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    Stephen King's Big Driver
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Stephen King's Big Driver
    Von Christoph Petersen
    Als Tess Thorne (Maria Bello) auf dem Weg von einer Lesung nach Hause von einem hünenhaften Mann (Will Harris) vergewaltigt und anschließend in einem Abwasserkanal voller Frauenleichen zum Sterben zurückgelassen wird, schlussfolgert der Zuschauer sofort: Die etwas zu nette Veranstalterin Ramona Norvell (Ann Dowd), die Tess die „Abkürzung“ selbst in deren GPS einprogrammiert hat, hängt bestimmt in der Sache mit drin. Sie ist womöglich sogar die Mutter des degenerierten Serienmörders. Aber in der Stephen-King-Verfilmung „Big Driver“ von Mikael Salomon („Hard Rain“) verfügt nicht nur das Publikum über eine gewisse Genreerfahrung, sondern auch die Protagonistin selbst - die verdient ihr Geld schließlich als Autorin von Romanen über einen in Mordfällen ermittelnden Senioren-Häkelclub. Und so kombiniert Tess genau wie der Zuschauer: Ja, die nette ältere Dame hat Dreck am Stecken! Nur gibt es da ein Problem, denn auch vor der Vergewaltigung führte Tess bereits (Selbst-)Gespräche mit den Figuren aus ihren Romanen, unterhielt sich mit ihrer Katze und der Stimme ihres GPS. So hundertprozentig mag man den Schlussfolgerungen ihres paranoid-psychotischen Verstandes also nicht trauen, als sie sich entschließt, statt zur Polizei zu gehen lieber zu einem Rachefeldzug aufzubrechen.


    „Big Driver“ ist eine Produktion des US-amerikanischen TV-Senders Lifetime, der sich mit seinem Programm vor allem an ein weibliches Publikum richtet und in seinen Filmen oft starke Frauenfiguren präsentiert. Und diesem Anspruch wird Maria Bello („A History of Violence“) als Tess Thorne auch gerecht: Sie ist nicht einfach „nur“ ein weiteres Vergewaltigungsopfer, sondern eine verquer-komplexe, die meiste Zeit nicht einmal sonderlich sympathische Anti-Heldin (auch wenn die Macher am Ende ein wenig Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen --> siehe Spoiler-PS am Ende dieser Kritik). Abseits seiner ungewöhnlichen Hauptfigur hat „Big Driver“ dann allerdings nicht mehr allzu viel zu bieten. Gerade in Anbetracht seiner früheren Karriere als Kameramann (zwei Oscar-Nominierungen für „Abyss“ und „Backdraft“) hätten wir uns von Regisseur Mikael Salomon bei der Inszenierung von Tess‘ psychotischen Anfällen deutlich mehr Kreativität gewünscht und auch die Rache-Handlung an sich ist alles andere als originell.

    Fazit: Auf einer Kurzgeschichte von Stephen King beruhender Rape-Revenge-Thriller, in dem zwar letztlich auch nur die üblichen Wendungen abgehakt werden, der dafür aber mit seiner komplexen Protagonistin Pluspunkte sammelt.

    Spoiler-PS: Zwar überfällt die psychotische Tess ohne stichhaltige Beweise die vermeintliche Mutter des Täters und erschießt dann nach einer Verwechslung auch noch dessen Bruder. Allerdings stellt sich jedes Mal heraus, dass die Angegriffenen tatsächlich etwas mit der Vergewaltigung zu tun hatten. Spannender und komplexer wäre es aber natürlich gewesen, wenn es auf demem Rachefeldzug zumindest auch einen Unschuldigen erwischt hätte.
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