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Into The Wild
Originaltitel: Into The Wild
Abenteuer-Drama
USA 2007
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Pressespiegel
Laufzeit: 148 Minuten
Kinostart: 31.01.2008
Verleih-VÖ: 30.07.2008
FSK: Ab 12
Verleih: Tobis

Kritik

Mutiger Idealist oder durchgeknallter Irrer? Wenn bei der persönlichen Beurteilung wenigstens als Kompromiss ein „bemitleidenswerter Wahnsinniger“ herauskommt, wird Sean Penns Abenteuer-Drama „Into The Wild“ für den jeweiligen Zelluloidkonsumenten funktionieren. Der Exzentriker zeichnet bei seiner Verfilmung von Jon Krakauers Tatsachen-Roman (dt.: „In die Wildnis. Allein nach Alaska“) in schwärmerisch-betörenden Bildern das bittere Ende des jungen, desillusionierten Außenseiters Christopher McCandless nach und begleitet den kühnen Gesellschaftsaussteiger in seinen letzten zwei Jahren, bis er in der winterlichen Einöde Alaskas vom Leben abgeschnitten elendig verreckt.

Eigentlich sollte bei Chris McCandless (Emile Hirsch) alles im Lot sein: Er schließt sein Studium an der Emory-Universität mit Bestnoten ab, hat genügend Geld für den Start ins Arbeitsleben, doch den jungen Mann treiben ganz andere Ideale um. Seine Moralvorstellungen genügen nur den allerhöchsten Standards - und das will will er fortan auch aktiv leben. Ursache für diese ungewöhnliche, radikale Lebenseinstellung sind seine Eltern Walt (William Hurt, Bis ans Ende der Welt) und Billie (Marcia Gay Harden, Mystic River), die sich in seiner Kindheit pausenlos stritten und schlugen – und dies, obwohl das Paar gut situiert ist, Walt arbeitet als Ingenieur bei der NASA und bringt gutes Geld nach Hause. Einzig seine Schwester Carine (Jena Malone) findet noch halbwegs Zugang zu Chris‘ Seelenleben. Nach dem Studium 1990 verschenkt er seine 24.000 Dollar Ersparnisse an die Wohlfahrt und bricht zu dem ultimativen Trip auf: Sein Weg führt ihn über Kalifornien, den Grand Canyon, Mexiko und Washington State final nach Alaska, wo er in der unwirtlichen Ödnis nur von der Natur ernährt überleben und zu sich selbst finden will. Unterwegs macht er Bekanntschaft mit einem alternden Hippie-Paar (Catherine Keener, Brian Dierker), einem über-enthusiastischen, FBI-gesuchten Farmvorarbeiter (Vince Vaughn), einer frühreifen Aussteiger-Nymphe (Kristen Stewart) und einem vereinsamten Witwer (Hal Halbrook). All diese Menschen prägen Chris während der Reise. Doch von seinem Ziel lässt er sich nicht abbringen...
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Mit der Hauptfigur eines Films steht und fällt für gewöhnlich das ganze Projekt. Und bei „Into The Wild“ potenziert sich diese simple Weisheit noch um ein Vielfaches, weil der Zuschauer einfach eine Meinung zu diesem Christopher McCandless haben muss! Daran führt kein Weg vorbei. Jäger fanden ihn im August 1992 im Gebiet nördlich des Mount McKinley verhungert in seinem verlassenen Bus. McCandless, geschwächt durch den kalten Winter, aß versehentlich giftige Beeren, die ihn letztendlich lähmten und verenden ließen. Sean Penn („Das Versprechen“, „Indian Runner“) beginnt seine vierte Regiearbeit mit den ersten (von insgesamt 113) Tagen in Alaska, als Chris den „Magic Bus“ entdeckt, den er zu seinem Quartier auserwählt. In Rückblenden geht Penn den Weg des jungen Abenteurers nach. Schriftsteller, Journalist und Extrem-Bergsteiger Jon Krakauer („In eisigen Höhen“) rekonstruierte McCandless’ Geschichte anhand von poetischen Tagebucheinträgen, unterwegs verschickten Postkarten, kryptischen Notizen und langen Gesprächen mit Familienangehörigen und Gefährten. Die Lücken füllte er nach eigener Interpretation auf. Dem folgt auch Penn. Zwischen diesen Flashbacks, die die Haupthandlung ausmachen, treibt der Filmemacher die Geschichte in Alaska in kurzen Einschüben voran, blickt aber auch schlaglichtartig zurück in die Kindheit.

Eine große Stärke ist auch gleichzeitig eine kleine Schwäche. Penn verzichtet zwar darauf, die Story rein aus der Perspektive McCandless‘ zu erzählen – seine Schwester Carine fungiert stattdessen als Erzählerin – aber er findet keine rechte Distanz zu seiner zentralen Figur, ergreift glühend Partei für den romantischen, reinen Rebellen. Im vergleichbaren Abenteuer-Doku-Drama Grizzly Man hegte Regisseur Werner Herzog zwar auch eine gewisse Sympathie für seinen durchgedrehten Bärenfanatiker Timothy Treadwell, der mitsamt seiner Freundin schlussendlich von einem hungrigen Raubtier verspeist wurde, doch er bewahrte den nötigen Abstand zu seinem Protagonisten, was den Film wesentlich ausgewogener und ehrlicher erscheinen lässt. Der bekennende Hollywood-Linke Penn steigt dagegen voll auf McCandless ein, heroisiert ihn und hinterfragt seine Person nicht immer kritisch.

Bezeichnend für seinen Charakter: Auf seinem Trip nahm er den Namen Alexander Supertramp an (Bezug nehmend auf W.H. Davies‘ „Supertramp – Autobiographie eines Vagabunden“). Überhaupt wandelt der Film atmosphärisch als eine Art Reisetagebuch auf den Spuren von McCandless‘ Lieblingsschriftstellern Tolstoi, Kerouac und London, und ist dementsprechend in literarische Kapitel eingeteilt. Letztlich gelingt es Penn dennoch, Mitleid für seinen (Anti)-Helden zu erzeugen. Querdenker hin oder her, einen derartig bitteres Ende hat er nun wirklich nicht verdient. Und somit berührt der Film selbst hartgesottene Seelen. Noch schwerer wiegt bei der Nachbetrachtung jedoch die Unnötigkeit dieses Todes. Die Erkenntnis, die der zuweilen unbewusst selbstsüchtige McCandless gesucht hat, hatte er auf der zweijährigen Reise durch das Land längst gefunden, war aber zu blind und zu fixiert auf sein Ziel, um dies zu bemerken. Allen Menschen, die ihn unterwegs ins Herz schlossen, stieß er kompromisslos vor den Kopf.

Regisseur Penn inszeniert seine epische Geschichte mit feinem Händchen und entfacht einen wahren poetischen Rausch an atemberaubenden Bildertableaus, die mit bewegenden Folksongs von Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder unterlegt sind – eindeutig die größte Stärke und Motors des Films, der mit 140 Minuten eine beachtliche Länge aufweist.

Schauspielerisch bietet „Into The Wild“ erstklassige Leistungen. Angeführt von Emile Hirsch, der schon in Alpha Dog zeigte, dass er nicht für immer das Weichei aus The Girl Next Door sein will, glänzt mit seiner Darstellung des Chris McCandless auf dessen Selbstfindungstrip ins Verderben. Trotz allen Vorbehalten gelingt es Hirsch, zumindest phasenweise Sympathien auf seine Seite zu ziehen, was schwer genug ist. Die Riege der Nebendarsteller ist ausgezeichnet besetzt. Besonders hervorzuheben ist Hal Holbrook (Die Unbestechlichen, Unternehmen Capricorn, Wall Street), dessen Porträt des alten Witwers in der intensivsten Episode am meisten berührt. Die großartige Catherine Keener (Capote, Jungfrau (40), männlich, sucht...) ist so gut wie immer und Jungstar Kristen Stewart (Panic Room, Cold Creek Manor) verdeutlicht nachhaltig, dass sie eine Große in Hollywood werden kann. Sie strahlt als junge Sängerin Tracy eine wunderbare, bezaubernde Natürlichkeit aus, die sofort die ganze Leinwand in Beschlag nimmt. Dieser Storyteil wirft nebenbei unbeantwortete Fragen zu McCandless‘ Sexualität auf, denn mönchsgleich und ehern bis in Mark lässt er alle Möglichkeiten verstreichen. Wer dieser Christopher McCandless wirklich war und was ihn in sein Schicksal trieb, ist nur zu erahnen. Sicherlich versteht der Zuschauer ihn irgendwie, selbst wenn sein Handeln rational nach modernen Wertestandards nicht nachvollziehbar ist. Aus den Informationsfragmenten setzen sowohl Krakauer im Buch als auch Penn im Film ihr Bild zusammen, aber es bleibt dennoch Interpretationsspielraum.

Fazit: „Into The Wild“ ist ein rauschartiges, wild-romantisches Abenteuer-Road-Movie, das allein schon wegen der Macht seiner Bilder fasziniert, aber immer dann Probleme bekommt, wenn die Hauptfigur in ihrem Handeln weit über eine offensichtliche, gesunde Ambivalenz hinausgeht, Regisseur Penn aber stets allzu sehr das schützende Händchen über seinen Bruder im Geiste hält...

Carsten Baumgardt

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Gastkritiken

Laue Darstellung
Es gibt sicherlich viel zu interpretieren, zu diskutieren und nachzudenken über Chris McCandless. Regisseur Penn wollte einen Film über eine...
Wahnsinn!
Ein toller Film. Überragende schauspielerische Leistung und fantastische Aufnahmen. Mich hat vor allem das offene Ende übertroffen. Man konnte sich...
Ein Filmgenuss..
Endlich mal wieder ein Film der zum Nachdenken anregt und etwas abseits der Popcornkino- Fraktion aus Hollywood steht.Sean Penn hat mit diesem...
wunderschön
Dieser Film hat einiges zu bieten. Wundervolle Aufnahmen aber auch gesellschaftskritisch. Tolle schauspielerische Leistung von Emile Hirsch. 1...
Eddie Vedders Musik - Ein Traum
Für mich hat dieser Film nur zwei kleine Makel: Er ist ein klein wenig zu lang. Und die Geschichten mit den einzelnen Personen sind etwas zu...

Insgesamt 44 Gastkritiken vorhanden.

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Produktionsbudget15 Mio Dollar
US-Einnahmen18,4 Mio Dollar
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