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The Domestics
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
The Domestics
Von
Natürlich kennen wir die Zukunft nicht. Trotzdem hat man das Gefühl, dass sich unsere Vorstellungen davon – zumindest im Kino – immer mehr angleichen, vor allem wenn es um dystopische Zukunftsvisionen geht: So hat sich nun – wie so viele vor ihm – auch der Regisseur und Drehbuchautor Mike P. Nelson üppig bei John Carpenters „Die Klapperschlange“ und George Millers „Mad Max“-Reihe bedient, um seine Version des Untergangs der Zivilisation zu zeichnen. Leider reichen Nelsons Fähigkeiten aber nicht an die seiner offensichtlichen Vorbilder heran – und so erreicht „The Domestics“ nie die Intensität, die er hätte haben können. Denn in Ansätzen ist durchaus immer wieder erkennbar, was für ein wunderbar fieser kleiner Film „The Domestics“ mit ein wenig mehr inszenatorischer und erzählerischer Finesse hätte werden können.

Alles geht ganz schnell: Als die Kinder aus der Schule kommen, sehen sie ein Geschwader Flugzeuge über sich, die einen schwarzen Nebel versprühen. Nur wenige Stunden später sind 90 Prozent der Bevölkerung tot. Drei Jahre nach der staatlichen Dezimierungskampagne haben sich die gegen das Gift immunen Überlebenden zum großen Teil in Gangs zusammengeschlossen, die jeweils gewisse Bereiche der USA kontrollieren. Ein Radiosprecher namens Crazy Al hält all die Nicht-Gangmitglieder, die „Domestics“ genannt werden, auf seinem Oldie-Sender über Neuigkeiten auf dem Laufenden. Weil sie seit Tagen nichts von ihren Eltern aus Milwaukee gehört hat, beschließt Nina (Kate Bosworth, „Superman Returns“) gemeinsam mit ihrem Mann Mark (Tyler Hoechlin, „“Teen Wolf“), die gefährliche Reise zu wagen und nach dem Rechten zu sehen. Obwohl sich Nina eigentlich vor drei Jahren von Mark trennen wollte, haben sie die Umstände zusammengehalten und Mark hofft noch immer darauf, seine Frau auch emotional zurückzugewinnen. Auf dem Trip nach Osten müssen die beiden allerdings schon bald um sehr viel mehr fürchten als nur ihre Ehe – in den USA gilt schließlich wieder das Recht des Stärkeren…


Leergefegte Highways, Menschen mit Masken, Frauen als Handelsware: Mike P. Nelson macht bei der Erschaffung seiner postapokalyptischen Welt keine Kompromisse und entwirft ein gnadenlos pessimistisches Bild der Menschheit nach dem Ende der Zivilisation. Mordende Fantasy-Gangs wie aus Walter Hills „The Warriors“ und sadistische Wahnsinnige wie aus Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“-Anleihen – in Nelson Zukunfts-USA sind die Überlebenden auf jede denkbare Art pervers und abgefuckt. Und wenn er seine in typischer Roadmovie-Manier aneinandergereihten … Miniaturen etwas dichter inszeniert hätte, hätte „The Domestics“ ein echter Geheimtipp für Genrefans werden können, denn an abgründigen Einfällen mangelte es Nelson ganz sicher nicht. Wenn sich beispielsweise die Abendessen bei einer scheinbar noch normal gebliebenen Familie als wahres Horrormahl entpuppt oder die Opfer der Gamblers nach ihrer Gefangennahme um ihr Leben spielen müssen, wobei sich Nelson ganz tief vor Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ verneigt, dann zeigt sich, welches Potential eigentlich in „The Domestics“ steckt.

Aber Nelson gelingt es zu selten, seine fiesen Konzepte auch so inszenieren, dass sie Wirkungstreffer landen. Meist sind diese Momente trotz reichlich Gewalt so mäßig gefilmt und geschnitten, dass es den Zuschauer nicht wirklich packt. Richtig gut setzt Nelson eigentlich nur die Oldie-Musik einer heilen, vergangenen Welt ein, die oft einen schmerzhaften melancholischen Kontrast zu den Längst-nicht-mehr-heile-Welt-Bildern liefert. Zudem verschenkt Nelson auch einige seiner interessanteren Figuren wie etwa die Elitesoldatin Betsy (Sonoya Mizuno), die sich zu einer Art Schutzengel für Nina und Mark aufschwingt, ohne je mit den beiden zu reden. Dieser Charakter schreit förmlich nach mehr Screentime, bekommt aber viel zu wenig davon. Stattdessen verlässt sich Nelson zu oft auf ausgelutschte Endzeit-Klischees von skurril verkleideten Killern ohne Motiv, staubigen Landstraßen und wüsten Schießereien. Sein Finale reichert er allerdings mit derart viel Blut an, dass zumindest Gorehounds mit „The Domestics“ trotz der vertanen Chancen glücklich werden dürften.

Fazit: Durch die maue Inszenierung bleiben die eigentlich guten (weil wunderbar fiesen) Ideen von Regisseur und Autor Mike P. Nelson meist in Ansätzen stecken. Und so wird aus einer eigentlich vielversprechenden Prämisse doch nur ein durchschnittlicher Endzeit-Thriller mit überdurchschnittlich viel Blut.
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