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Saint Amour - Drei gute Jahrgänge
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Saint Amour - Drei gute Jahrgänge
Von Niklas Pollmann
Komödien aus Frankreich sind nicht erst seit dem Kassenschlager „Ziemlich beste Freunde“ hierzulande en vogue. Doch wer Filme des Regie-Duos Gustave Kervern und Benoît Delépine („Mammuth“, „Louise Hires A Contract Killer“) kennt, weiß um ihren Hang zum Derben und Perversen: Mit harmloser Sozialkomik ist es bei ihnen nicht weit her. Und so ist auch „Saint Amour“, die zweite Zusammenarbeit Gérard Depardieus mit Kervern und Delépine (nach dem mäßigen „Mammuth“), eher für jene Zuschauer zu empfehlen, die sich an der Grenze zur Geschmacklosigkeit wohlfühlen.

Um seinen 40 Jahre alten Sohn Bruno (Benoît Poelvoorde) von der Schönheit der Agrarkultur zu überzeugen, unternimmt der korpulente und verwitwete Alt-Landwirt Jean (Gérard Depardieu) mit ihm und dem spontan gebuchten Taxi-Fahrer Mike (Vincent Lacoste) eine Sauftour durch Südfrankreichs Weinlandschaften. Und das ungalante Wort „Sauftour“ ist an dieser Stelle angebracht, denn in „Saint Amour“ wird das feine, bourgeoise Etikett der französischen Wein-Connaissance unnachgiebig zerschmettert. Gustave Kervern und Benoît Delépine machen dabei nie einen Hehl daraus, dass ihnen nicht viel an Subtilität oder Pietät liegt…




Wo in anderen französischen Komödien wie „Verstehen Sie die Béliers?“ oder „Monsieur Claude und seine Töchter“ der Selbstanspruch mitschwingt, mit dem Humor einen Teil zum Zusammenhalt der Gesellschaft und der Repräsentation von Randgruppen beizutragen (was mal mehr, mal weniger erfolgreich gelingt), stellt das Regie-Duo hinter „Saint Amour“ von Anfang an unmissverständlich klar, dass hier ohne falsche Scheu über die bäuerliche Landbevölkerung und ihre vermeintliche soziale Unfähigkeit gelacht werden darf. Politische Brisanz bzw. Aktualität ist höchstens darin zu finden, dass der französische Literat der Stunde Michel Houellebecq („Elementarteilchen“) einen kleinen Gastauftritt hat und sich dabei als ziemlich verdrehter Gastgeber einer Pension gehörig selbst aufs Korn nimmt.

Die Weinverkostung der drei Verlierer Bruno, Jean und Mike ist aber ohnehin nur eine Allegorie auf das eigentliche Thema von „Saint Amour“: Ein vulgäres, aber doch sehr sehnliches Bedürfnis nach Zuneigung, welches alle drei Figuren durch sexuelle Bestätigung beim weiblichen Geschlecht zu befriedigen suchen. Wenn zum Beispiel Mike die wichtigsten Elemente eines erfolgreichen Flirts referiert oder Jean über Sex in Landwirtschaftsmetaphern verpackt redet, macht sich zwischen den Zeilen bereits bemerkbar, dass hinter der Macho-Fassade nur tiefe Sehnsucht nach gesellschaftlicher Anerkennung steckt. Und das – so viel sei verraten – inzestuös-anstößige Finale des Films führt diese Strategie zwar recht albern, aber immerhin sehr konsequent zu Ende. Denn das Trio Infernal, so lehrt uns „Saint Amour“, kann nur zur „heiligen Liebe“ finden, wenn sie voreinander die Hosen runter lassen.

Fazit: Kervern und Delépine machen einmal mehr Geschmacklosigkeit zum komödiantischen Treib- und Triebmittel.
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