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Royal Corgi - Der Liebling der Queen
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Royal Corgi - Der Liebling der Queen

Ein Palasthund in der Gosse

Von Oliver Kube
Die weltweite Besessenheit bezüglich der britischen Royals ist schon kurios. Da sitzt auch hierzulande ein Millionenpublikum vor den Fernsehgeräten, wenn ein Prinz seine Freundin heiratet. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass es in Deutschland kein Königshaus gibt, erstaunlich große Gruppen innerhalb der Bevölkerung sich aber trotzdem nach der damit einhergehenden Tradition und dem erhöhten Glamour-Faktor sehnen. Eine schnöde Bundeskanzlerin, ein paar flegelhafte Fußballstars oder Helene Fischer sind diesbezüglich einfach nicht wirklich auf demselben Level. Außerdem wirkt das Leben im prunkvollen Buckingham Palace mit seinen Intrigen, privaten Katastrophen, kleinen Triumphen und großen Enttäuschungen aus der Distanz wie eine gigantische Seifenoper.

Die ungebrochene Popularität der Windsors will sich nun auch das Regie-Duo Ben Stassen und Vincent Kesteloot („Robinson Crusoe“, „Sammys Abenteuer 2“) für „Royal Corgi - Der Liebling der Queen“ zunutze machen. In dem turbulenten Animations-Familienfilm dreht sich nämlich alles um die vierbeinigen, über die Jahre ebenfalls zu erstaunlicher Prominenz gelangten Hausgesellen von Elisabeth II. Liegt ja auch nahe: Schließlich zählte schon Helen Mirrens einsame Wanderung mit einem kleinen Rudel Wauwaus durch die Highlands mit zu den schönsten Momenten im Oscar-Film „Die Queen“.

Die Queen und ihr Liebling (und damit meinen wir nicht Prinz Philip).


Seit frühester Jugend lebt Corgi Rex im Palast und wird mit seinen bellenden, hechelnden Kollegen von eigens für sie abgestellten Butlern und Küchenchefs verwöhnt. Denn die Queen liebt diese kurzbeinigen Hunde über alles. Ihr ganz großer Favorit ist Rex – ein echter Ausbund an Niedlichkeit, aber aufgrund seines umsorgten Lebens auch ziemlich naiv. So lässt er sich von seinem besten Freund Charlie zu einem Abenteuer außerhalb der Schlossmauern überreden. Die zwei schummeln sich raus und genießen einen Abend in den Straßen Londons. Bis der schon immer neidische Kumpan plötzlich sein wahres Gesicht zeigt: Er schubst unseren Helden von einer Brücke, um dessen Position einnehmen zu können. Rex überlebt aber und muss sich fortan allein durch die gefährliche Stadt schlagen. Aber der Kleine ist fest entschlossen, es zurück auf Frauchens Schoß zu schaffen…

Der Film beginnt mit einer zauberhaften, dabei angenehm temporeichen Montage über das Aufwachsen und den Alltag der Corgis im Palast. In der dialogfreien Sequenz wird schnell klar, warum die Königin gerade den mit einem unerschütterlich sonnigen Gemüt ausgestatteten und erfrischend frechen Rüden besonders liebgewonnen hat. Kurz nach diesem gelungenen Einstieg zieht aber bereits die erste Krise auf – nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für die Story: Der sich auf einem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich befindliche Donald Trump ist auf der Suche nach einem Zuchtpartner für seine mitgebrachte Hündin. Im Rahmen der „besonderen Beziehung“ zwischen den USA und Großbritannien hat er es dabei auf den „Top Dog“ ihrer Majestät abgesehen…

Vor Trump gibt es kein Entkommen


Sicherlich lädt das ebenso großspurige wie tölpelhafte Auftreten des realen Präsidenten zu Spott und Parodien geradezu ein. Deshalb vergeht kaum eine Minute, in der sich nicht irgendjemand medial über den derzeit mächtigsten Mann der Welt lustig macht. Ein Overkill, der auf Dauer ermüdend ist und hier wirklich nicht hätte weitergeführt werden müssen. Zumal dabei absolut nichts Originelles herumkommt. Die etwa sieben oder acht Minuten, die Trump am Anfang von „Royal Corgi - Der Liebling der Queen“ zu sehen, zu hören und vor allen Dingen kaum zu ertragen ist, fühlen sich wie Stunden an. Erschwerend kommt hinzu, dass sexuelle Belästigung einfach nicht witzig ist. Selbst dann nicht, wenn eine sprechende, läufige Hündin mit geschmacklos herzförmig gezeichneter Kruppengegend gnadenlos einen unwilligen, offensichtlich völlig überforderten Artgenossen bedrängt.

Im weiteren Verlauf der Handlung halten sich gute und weniger gelungene Momente in etwa die Waage. So ist die dunkle Wendung, als der gerade noch bis zum Anschlag verhätschelte Rex plötzlich auf sich allein gestellt ist, sehr wirkungsvoll umgesetzt. Dabei helfen fast psychedelisch anmutende Unterwasserbilder nach dem unfreiwilligen Sturz von der Brücke sowie die düstere Atmosphäre im trostlosen Straßenköter-Knast, in den der Corgi einfährt, nachdem er von Tierfängern aufgelesen wurde. Beide Szenarien dürften junge Kinogänger sicher beeindrucken und bewegen, ohne sie dabei komplett zu verängstigen. Dass die im Tierheim festgehaltenen Biester unter der Führung der brutalen Bulldogge Tyson im Heizungskeller allerdings einen, dem gleichnamigen Spielfilm nachempfundenen „Fight Club“ unterhalten, wirkt reichlich erzwungen. Viel zu plump wurde vom Drehbuch hier nur eine weitere, möglichst spektakuläre Gefahr für Rex‘ Wohlbefinden kreiert.

Eskapismus, ade: Kaum ein Film mehr ohne Trump-Joke.


Genauso wenig funktioniert die Love-Story mit der irgendwie unpassend und leicht creepy übersexualisierten Spaniel-Dame Wanda, die bis zum Auftauchen von Rex natürlich mit dem fiesen Tyson liiert war. Schließlich wird sie dem Zuschauer doch viel zu überstürzt präsentiert. Da sehnt man sich geradezu nach den viel organischer zusammengekommenen „Susi und Strolch“. Zumindest lässt sich der Film für die entstehenden Freundschaften mit einigen anderen Hunden genügend Zeit, wodurch diese glaubwürdiger erscheinen. Auch diverse kleine Gags am Rande setzen immer wieder positive Akzente. Als Beispiele seien ein grüner Wackelpudding oder der ein Buch mit dem Titel „How To Kill A Dog“ studierende Prinzgemahl sowie eine wunderbar dynamisch geschnittene Trainingssequenz in bester „Rocky“-Manier genannt.

Visuell kann die Animation der belgischen Produktion den US-Blockbustern nicht das Wasser reichen. Während menschliche und tierische Charaktere noch vergleichsweise detailliert sowie mit einem recht eigenständigen Look gezeichnet sind, fällt dies speziell dann auf, wenn die Kamera weit aufzieht. Bei Panoramen des Schlossparks oder der Stadt wirkt vor allem der Hintergrund arg statisch. Bei Pixar, Disney oder Dreamworks sieht das längst nahezu realistisch aus, wohingegen sich hier eher der Vergleich mit einer auf ein riesiges Laken gemalten Theaterkulisse aufdrängt. Dessen sind sich die Macher allerdings wohl bewusst. Sie halten die Anzahl solcher Momente so gering wie möglich und konzentrieren sich lieber auf ihre Figuren.

Fazit: Das tierische Animations-Abenteuer schwankt zwischen prima funktionieren Momenten und Fehlgriffen hin und her. Kinder werden mit dem lustig aussehenden, herrlich forsch auftretenden Titelhelden aber sicher gern mitfiebern.

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