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Das Ende ist erst der Anfang
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Das Ende ist erst der Anfang
Von
In dem Weltuntergangswestern „Das Ende ist erst der Anfang“ ist Belgien genauso trostlos wie North Dakota: In seinem neuen Film kreuzt der regieführende Schauspieler Bouli Lanners (als Regisseur: „Eldorado“, als Darsteller: „Der Geschmack von Rost und Knochen“) den Coen-Klassiker „Fargo“ mit dem Neuen Testament. Ein geistig beeinträchtigtes Pärchen, Willy (David Murgia) und Esther (Aurore Broutin), zieht Hotelzimmer plündernd durchs Land, um vor dem Ende der Welt noch Esthers einst zur Adoption freigegebene Tochter zu finden. Den beiden dicht auf den Fersen sind die Auftragskiller Cochise (Albert Dupontel) und Gilou (Bouli Lanners), die ein Handy mit brisantem Videomaterial wiederbeschaffen sollen, das Willy bei einem seiner Hoteldiebstähle hat mitgehen lassen. Und dann ist da noch der Obdachlose Jesus (Philippe Rebbot), der immer wieder auftaucht, weise Sprüche von sich gibt und selbstlos für die anderen in die Bresche springt…

Cochise und Gilou werden in einer Diner-Szene eingeführt, in der sie darüber streiten, wer nun der Ältere von ihnen ist: Gilou reklamiert das für sich, weil er schließlich im Januar und Cochise erst im Dezember zur Welt gekommen sei, woraufhin sein Gegenüber entgegnet, dass er selbst ja aber schon einen Jahrgang früher geboren wurde und damit einen Monat mehr auf dem Buckel habe… Abgesehen davon, dass die beiden sich für den Rest des Films nicht mehr ganz so begriffsstutzig, sondern immerhin wie durchschnittlich intelligente Typen verhalten, geht’s hier also mal wieder um Killer (mit einem Herz aus Gold), die über belanglosen Kram diskutieren - und wir hatten doch so sehr gehofft, die Zeit der halbgaren Tarantino-Klons läge endgültig hinter uns!




Zu dem pseudocleveren Geplaudere gesellt sich eine Reihe metaphysischer Metaphern (Jesus mit Schussloch in der Handfläche, ein sterbender Hirsch aus dem Nichts), die auf der einen Seite jegliche Subtilität vermissen lassen, auf der anderen aber trotzdem keinen Sinn ergeben. Und natürlich hängen die ganzen Geschichten am Ende irgendwie zusammen, was beim Zuschauer offenbar zu einem philosophischen Aha-Erlebnis führen soll, aber dann doch nur ein teilnahmsloses Achselzucken provoziert. Der einzige Lichtblick (neben einem kurzen Gastspiel von Altstar Max von Sydow): Nach „Das Ende ist erst der Anfang“ hat man wieder eine völlig neue Wertschätzung dafür, was die Coen-Brüder und Quentin Tarantino damals mit „Fargo“ und „Pulp Fiction“ tatsächlich Großartiges geleistet haben.

Fazit: „Fargo“ in den Schnee gesetzt.

Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2016. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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