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Darum ist es schade, dass der "Fallout"-Regisseur auch "Mission: Impossible 7+8" dreht
Von Tobias Mayer — 19.01.2019 um 16:55
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Christopher McQuarrie ist seit Teil 5 Regisseur und Autor der „Mission: Impossible“-Filme und wird nun auch die nächsten beiden inszenieren. Ich mag seine Arbeit – aber der Reihe ist durch seinen Dauer-Einsatz auch etwas verloren gegangen…

Paramount Pictures

+++ MEINUNG +++

Im streng geschützten Computerraum des CIA-Hauptquartiers hängt Ethan Hunt (Tom Cruise) ein paar Zentimeter über dem Boden, gesichert nur durch ein Seil. Wenn er einen Mucks macht oder den Flur berührt, war’s das – sehr blöd, dass sich ausgerechnet in diesem Moment ein Schweißtropfen von seiner Stirn zu lösen beginnt und oben im Lüftungsschacht, wo Hunts Helfer Krieger (Jean Reno) eh schon genug Mühe hat, das verdammte Seil zu halten, eine Ratte in dessen Richtung krabbelt…

Das erste Mal einen „Mission: Impossible“-Film zu inszenieren, ist für den Regisseur vermutlich ähnlich anspruchsvoll wie die logistische, kognitive und körperliche Meisterleistung, die Hunt und sein Team in irre-waghalsigen Szenen wie der legendären Einbruchssequenz im ersten „Mission: Impossible“ vollbringen – solche Szenen planen und drehen sich nun mal schwieriger, als wenn es nur darum geht, dass sich ein paar Typen abknallen. Christopher McQuarrie allerdings dürfte bei der Arbeit an einem „Mission: Impossible“-Film nur noch vergleichsweise wenig ins Schwitzen geraten:

Er, der auf eine lange und vertraute Zusammenarbeit mit Tom Cruise zurückblickt, wurde für „Mission: Impossible 4“ engagiert, um das Skript in allerletzter Sekunde zu vervollständigen und übernahm anschließend bei „Mission: Impossible 5 - Rogue Nation“ sowie „Mission: Impossible 6 - Fallout“ die Regie sowie das Drehbuch. Er ist längst ein „M:I“-Routinier und seine Agenten-Thriller zündeten bei Publikum wie Kritikern. Konsequenterweise wurde er nun verpflichtet, auch die nächsten Filme der Reihe zu inszenieren und zu schreiben: „Mission: Impossible 7“ (kommt im Sommer 2021) und „Mission: Impossible 8“ (Sommer 2022). Ich finde McQuarries Filme klasse (und höre ihm zu, wann immer er eines seiner eloquenten Interviews darüber gibt) – aber ich vermisse den Regie-Wechsel, durch den die ersten vier Filme jeweils ihren eigenen Stempel bekamen.

"Mission: Impossible" war immer anders

Brian DePalma inszenierte „Mission Impossible“ 1996 als einen mit Hitchcock-Verweisen und Splitscreens aufgepeppten Film noir, in dem der jugendliche Tom Cruise durch einen aberwitzig-verwinkelten Plot hetzt. John Woo machte Ethan Hunt in „Mission Impossible II“ zum lässigen Sunnyboy, der eingangs zum Spaß an einer Klippe hängt, sich mit einer hübschen Fremden vergnügt und Bösewichte wie in einem Hongkong-Actioner verprügelt. In J. J. Abrams' „Mission Impossible III“  wurde es für Hunt so persönlich wie nie, er war das erste und letzte Mal richtig verzweifelt und verknallt – gefilmt war das Ganze mit fiebrig-wackliger Kamera, die es in manchen Action-Szenen schwierig macht, zu verstehen, was überhaupt vor sich geht.

Es hatte Tradition, die Regisseure zu wechseln. In „Mission: Impossible 4 - Phantom Protokoll”, den Pixar-Maestro Brad Bird („Die Unglaublichen” 1+2) als seinen ersten Live-Action-Film inszenierte, gab es so viel Humor wie nie in einem „M:I“-Film. Sein Nachfolger Christopher McQuarrie aber verlieh seinem – hervorragenden – Einstand „Mission: Impossible 5 - Rogue Nation” keine besondere eigene Note. Und selbst wenn: Da McQuarrie anschließend noch den – ebenfalls hervorragenden – „Mission: Impossible 6 - Fallout” drehte und nun, nach diesen Erfolgsfilmen, auch noch für „Mission: Impossible 7“ und „Mission: Impossible 8“ verpflichtet wurde, wäre mit der Abwechslung in Sachen Stil nach Teil 5 eh Schluss gewesen.

Ich mag John Woos „Mission Impossible II“ nicht besonders: Er ist leider längst nicht so spannend, wie es ein Film sein sollte, wenn die Welt durch ein Mega-Virus bedroht ist, den ausgerechnet die Geliebte des Agenten (Thandie Newton als Diebin Nyah Nordoff-Hall) in sich trägt und ja, das Geschehen ist selbst gemessen an „M:I“-Standards zu oft einfach nur dämlich. Doch so ist das eben, wenn man bei einem Franchise die Kreativköpfe wechselt und jedem erlaubt, sich ein bisschen auszutoben: Das Ergebnis schmeckt nicht jedes Mal jedem – aber dafür gibt’s jedes Mal die Chance, dass ein frischer Ansatz Ethan Hunt und sein Team so richtig auf den Kopf stellt (und das ist jetzt ausschließlich im übertragenen Sinn gemeint, denn wortwörtlich werden sie es ja sowieso bei jedem Einsatz).

Problem Nummer 2

Tom Cruise ist seit dem ersten „Mission: Impossible“ auch als Produzent beteiligt und hat in dieser Funktion längst großen Einfluss auf die wichtigsten kreativen Entscheidungen sowie die Wahl der Regisseure. Er dürfte froh sein, mit Christopher McQuarrie einen vertrauten Kollegen im Team etabliert zu haben (der auch beim kommenden „Top Gun 2“ als Retter verpflichtet wurde). Dadurch ist „Mission: Impossible“ spätestens seit Teil 5 zu einer Reihe geworden, deren Teile auch inhaltlich so stark miteinander verbunden sind, wie sie es früher nicht waren:

Die Filme 1 bis 4 fühlen sich nicht an, als gehörten sie zur selben Geschichte – nun jedoch hat Ethan Hunt stets mit einigen Leuten zu tun, die er schon von früher kennt, seien sie ihm nun freundlich gesinnt (Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Alec Baldwin) oder seien sie Gegenspieler (Sean Harris kehrt in „Fallout“ als Ober-Terrorist Lane zurück). In „Mission: Impossible 6 - Fallout“ war die Handlung überfrachtet, weil McQuarrie unbedingt die bekannten älteren Gesichter dabei haben wollte – es schwirrte einem der Kopf vor lauter Figuren. Ich aber mag meinen Schwindel bei „Mission: Impossible“ nur, wenn er davon kommt, dass Ethan Hunt wieder an irgendeinem Flugzeug oder Helikopter hängt.

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