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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Burg Schreckenstein
Von Michael Meyns
Lange hat es gedauert, bis eine der beliebtesten deutschen Jugendbuchreihen nun endlich verfilmt wurde: Den ersten Band schrieb Oliver Hassencamp zwar schon 1959, richtig beliebt wurden die Abenteuer um die Jungs eines sehr speziellen Internats aber erst in den 1970er und frühen 1980er Jahren. Wahrscheinlich muteten die Erzählungen um eine Schule auf einer Burg, deren Zöglinge sich dem Geist der Ritterlichkeit verschreiben, schon damals ein wenig anachronistisch an. Insofern verwundert es kaum, dass Ralf Huettners moderne Verfilmung nun kaum noch etwas vom ursprünglichen Geist der Schreckensteiner atmet, sondern sich als eine sehr freie Adaption erweist, in der kaum mehr als die Grundkonstellation der Bücher übernommen wird. Das ist einerseits zwar schon schade, aber andererseits ist „Burg Schreckenstein“ auch so ein überdurchschnittlich sympathischer Jugendfilm geworden.

Die Eltern trennen sich gerade, auf der Schule in der Stadt kommt er nicht zurecht, also gibt es nur eine Lösung: Stephen (Maurizio Magno) soll aufs Internat! Begeistert ist er von der Vorstellung, zukünftig auf der malerisch am See gelegenen Burg Schreckenstein zu leben, anfangs überhaupt nicht - zumal ihn seine neuen Klassenkameraden wie Dampfwalze (Chieloka Nwokolo), Mücke (Caspar Krzysch), Ottokar (Benedict Glöckle) und Strehlau (Eloi Christ) auch eher skeptisch empfangen. Doch schon bald erweist sich auch Stephan als echter Schreckensteiner, der bei Streichen mit in der ersten Reihe steht und auch beim ewigen Duell gegen die Schülerinnen von Schloss Rosenfels ganz vorne mit dabei ist. Das Mädcheninternat wird von der strengen Frau Dr. Horn (Sophie Rois) geleitet, während auf der Burg der lässige Direktor Rex (Henning Baum) das Sagen hat. Und im Hintergrund taucht immer wieder Graf Schreckenstein (Harald Schmidt) auf, der die ganze Zeit an einem merkwürdigen Flugapparat herumbastelt…




Das Besondere an den Internats-Geschichten, die Oliver Hassencamp zwischen 1959 und seinem Tod im Jahre 1988 in insgesamt 27 Bänden beschrieb, war der Ritterkodex, dem sich die Schüler freiwillig unterwarfen: „Ich will auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein.“ hieß das Motto der Schüler, die sich selbst Strafen für Fehlverhalten aufbrummten und Klassenarbeiten ohne Aufsicht schrieben, da Abschreiben sowieso verpönt war und auch sonst alle Schüler den ritterlichen früheren Bewohnern der Burg nacheiferten. Im Rückblick betrachtet muten diese strengen Regeln an wie eine Reaktion auf die zunehmend libertäre Welt des Nachkriegsdeutschlands, als Alternative zu den antiautoritären Erziehungsmethoden, die im Zuge der 68er-Bewegung so beliebt wurden. Aber von diesen eher konservativen Tendenzen bekam man als junger Leser in den 80er Jahren eher wenig mit. Da zählte die Freiheit des Lebens fern der Eltern, die Möglichkeit, Verliese und Geheimgänge zu entdecken, sich bei Sportfesten gegen andere Schulen zu messen – und vor allem das Gemeinschaftsgefühl der Burgbewohner!

Zumindest letzteres ist auch in Ralf Huettners („Vincent will meer“) Verfilmung jederzeit spürbar. Das Hauptdarsteller-Quintett erweist sich schon bald als eingeschworener Haufen, die jungen Darsteller agieren überzeugend und vor allem nicht in dem Maße bemüht cool und voller Posen, wie man es leider aus zu vielen deutschen Kinder- und Jugendfilmen („Die wilden Kerle“ ist das schlimmste Beispiel) gewohnt ist. Und auch die erwachsenen Darsteller haben augenscheinlich großes Vergnügen am exaltierten Spiel, allen voran die wunderbare Sophie Rois („Drei“), die perfekt in die Rolle der strengen, spießigen, nur langsam aufweichenden Dr. Horn passt. An anderer Stelle reicht die Verfilmung hingegen nicht an die Vorlagen heran: Waren die Streiche der Schüler in den Büchern noch von Witz und Originalität geprägt, arten sie in der in dieser Hinsicht zu bemüht auf „modern“ getrimmten Kinoversion eher in bloße mutwillige Sachbeschädigung aus. Zumindest ist der heutige Internatsschüler gut versichert – und dann muss man das mit der Ritterlichkeit eben auch nicht mehr allzu ernst nehmen.

Fazit: Auch wenn die Verfilmung des Jugendbuchklassikers nur noch lose Ähnlichkeit mit den Geschichten von Oliver Hassencamp hat, ist Ralf Huettner mit „Burg Schreckenstein“ ein erfreulicher Jugendfilm gelungen, dessen Darsteller sich nicht in coolen Posen ergehen, sondern toll das Gemeinschaftsgefühl auf dem Internat verkörpern.
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