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    "Er klaut nur bei anderen": Filmmusik-Legende Ennio Morricone lästert über Quentin Tarantino
    Von Björn Becher — 09.11.2018 um 11:31
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    Die Filmmusik zu Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ brachte Ennio Morricone endlich seinen ersten „richtigen“ Oscar. Doch trotzdem hält der Komponist wenig von dem Kultregisseur, wie er nun noch einmal deutlich machte…

    Universum Film GmbH

    Der Mann ist ein Kretin“, wird Ennio Morricone in der seit dem gestrigen 8. November 2018 erhältlichen, neuen Ausgabe des deutschen Playboys über Quentin Tarantino zitiert. Ein „unfähiger Dummkopf“, so die Bedeutung von „Kretin“, ist Tarantino also für Morricone und der erklärt auch gleich warum: Er klaut nur bei anderen und setzt das neu zusammen. Daran ist nichts originell.

    In dem Playboy-Interview, das in Auszügen auf der Webseite des Magazins und in kompletter Länge in der Dezember-Ausgabe veröffentlicht wurde, spricht Morricone Tarantino sogar die Bezeichnung „Regisseur“ ab. Der Filmemacher sein „kein Regisseur und „nicht vergleichbar mit echten Hollywood-Größen wie John Huston, Alfred Hitchcock oder Billy Wilder.“ Die seien schließlich klasse gewesen, Tarantino koche dagegen nur alte Sachen auf.

    Morricone hasste die Arbeit mit Tarantino

    Nicht nur die Filme, sondern auch die Arbeit mit Quentin Tarantino selbst hat Ennio Morricone ganz und gar nicht gefallen. Vor allem die stetigen neuen Einfälle des Filmemachers stoßen dem Komponisten sauer auf. Tarantino sei „ein absoluter Chaot“, der „redet, ohne zu überlegen“. Vor allem stört ihn, dass der Filmemacher alles überstürze, zu schnell Ergebnisse wolle: „Er macht alles auf den letzten Drücker, hat kein Konzept“, wirft der Musiker dem Filmemacher vor, um dies auch kurz darauf weiter auszuführen: Er ruft wie aus dem Nichts an und will dann innerhalb von Tagen eine fertige Filmmusik haben. Was unmöglich ist. Was mich rasend macht! Denn das geht einfach nicht.

    Morricone erklärte zudem, dass er dies dem Regisseur schon einmal gesagt habe, beim nächsten Mal aber hart bleiben und alle zukünftigen Anfragen absagen werde. Damit spielt der legendäre Komponist auf das stetige Hin-und-Her zwischen ihm und dem Filmemacher an. So sollte Morricone bereits für „Inglourious Basterds“ neue Filmmusik komponieren. Damals sagte der Komponist dem Filmemacher aber ab, weil er nicht genug Zeit hatte. Tarantino nutze dann alte Stücke des Komponisten, die dieser bereits für frühere Filme komponiert hatte.

    Morricone kritisierte Tarantino bereits

    Bei „Django Unchained“ ließ er sich dann aber doch erstmals breitschlagen. Tarantino bekam komplett neue Musik von Morricone. Der Komponist behauptete später aber, dass er diese nicht extra für den Filmemacher geschrieben habe, sondern die Kompositionen schon fertig bei ihm herumlagen und er ohnehin nie mehr für Tarantino arbeiten werde. Der platziere Musik in seinen Filmen nämlich ohne jeglichen Zusammenhang, daher könne er mit ihm nicht arbeiten.

    Später ruderte er aber zurück. Seine Äußerungen seien falsch verstanden worden. Tarantinos Weg, verschiedene Musikstücke auszuwählen, sorge hin und wieder dafür, dass die Einzelstücke nicht immer ganz passend zum Gesamtwerk sind. Nur das habe er ausdrücken wollen. Aber er halte zum Beispiel „Inglourious Basterds“ für ein Meisterwerk und würde gerne wieder mit Tarantino arbeiten.

    Dazu kam es dann auch. Für „The Hateful 8“ schrieb er den Score und wurde dafür mit dem Oscar gekrönt. Mit 87 gewann er so 2016 den ersten Oscar für eine bestimmte Filmmusik, nachdem er schon 2007 einen Goldjungen für sein Lebenswerk erhalten hatte und zuvor bereits fünf Mal nominiert war. Viel bedeutet ihm das nicht. Im aktuellen Playboy-Interview bezeichnet er die Oscars so als „Peinlichkeit“ und „langweilige Veranstaltung“, bei der er nur Schmerzen vom langen Sitzen gehabt habe.

    Tarantino wollte Morricone für seinen neuen Film

    Nach diesen Aussagen von Ennio Morricone ist eher unwahrscheinlich, dass dieser noch die Musik für Quentin Tarantinos „Once Upon A Time… In Hollywood“ (Kinostart: 8. August 2019) machen wird. Dabei verriet der Komponist selbst schon 2016, dass der „Pulp Fiction“-Regisseur ihn bereits für seinen nächsten, damals noch unbekannten Film angefragt habe.

    Wenn Morricone dieses Mal – wie angekündigt – wirklich hart bleibt, dürfte es dazu aber nicht kommen. Aber vielleicht kommt Tarantino doch wieder mit einem überzeugenden Last-Minute-Angebot oder nutzt wie schon so oft vorher einfach bereits bestehende Musik von Morricone.

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    Kommentare
    • Bruce Wayne
      Ja, Django ist mMn auch der bessere Film. Aber gerade dieser Sadismus zeichnet Tarantino zum Teil doch auch aus. Und in gewisser Weise porträtiert es doch auch die moralische Ambivalenz von Jacksons Charakter. Dass er bereit ist einen alten Mann derartig stark unter Druck zu stellen und letztlich zu erschießen, nur damit er nicht mehr durch seine Gegenwart genervt wird (wohlgemerkt, hat ihm der General nie etwas getan - er konnte ihn schlichtweg nicht leiden). Hat mir gefallen. Aber ich verstehe deine Abneigung gegen die Szene.
    • HalJordan
      Mir ging das gewaltig auf die Nerven. Vor allem, da dies in meinen Augen völlig unnötig war. Die sadistische Ader wäre auch so zum Vorschein gekommen. Da brauche ich keine gefühlte 10-minütige Ausführung.The Hateful 8 hat zahlreiche Probleme. Weniger wäre hier an mehreren Stellen mehr gewesen. Qualitativ hatte ich gehofft man würde Richtung Django Unchained gehen.
    • HalJordan
      Genau das ist der Punkt. Ich habe absolut nichts gegen längere Filme. Blade Runner 2049 wirkt, wie aus einer anderen Zeit. Heutzutage lassen sich viele Filmemacher nicht mehr so viel Zeit beim Erzählen ihrer Geschichte.Wie du schon hervorragend festgestellt hast, schießt ein QT manches Mal über das Ziel hinaus. The Hateful 8 gehört definitiv zu seinen schwächeren Werken.Die Ausdrucksweise passt bei ihm schon. ;-) Er ist schließlich ein etwas eigenwilliger Kauz. ;-D Interessanterweise gab es gerade bei diesem Film ein Leak und das Drehbuch gelangte an die Öffentlichkeit. Ob der Streifen in der ursprünglich angedachten Variante besser gewesen wäre, lässt sich schwer sagen.Welche Filme habe in deinen Augen - neben Inglorious Basterds - noch Plotholes?
    • human8
      Vor einer Stunde hat Morricone auf Facebook folgendes gepostet :It has come to my attention that Playboy Germany has come out with an article in which I have stated extremely negative comments about Tarantino and his films, and the Academy. I have never expressed any negative statements about the Academy, Quentin, or his films — and certainly do not consider his films garbage. I have given a mandate to my lawyer in Italy to take civil and penal action.I consider Tarantino a great director. I am very fond of my collaboration with him and the relationship we have developed during the time we have spent together. He is courageous and has an enormous personality. I credit our collaboration responsible for getting me an Oscar, which is for sure one of the greatest acknowledgments of my career, and I am forever grateful for the opportunity to compose music for his film.In London, during a press conference in front of Tarantino, I clearly stated that I consider Quentin one of the greatest directors of this time, and I would never speak poorly of the Academy - an important institution that has given to me two of the most important acknowledgments of my career.Ennio Morricone
    • Mordru
      Es gibt genug Nicht-Tarantisnos die diese Filme machen.
    • Mordru
      Das ist so ne Sache bei Tarantino, seine Figuren haben manchmal ne ganz eigene Sicht- und Denk- und Handelsweise. Sie haben so ihre Macken. Aber anders als viele andere Regisseure haut er nicht irgendwo nen Monolog oder Dialog raus in dem erklärt wird wie ne Figur tickt.Schulz z.b. will seinem Gegenüber nicht die Kontrolle geben, schon gar nicht jemandem wie Candy. Das ist für andere schwer nachvollziehbar aber zieht es Konsequent durch, das passt zu seiner starken Abneigung von Sklaverei ebenso wie zu seiner Weigerung Candy die Hand zu geben. Er entschuldigt sich ja sogar noch bei Django aber er kann einfach nicht anders.
    • Bruce Wayne
      Ich sehe es weniger als künstlerisches Aufblasen an, sondern mehr als Mittel zum Zweck. Ist es einem wirklich so wichtig, eine hoch-logische Begründung für diesen Plotpunkt präsentiert zu bekommen? Mir persönlich nicht. Gerade im Falle von Inglorious Basterds tritt erstens: Besagtes Szenario nie ein, und zweitens: Ist es derartig unwichtiger Plotpunkt, dass ich einfach darüber hinwegsehen kann. Bei Django kann es schlichtweg sein, dass sich Schultz mit einem zu hohen Angebot nicht verdächtig machen wollte. Wer weiß. Das sind keine Plotholes, sondern einfach ungeklärte Fragen. Plotholes wären Brüche innerhalb der Logik des Filmes.
    • sprees
      Ich habe mal zu Ennio Morricone gelesen, dass er Teile seines The Thing Scores für Hateful Eight hergenommen hat. Wer im Porzellanhaus sitzt........
    • sprees
      Ich habe mal zu Ennio Morricone gelesen, dass er Teile seines The Thing Scores für Hateful Eight hergenommen hat. Eigentlich bekommt man einen Oscar für den Score nur wenn man unbenutzte Originalkompositionen verwendet. Das hat der gute Mann dann auch nicht getan. Ist jetzt natürlich kein Klauen von anderen sondern einfach ein verwursten von anderen geschriebenen Teilen aber das wurde ja dann auch in anderen Filmen genutzt? Hat nun der The H8ful 8 Ennio vom The Thing Ennio geklaut oder einfach einen Klassiker zitiert??? Ich finde den Begriff Klauen bei Tarantino schwierig. Wo ist der Unterschied zwischen zitieren/würdigen und plagieren/klauen? Tarantino ging zum größen Teil offen mit seinen Bezügen um und mit Anspielungen und dem zitieren von seinen Lieblingsstreifen. Ich finde sowas nicht verwerflich und Tarantino ist mit Sicherheit nicht der Einzige der das tut. Ist das Podrennen von Star Wars Episode I ein Zitat an Ben Hur oder nur ein in digitaler Form gesampeltes Plagiat? Außerdem sind Huston Hitchcock und Wilder aus einer anderen Zeit, genauso wie es auch Ennio Morricone ist. Das ist jetzt nicht negativ gemeint und ich tippe mal drauf das Ennio ein traditioneller Komponist ist und es einfach damals andere Abläufe in der FIlmproduktion gab. Ich denke mal da musste alles komplett geplant und durchstrukturiert werden und man hatte durch längere Produktionsphasen auch mehr Zeit. Das hat einfach seine Vorteile. Doch durch die schnelleren Produktionen sind die Zeiträume einfach kleiner geworden. Das kann man dann auch Tarantino nicht vorwerfen sonder eher dem System. Aber das platzieren von Musik war einfach in früheren Werken ein Sapler von Tarantinos Greatest Hits und ich denke mit komponierter Musik hat er so seine Probleme. Ich fand auch, dass der Score vorallem bei Django nicht besonders rund war.Finde es aber nicht fair ihn als Regisseur nun so unwürdig runterzumachen. Möchte nicht wissen was Carpenter über Morricone denkt. Denn dessen The Thing Score ist ja auch durch Carpenter nachgebessert worden. Weiß nicht wieviel Zeit dieser gute Mann dafür dann hatte.
    • Sentenza93
      Ich liebe Hommagen, nur der gute Tarantino übertreibt oftmals.
    • Sentenza93
      Der Plan an sich wird ja vermutlich der selbe gewesen sein, wie das, was die dann als Fake-Italiener durchziehen. Und es tut mir leid, Bart und Make-up? Billiger ging kaum. Und so oder so. Riskieren einen weltverändernden Plan, indem Du einen gesuchten Nazi-Mörder in die Höhle des Löwen schickst. Macht Sinn. :D Wilhelm Wicki kann ich noch durchgehen lassen, den kennt vermutlich ja nur Landa wirklich. Wobei mich auch da wundert, dass sich von Hammersmarck nicht vorstellen kann, dass Landa da ist, ein hohes Tier. Aber Stiglitz? Jeder kennt ihn, war in Zeitungen und alles. Klar doch. :DOder auch der ganze Mandingo-Plot in Django. Mach dieses hohe Angebot einfach für Hildi von Anfang an. Candie wäre ein Idiot, würde er das ablehnen. Und wenn ich sehe, mit wie viel Geld Schultz durch die Gegend läuft (selbst als Stephen die 12.000 abzählt, hat er immer noch ein Riesenbündel in der Hand), hätten Django und er das doch schnell wieder drin. Gehen einfach noch ein paar Wochen zusammen auf die Jagd, Punkt. Das ist einfach so richtig künstliches Aufblasen.
    • Lionheart W.
      Im Hip-Hop nennt man das Sampling, was Tarantino macht. Man nimmt bestimmte kurze Passagen vorhandener Lieder und fügt sie wieder zu etwas Neuem zusammen, dabei sind keine Grenzen gesetzt. Es ist eine legitime Kunstform die Tarantino bis zur Perfektion beherrscht. Nur Narren würden ihm Diebstahl unterstellen.
    • Darklight ..
      Ennio hat für seine Musik den OSCAR bekommen, dazu hat Quentin Nichts beigetragen.Er muss IHM nich dankbar sein. ER hat mit seiner Musik allerdings Quentins Werk aufgewertet.Es ist der Fehler der Academy gewesen, diesen Mann 60 Jahre lang übergangen zu haben...Und ja... ansonsten... Mann, er ist Italiener!; )
    • Darklight ..
      Der Quentin Tarantino der Filmmusik...😂
    • Darklight ..
      Es ist Kritik - und sagt viel über unsere Zeit aus. Ennio hat ja einige der großen Meister genannt, die wesentlich besser sind. Und - wie viele richtig gute Regisseure haben wir heute..
    • Darklight ..
      Für Morricone auch...😂
    • Jimmy v
      Wahrscheinlich, ja. Und es ist ja auch nicht per se schlecht. Aber es gibt schon Regisseure, die ganz anders inszenieren können und man sich dann wundert: Was, das ist von XY? Peter Weir, William Friedkin oder auch Steven Spielberg wären da zu nennen.
    • Darklight ..
      Das bestreite ich nicht.Und das kann er hervorragend!😊
    • Gravur51
      Auch das wäre vermutlich wieder so rausgekommen wie alle seine anderen. Denk ich.
    • Deliah C. Darhk
      Da stimme ich Dir voll zu. :)
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