibt nichts zu lachen in „Jason Bourne“, es darf nicht mal gelächelt werden, so verbissen wird hier gefightet um – ja, um was eigentlich? Zu gewinnen jedenfalls hat niemand etwas, mal abgesehen vom reinen Überleben.  

Jeder der Beteiligten – vom gewohnt lakonischen Tommy Lee Jones („Auf der Flucht“) über die emotionslose Alicia Vikander („The Danish Girl“) bis Vincent Cassel („Hass“) als stereotyper Auftragskiller - zieht hier zwei Stunden lang stoisch sein Ding durch. Für Bourne gilt das sowieso, dem bleibt wie üblich nichts anderes übrigb, als sich bis zur Spitze der gegnerischen Befehlskette vorzuarbeiten. Mit stets solidem Actionkino wird über die sehr elementare Handlung  (ein interner CIA-Machtkampf muss als vage Antriebsfeder ausreichen) bis zum Finale in Las Vegas hinweginszeniert. Das ist aufwändig, schnell, kraftstrotzend, aber Paul Greengrass belässt es leider bei der Variation des Immergleichen. Sein Stil wirkt heute längst nicht mehr so cool wie vor zehn Jahren, und seine Klaviatur beschränkt sich auf sehr wenige Töne, die so lange angeschlagen werden, bis eine gewisse Monotonie entsteht. Und so endet „Jason Bourne“ gewissermaßen im Leerlauf.

Fazit: Für das fünfte „Bourne“-Abenteuer sind Matt Damon und Regisseur Paul Greengrass nach dem umstrittenen Zwischenspiel „Das Bourne Vermächtnis“ zurückgekehrt. Ihre neuerliche Jagd nach Erinnerungsbruchstücken kann in handwerklicher Hinsicht voll überzeugen, wirkt aber weder sonderlich inspiriert noch originell.

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Kommentare

  • Fain5
    Solche Leute mag ich ja, die sich über eine Kritik beschweren nur um dann zu sagen, dass sie eh nix auf Kritiken geben...
  • Fain5
    Wenn du auf seine Meinung pfeiffst kann es die doch egal sein ob ihr derselben seid oder nicht...
  • Alex Ru
    War lediglich eine ironische Schlussfolgerung.
  • WhiteNightFalcon
    3 Sterne??!! Egal, wird wie jeder neue Film von Bond und Hunt auch geschaut.
  • Peter H.
    Ich lese mit idR nur das Fazit durch. So auch hier.
  • niman7
    Nichts neues hier :D
  • niman7
    Der Streifen kommt allgemein sehr durchschnittlich weg. Was eigentlich schade ist. Aber gut, wie soll man schon Ultimatum toppen^^
  • niman7
    Ich lese mir hier seit gut ein Jahr mittlerweile nur noch das Fazit durch :D Wenn ich den selbst gesehen hab, lese ich sie vollständig.
  • HalJordan
    Schade, aber leider zu erwarten nach den ersten Kritiken. Für mich einer der Filme auf die ich mich in diesem Jahr am meisten freute. Bin ein Fan der Bourne-Reihe, was vor allem an Teil 2 und Teil 3 liegt. Ironischerweise ist Tony Gilroy, der Autor der Bourne-Filme 1-4 nach Teil 4 abgesprungen, bei dem er selbst Regie führte.Auch wenn man die Reihe nach Ultimatum hätte Ruhen lassen sollen, bin ich nun für ein abschließendes Sequel mit dem Erfolgstrio Damon, Greengras und Gilroy. Wünsche mir einen würdigen Abschluss dieser Reihe mit einem starken Film.
  • Sven McClane
    „…weder sonderlich inspiriert noch originell.“ Dr. Uwe Boll hätte der Bourne-Reihe sicherlich neue Impulse geben können. Denn gerade auf dem brenzligen Politthriller-Terrain bewegt sich Uwe doch schon seit einigen Jahren ziemlich erfolgreich.
  • WhiteNightFalcon
    Ich mag sie alle 3 gleichermaßen, einfach weil jeder völlig anders ist. :-)
  • Sven McClane
    @ Larry, das ist doch Quatsch. Sven Unterwaldt jr. hat sich auf subtile Komödien spezialisiert. Aber hier, also für dieses Genre, benötigt man schon einen anderen Fachmann - jemanden, der gekonnt mit den festen Elementen eines Action-Polit-Thrillers jonglieren und zugleich originelle Akzente setzen kann. Das ist also ein Fall für den Doktor!
  • Sven McClane
    Gerüchten zufolge soll Sven Unterwaldt jr. das Drehbuch für Maren Ades subtile Komödie „Toni Erdmann“ geschrieben haben. So holzhammerartig kann er also gar nicht sein ...
  • niman7
    So die Kritik nun gelesen und sie liest sich eigentlich schlechter als 3. PS: den internen Machtkampf hätte ich aber herausgelassen ;)
  • The_Tom
    Zeige mir bitte eine Wertung in meinem Beitrag, in dem ich Quell0r lediglich erklärt habe, wie Alex Ru in seinem Post auf 2,5 Sterne kam. Spoiler: Du wirst keine finden.
  • Peter H.
    Engagiere ein paar tolle Namen, schreib nochmal Bourne drüber und du hast einen Film der dir Geld bringt.Komplett ausgelutscht und langweilig, der Film hat mich absolut nicht mitgerissen. Da hat man einen Tommy Lee Jones und bringt ihn nicht auf die Leinwand.120 Mio. $ Budget, ich wüsste gar nicht wo die gelandet sind.
  • Cinergie
    Sehe ich ähnlich, fand den Film sogar sehr spannend auch wenn wenig Neues gezeigt wurde. Wackelkamera ist auch nicht so mein Ding.Freue mich trotzdem auf die angedeutete Fortsetzung, auch wenn eine etwas innovativere Geschichte erhoffe!Mein Highlight war aber sowieso Alicia Vikander, die Frau ist einfach grossartig!
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