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    Netflix-Hit "Der Schacht" erklärt: "Saw" trifft "Cube" trifft "Parasite"
    Von Björn Becher — 21.03.2020 um 15:14
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    Die brutale Horror-Satire „Der Schacht“ ist seit dem gestrigen Freitag (20. März) auf Netflix verfügbar und avancierte sofort zu den aktuell meistgeschauten Filmen auf dem Streamingdienst. Und es ist einer der Filme, die zur Diskussion einladen.

    Netflix

    Achtung. Es folgen auch SPOILER zu „Der Schacht“!

    Auf Netflix gibt es viele gute Filme und auch die neueste Produktion für den Streamingdienst fand so schnell so viele Fans, dass sie künftig auf einigen Netflix-Bestenlisten auftauchen dürfte. Die Rede ist von „Der Schacht“. In der spanischen Horror-Satire wacht Hauptfigur Goreng in einem gefängnisartigen Komplex auf. Auf jeder Etage sind zwei Insassen, die Essensversorgung findet von oben nach unten statt.

    Und da sich jeder selbst der Nächste ist, schlägt man sich auf den oberen Etagen den Magen voll, sodass unten nichts mehr ankommen und die Insassen bald gezwungen sind, ihren Mithäftling zu essen. Doch alles kann sich schnell ändern, denn jeden neuen Monat landet man auf einer neuen Etage.

    Kapitalismus

    „Der Schacht“ ist wie schon zuletzt der Oscar-Hit „Parasiteeine klare Allegorie auf das kapitalistische Klassensystem, allerdings deutlich weniger subtil und noch extremer. Aufbauend auf „Cube“-ähnlichen Setting sowie dem an „Saw“ erinnernden Zwei-Personen-Szenario wird in „Der Schacht“ die Botschaft mit brutalem Nachdruck vermittelt. Wer oben ist, handelt egoistisch und sorgt sich nicht um seine Mitmenschen – und es macht nicht einmal einen Unterschied, dass sich im Gegensatz zu wahren Klassensystem die Einteilung hier monatlich ändert. Ganz im Gegenteil, es fördert das unsoziale Verhalten sogar.

    Die ersten Worte des Films geben die Botschaft dann auch schon vor, wenn von den Menschen oben, den Menschen unten und jenen, die fallen, die Rede ist. Wobei letztere Aussage sich doppeldeutig nicht nur auf die Menschen bezieht, die wirklich abstürzen, sondern auch auf jene, die absteigen, weil sie den Irrglauben haben, das System selbst ändern zu können. Sie scheitern auch in „Der Schacht“ alle.

    Religion und Umweltzerstörung

    Daneben hat „Der Schacht“ auch einen religiösen Subtext, denn das Gefängnis ist eine Art Hölle, besteht sicher nicht zufällig aus 333 Ebenen und damit 666 Gefangenen, beides Zahlen mit Bedeutung in der Bibel.

    Sieht man zumindest die unteren Ebenen des Schachts als Hölle, kommt man zu dem Schluss, dass die mysteriöse Administration Gott sein muss, der die reichen Schätze der Natur (hier: das Essen) zur Verfügung stellt (man beachte auch, dass die Köche nach der Essenszubereitung immer wieder nach oben schauen, als würden sie beten). Doch am Ende ist es an den Menschen, mit diesen Mitteln umzugehen.

    Dies kann man sogar noch in eine Anklage gegen die Umweltzerstörung weiterdeuten, denn schließlich essen die oberen Insassen nicht nur zu viel der vorhandenen Nahrung (reales Beispiel: Überfischung), sondern zerstören durch ihr rücksichtsloses Verhalten noch weite Teile der Überreste (reales Beispiel: Fracking) und verschmutzen das übrig gelassene Essen, in dem sie darauf spucken und pinkeln (reales Beispiel: illegale Giftmüllentsorgung).

    Das offene Ende

    Gerade die biblische Deutung liefert auch eine mögliche Interpretation des offenen Endes. Ein (unschuldiges) Kind wird nach oben geschickt, das es eigentlich nicht geben dürfte. Wir wissen (aus zugegeben unzuverlässiger Quelle), dass niemand im Schacht unter 16 ist, zudem ist kaum vorstellbar, wie das Kind bisher überlebt haben soll. Wie Jesus in unbefleckter Empfängnis in der Bibel gezeugt wurde, ist das Kind womöglich einfach entstanden.

    Da das Mädchen komplett unschuldig ist, kann nur sie, wie einst Gottes Sohn, die Botschaft nach oben tragen, dass der Menschheit Gnade gewährt werden soll. Goreng selbst kann das Kind deswegen auch nicht nach oben begleiten. Er hat keine Unschuld mehr, er steht für die Sünde. Schließlich hat er getötet, in seinem finalen Abstieg mit Baharat wohl sehr zahlreich. Für ihn ist der Weg nach oben verschlossen.

    Doch das sind natürlich nur einige mögliche Interpretationsansätze für „Der Schacht“. Was denkt ihr?

     

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    Kommentare
    • Paul Wenzel
      Der Film ist einfach eine stereotypische, mit linkem Beigeschmack gespickte, schlechte Kapitalismus Kritik. Der Film ist spannend und toll erzählt - dont get me worng, aber soll dieser Schacht wirklich eine Klassengesellschaft wiederspiegeln? Common. In wie fern würde sich der Film ändern wenn es eine Marxistische Gesellschaft gäbe, in denen alle vernünftig sind? Wobei Egoismus und Machtausübung auf Schwächere grade im Marxismus einen neuen Perversionsgrad erreicht haben (siehe Mao, Stalin, DDR oder die Ukraine Massenmord von den Sowjets (Isolation und Aushungerung-weil Systemgegner)). Vor allem kann so eine extrem Situation wie der Schacht bestimmt nicht die die Gesellschaft abbilden. Ich finde solche Kapitalismus Phrasen sind viel zu schnell gedroppt ohne denn sinn dahinter wirklich wahrzunehmen. Trotzdem nen spannender Film und ne spannende umsetzung dieser Geschichte.
    • F. Bates
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