Kritik:
Poppy, 30, Grundschullehrerin, unbemannt, lebt mit ihrer Kollegin Zoe in einer Londoner Chaos-WG und kämpft erfolgreich gegen das Erwachsenwerden. Dass sie damit ihre Umgebung nervt, nimmt sie gar nicht so recht wahr. Ihr Job schafft ihr das nötige Umfeld. Den ersten Schritt in die falsche Richtung macht sie, als sie nach dem Diebstahl ihres Fahrrads Fahrstunden nimmt. Hier trifft sie auf den neurotischen Fahrlehrer Scott, der in einem Korsett aus Zwangsvorstellungen gefangen ist. Als Nick, einer ihrer Schüler, durch wiederholte Gewalttätigkeit auffällt, wird Sozialarbeiter Tim zu Hilfe gerufen. Tim bewirkt nicht nur bei Nick etwas...
Ich wollte den Film schon boykottieren. Allein wegen des Titels. Es entwickelte sich jedoch eine entspannte Sommerkomödie, die erfreulich unamerikanisch verlief. Etwa zur Mitte des Films fragte ich mich, wo das Kunstwerk eigentlich hinwollte. Denn Poppy hätte ihr In-den-Tag-hineinleben noch endlos fortsetzen können. Bei manchen Seitensträngen wusste ich auch nicht, warum der Film sie brauchte (die Trampolinerei UND die Flamencorage). So erhält der Film über lange Strecken etwas Episodenhaftes. Das Schicksal schlägt schließlich etwas theatralisch zu (der gewalttätige Nick), der Kontakt zu Tim entsteht für meinen Geschmack zu schnell und reibungslos - aber über derartige gewaltsame Wendungen in der Story sieht man gern hinweg. Am Ende lernt Poppy zu wissen, was sie will - und danach zu handeln. Sie sagt an den richtigen Stellen "nein" - und an den richtigen "ja".
Es ist so viel zu würdigen an diesem sympathischen Film. Das fängt an mit Poppys Garderobe, die genauso bunt, ausgefallen und unkonventionell ist wie ihre Trägerin. Ähnliche chaotisch ist die Frauen-WG mit Zoe eingerichtet. Der Kontrast zur grauen Spießigkeit ihrer Umgebung wird immer wieder verdeutlicht (z.B. wenn sich Zoes quietschgelbes Auto zwischen grauen Hochhäusern und Baustellen durchmanövriert), wirkt aber niemals aufdringlich. Außerdem freute es mich, attraktive Schauspieler zu sehen mit Zähnen, die man auch in der Nachbarschaft findet. Und nicht nur in gebleachten High-Society-Mündern. Hervorragende schauspielerische Leistungen liefern die Hauptdarstellerin Sally Hawkins (umwerfend mit ihrer aufgesetzten Fröhlichkeit) und Eddie Marsan ab, der den neurotisch gestörten Fahrlehrer Scott spielt. Marsan trifft punktgenau das Pendeln zwischen zwanghafter Regelhörigkeit auf der einen und dem Wunsch nach Ausbruch aus diesem Korsett auf der anderen Seite. Schwach empfand ich dagegen Samuel Roukin als Tim, der einfach nur lieb, nett und gutaussehend sein musste.
Bester Dialog:
Helen, Poppys jüngere Schwester, unübersehbar im 7. Monat: "Möchtest du nicht auch schwanger werden?"
Poppy: "Nein, danke, ich bin noch satt vom Frühstück!"
Fazit: Eine entspannte Sommerkomödie über eine lebenslustige Frau, die erwachsen wird, ohne ihre gute Laune einzubüßen. Größtes Manko: die oberflächlich ausgeführte Liebesgeschichte mit Tim.
Bewertung: 8 von 10 Vogelgesichtern aus Papiertüten
Ralf Bodemann