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"Auschwitz": Uwe Boll zeigt Skandalfilm - FILMSTARTS war dabei!
Von Jan Hamm — 14.02.2011 um 09:40
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Uwe Bolls "Auschwitz" ist da. Allerdings nicht im Programm der Berlinale 2011, wo der vielbeschäftigte Filmemacher seinen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur gerne gesehen hätte. Den Festivalrahmen hat er dennoch genutzt und kurzerhand am 13.02. zur Einzelvorführung im Berliner Babylon-Kino geladen.

Bevor Uwe Bolls cineastische Aufklärung zur deutschen Geschichte über die Leinwand flimmert, besteht ganz und gar unhistorischer Klärungsbedarf: Der Filmemacher will Berlinale-Direktor Dieter Kosslick verklagen. Nicht aber, weil "Auschwitz" draußen bleiben musste. Nein, Boll will dubiose Klüngelwirtschaften hinter den Festivalkulissen offenlegen. Die Berlinale berechnet eine Bearbeitungsgebühr von 125 Euro für jeden eingesendeten Film, unabhängig davon, ob er im Programm landet. "Ich wette, dass die Coen-Brüder für "True Grit" nicht zahlen mussten, obwohl die Festivalregeln das explizit vorsehen," so Boll.

Prestigeträchtige Filmemacher würden hofiert, während Kosslick sich von besagten Einnahmen Privatjet-Touren leiste. Dies sei unverantwortbar gegenüber Filmemachern, die sich ihre Budgets vom Mund absparten. Ein persönlich adressierter Brief an Kosslick war zuvor wirkungslos verpufft, nun also soll es vor Gericht weitergehen: "Die Luft für die Berlinale wird ganz, ganz dünn!"

Die beiden Männer verbindet eine lange Streitgeschichte, die laut Boll mit seinem Debutfilm "German Fried Movie" von 1991 begann. Filmfördergelder blieben ihm damals versagt - ein Umstand, den er harsch kommentierte. Der bis zur Übernahme der Berlinale als Geschäftsführer der Filmstiftung NRW tätige Kosslick war ebenfalls vor Ort. Seitdem sei der schlichtweg beleidigt gewesen und hätte kein gutes Haar mehr an Boll und seiner Arbeit gelassen: "Manche Leute machen eben, was sie wollen. Mubarak. Oder Dieter Kosslick" - ein Vergleich, der für joviale Stimmung im Babylon-Publikum sorgt.

"Rund 30 deutsche Produzenten verfügen über Filmfördergelder - Steuergelder - und sind darüber zu Millionären geworden, während auf mich seit 15 Jahren eingedroschen wird," konstatiert Boll. "Im Gegensatz zu denen kaufe ich mir aber keinen Ferrari, sondern finanziere einen Film wider das Vergessen." Auf die höflich formulierte, wohl aber bissige Frage, ob Boll nicht doch lieber zu dieser Elite gehören würde, statt gegen sie zu klagen, feilt der selbsternannte Underdog weiter an seinem Image: "Da werde ich nie dazugehören. Aber ich habe viel geleistet und internationale Filmerfolge mit echten Stars produziert - dafür verdiene ich Anerkennung."

Und außerhalb von Deutschland bekäme er die auch. So hätte die israelische Presse etwa äußerst skeptisch darauf reagiert, dass ein Film über Auschwitz vom wichtigsten deutschen Filmfestival abgelehnt wurde. Ob die israelischen Journalisten den Film gesehen haben, darf derweil bezweifelt werden. Das Signalwort "Auschwitz" ist in diesem Fall Politikum genug, ganz abseits von der Personalie Boll oder der Qualität des Films.

Die juristische Offensive und Bolls ruppige Abrechnung mit der deutschen Filmlandschaft amüsieren, stoßen aber auch auf ehrliches Interesse beim Publikum im Babylon - vom vielbeschworenen Boll-Bashing keine Spur. Und dann läuft "Auschwitz". Gleich mit der ersten Reaktion auf Bolls Kino-Pädagogik - "Meinen Sie das alles wirklich ernst?" - fliegen die Fetzen. Boll versus Publikum; mit kurzer Verzögerung dann auch Publikum versus Publikum.

Der Doktor findet sich in einer allzu vertrauten Position wieder und feuert zurück - selbst auf wohlwollende Kritiker, die bloß Verständnisfragen stellen. Tatsächlich folgt auch Lob, doch just in diesem Augenblick tuschelt Boll mit einem ebenfalls angereisten "Auschwitz"-Darsteller, scheinbar ohne sich sonderlich um die zuvor so vehement eingeforderte Anerkennung zu scheren. Kein schöner Abend für Uwe Boll. Und dank "Auschwitz" auch für uns nicht. Warum? Lest die ausführliche FILMSTARTS-Kritik! So viel vorneweg: The road to hell is paved with good intentions.

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Kommentare
  • TheCash
    wieso erkennt dieser mensch nicht endlich wie grenzenlos schlecht und unnötig seine filme sind und er einfach nur dumm und peinlich ist???
  • Gueri1la
    Größte Witzfigur des deutschen Films
  • Mud
    Ein Film ÜBER Uwe Boll wäre der Kracher schlechthin!!
  • Karmesin
    Wenn Uwe Boll Filme macht ist das als wenn meine Großmutter versuchen würde einen Computer zu bedienen. Irgendwie kommt das schon hin, aber die Bedienung ist eine völlig entfremdete.
  • Maxeirl
    Klasse Kritik von "Ausschwitz" und über die Eintrittskarte am Ende musste ich wirklich herzlich lachen. :-D
  • Luphi
    Nee, klar, die Coens sind so arm, die bezahlen die 125€ nicht mal eben aus der Portokasse. Wie er sich wieder lächerlich macht vor ganz Deutschland und der Welt. Wo nimmt der Kerl den Optimismus her, dass es für die Berlinale "ganz, ganz dünn" wird?Anerkennung muss man sich verdienen, und zwar nicht durch Filme mit internationalen Stars, die trotzdem unter aller Sau sind. Mit solchen Aussagen gewinnt man jedenfalls keine Anerkennung.
  • Luphi
    Kleiner Edit: Die Kritik belegt noch einmal, warum dieser Mann ein einziger Witz ist.
  • DerEinevomDorf
    @Mud: Für so ein Biopic würd ich sogar mehrmals ins Kino gehen!!! :D
  • Beetlejuice
    Boll ist der Westerwelle des deutschen Films! Stolpert unbelehrbar, erhobenen Hauptes von einer Katastrophe in die nächste.
  • sander90
    Germany´s Finest
  • mrblessington
    haha der schießt mit seiner Verbindung aus unerschöpflichen Optimismus und seinem gnadenlos schlechten Talent immer wieder den Vogel ab :D
  • MrBubbles
    Hmm von mir aus soll der Uwe machen was er will. Kriegt eh keine Steuern dafür und ob ich wegen seiner Filme lache oder über sie kommt auf dasselbe raus.
  • Robbery
    was ein bastard...
  • emporio_
    das es idioten auf der welt gibt ist klar. der eigentliche skandal aber ist das dennen immer wieder aufmerksamkeit geschenkt wird...
  • dewHankMoody
    Okay also mein Name ist Tillmann Richter. Ich wohne in der Nähe von Berlin, in einem Dorf da skenbt eh keiner. Bei Anfrage sag ich das gerne noch mal. Un-Annonym genug? Der Typ ist eine einzige Witzfigur, oder mit den Worten von Robbery, die ich ganz gut gewählt fand: Was ein Bastard...
  • dewHankMoody
    Ach und @UweFan: Nein, hab ich noch nicht, also einen Film auf die Leinwand gebracht. Was sagt das über meine Träume aus? Ich kann ganz andere Ziele verfolgen. Wer lehnt sich hier bitte weit aus dem Fenster!?
  • Quickmix
    Uwe Boll ist einfach Kult....Fertig. mehr gibt's dazu nicht zu sagen. :)
  • dewHankMoody
    @Quickmix...merkwüdiges Kult-Verständnis hast du...
  • Trip-
    Uwe Boll verkommt immer mehr zu einer Karikatur seiner selbst.
  • Quentin90
    das man diesem typen immer noch geld in die hand gibt ist wirklich ein wunder...wenn man sich mal seine filme anschaut, die er für hollywood gemacht hat, dann sind das alles vom einspielergebnis flops gewesen...ka, wie das mit den deutschen filmen ist...aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es da groß anders ist! ich muss ganz ehrlich zugeben, dass icch bisher nur postal von ihm, und den gut fand...aber jetzt halt nur mal vom finanziellem standpunkt, verstehe ich nicht, warum er immer noch money in die hand gedrückt bekommt...wenn man mal nach den box office weren geht, dann lag das produktionsbudget von den filmen "House of the Dead", "Alone in the Dark", "BloodRayne" und "Postal" ("In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale" ausgenommen, weil nicht ersichtlich, wie hoch das produktionsbudget war) bei 72 millionen...und die einspielergebnisse der filme lagen bei bissl mehr als 28 millionen...44 mille minus?...und jetzt kommt nicht mit den dvd-verkäufen;) und die werbekoseten jetzt mal net mit eingerechnet...
  • MrFits
    es ist schon traurig wenn man dauernd etwas auf die beine stellt und dafür verbale prügel bezieht. trotz alle dem kann man nicht verheimlichen, dass der junge kein plan hat von dem was er tut. ich für meinen teil finde allein den trailer von "auschwitz" dermaßen ekelhaft und grauenhaft schlecht. die kritik dazu passt und entlarvt zugleich. ich hätte angst, nach dem sehen des films ein trauma zu erleiden. herr dr. uwe boll, bitte suchen sie sich ein anderes hobby! das würde mehr menschen glücklich machen als die filme es je tun würden.
  • Thawyer
    Ich selber schreibe Kurzgeschichten und sogar nen Buch in meiner Freizeit. Da gehts auch um ne Menge und manchmal verfehle ich auch mein Ziel beim Schreiben. :D Und wenn ich das dann alles lese, denke ich: "Hey! Der, der das schreibt, muss muss einen an der Klatsche haben!" Und wenn ich mir Bolls Filme ansehe... und seine Fresse auf den Bildern sehe, frag ich mich auch, ob der seine Frau schlägt, falls er eine hat.
  • dewHankMoody
    *hust* Buch und Kurzgeschichten schreib ich auch...aber öhm, das tut jetzt auch nichts zur Sache.=D Ich möchte mal wissen wie das mit der Klage ausgeht...
  • Timelezz
    Ist der SS-Typ am Anfang des Trailer nicht dieser Hr. Boll? Hat echt große Ähnlichkeit mit meinem Onkel, nur das der Erfolgreich ist in dem was er macht.
  • greek freak
    So grottig auch seine filme sind , mann muss zugeben der kerl ist einfach unterhaltsam
  • GonzoFist
    Was der Uni Bayreut der Guttenberg ist, ist München der Uwe Boll. The Son of Ed Wood:D
  • Ulrich v.
    Guter Zug von Boll, die neue Generation soll auch erfahren wie krank unser Volk noch vor relativ kurzer Zeit gewesen ist. Erschüternt aber war. Dieses Elend werden wir noch mindestens weitere Hundert Jahre tragen müssen. Da schämt man sich schon fast ein Deutscher zu sein.Arbeiten wir nun weiter an uns was wir sein wollen um zu verändern was wir in Weltaugen wurden
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