Attack on Titan: The Last Attack
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Attack on Titan: The Last Attack

Das epische Finale eines wahren Anime-Giganten!

Von Michael Meyns

In der griechischen Mythologie waren die Titanen ein Göttergeschlecht, die den Menschen stets ihren niedrigen Status vor Augen hielten, aber auch über sie wachten. In der japanischen Manga-Reihe „Attack On Titan“ dagegen herrscht Krieg zwischen unterschiedlichen Titanen und verfeindeten Gruppen von Menschen. Zehn Jahre lang erschienen Hefte und Anime-Folgen von AoT, wie das Epos in Fankreisen heißt, bevor das Epos zu einem Ende kam.

Nun hat Yuichiro Hayashi zwei der letzten Folgen der TV-Serie zu einem Spielfilm zusammengefügt, der seinem Namen „Attack On Titan: The Last Attack“ alle Ehre macht! Ausufernde, spektakuläre und sehr blutige Schlachten zwischen Titanen und Menschen bestimmen die fast zweieinhalb Stunden, was zugleich aber auch bedeutet: Wer sich nicht sehr gut mit der Mythologie von AoT auskennt, dürfte Schwierigkeiten haben, dem Geschehen zu folgen. Man kann sich aber natürlich auch einfach zurücklehnen und den lustvollen Exzess genießen, der zum großen Finale aufgefahren wird.

Crunchyroll
"Attack On Titan: The Last Attack" liefert noch mal eine Extraportion Bildgewalt!

Die Menschen sind nicht mehr die mächtigsten Kreaturen auf der Erde. Seit langem kämpfen sie gegen Titanen und haben sich dabei schon eine Reihe epischer Schlachten geliefert. Hinter hohe Mauern hatten sie sich zurückgezogen und Jahrzehnte des Friedens genossen, doch dann griffen die Titanen wieder an und töteten auch die Mutter von Eren Yaeger. Der entwickelte sich daraufhin zu einem legendären Kämpfer, der nun jedoch den Plan fasst, das „Erdrumoren“ auszulösen, das sämtliche Lebewesen auf der Erde zu zerstören droht.

Seine ehemaligen Freunde Armin Arlert und Mikasa Ackerman setzen alles daran, dies zu verhindern – und bringen dafür die unterschiedlichen Gruppen der Menschen zusammen, die ihre Animositäten überwinden müssen, um sich gemeinsam gegen einen größeren Feind zu stellen. Doch um gegen die Titanen zu gewinnen, müssen sich Armin und Mikasa auch gegen ihren alten Freund Eren stellen…

Berühmte Fans

Angeblich soll sogar Bruno Mars ein Fan von AoT sein und die tragische Grundstimmung der Serie als Inspiration für seinen Song „Die With A Smile“ genutzt haben. Vielleicht ist das auch nur ein hübsches Internet-Gerücht, aber so oder so zählt AoT zu den erfolgreichsten Manga-Reihen aller Zeiten: im Laufe der letzten Jahre wurden mehr als 140 Millionen Mangas der von Hajime Isayama geschriebenen und gezeichneten Reihe verkauft, die TV-Serie bringt es auf über 90 Folgen, sogar eine Bühnenadaption war geplant. So ein Erfolg rief natürlich auch Hollywood auf den Plan: Warner Bros. sicherte sich die Rechte für eine Live-Action-Verfilmung, bei der „ES“-Regisseur Andy Muschietti Regie führen sollte. Diese Ankündigung liegt allerdings schon einige Jahre zurück, das Projekt scheint also aktuell auf Eis zu liegen.

Fans der Serie können sich nun aber zumindest über ein besonderes Lernwanderlebnis freuen, denn gerade das große Finale der Serie ist ein bombastisches Epos. Das Kennen der Serie ist allerdings fast Grundvoraussetzung, denn für Neueinsteiger*innen könnte sich „Attack On Titan: The Last Attack“ ungefähr so anfühlen, als würde man bei der „Herr der Ringe“-Trilogie direkt bei der finalen Schlacht auf dem Pelennor einsteigen, sodass man wirklich gar keine Ahnung hat, wer denn hier warum gegeneinander kämpft.

Man muss die Serie kenne, um zu verstehen, wer hier gegen wen kämpft, aber nicht, um die gewaltigen Bilder zu genießen. Crunchyroll
Man muss die Serie kenne, um zu verstehen, wer hier gegen wen kämpft, aber nicht, um die gewaltigen Bilder zu genießen.

Ganz grob werden zwar auch im Film die Verhältnisse der Figuren angerissen, doch angesichts der über viele Jahre erzählten Entfremdung zwischen Eren auf der einen und Armin und Mikasa auf der anderen Seite bleiben da natürlich trotzdem viele Subtexte auf der Strecke. Allzu viel macht das allerdings nicht aus, denn die visuellen Qualitäten von „Attack On Titan: The Last Attack“ würden sich sicherlich auch dann noch erschließen, wenn man das Epos ohne jegliche Sprachkenntnisse in der japanischen Originalversion ohne Untertitel anschauen würde.

Schon der erste Angriff der Titanen verläuft episch: Aus dem Nebel tauchen die menschenähnlichen Gestalten auf. Es sind Giganten ohne Haut, deren rote Muskeln herausstechen. Stets dezent nur bis zur Hüfte gezeigt, weshalb sich die Frage, ob denn überdimensionierten Titanen auch anderweitig überdimensioniert sind, nicht beantworten lässt, stampfen die Titanen in die erste Schlacht, die die Menschen noch leicht gewinnen. Doch bald schon treffen sie den Regeln der Eskalationsspirale folgend auf eindrucksvollere, mutierte Titanen, die mal wie ein gigantisches wildes Tier aussehen, dann wieder wie ein gigantisches Skelett, durch dessen Rippen die Menschen auf Flugwesen in rasanter Manier fliegen.

Den Bombast von "Transformers", aber mit mehr Herz

So schnell sind die Bilder in diesen Schlachtszenen oft, dass die punktuell eingesetzten Zeitlupenmomente nur umso eindrucksvoller wirken. Ein wenig fühlt man sich hier an die epischen Schlachtenszenen in Michael Bays „Transformers“-Filmen erinnert, in denen sich auf ähnliche Weise konventionelles narratives Kino in einen Rausch aus Bildern und Tönen auflöste, die fast impressionistische Qualität erreichten. Doch „Attack On Titan: The Last Attack“ besitzt mehr Herz, schafft es bei allem überbordenden Exzess im Schatten des Kampfes um das Überleben der Menschheit, auch eine intime Geschichte von Trauer, Verlust und Freundschaft zu erzählen. Ein spektakuläres Anime-Epos, vor allem, aber nicht nur für Kenner der AoT-Welt.

Fazit: Quasi als Geschenk an die Fans der langjährigen Manga- und Anime-Reihe „Attack On Titan“ wurden die letzten beiden Episoden zu einem überbordenden Kinofilm zusammengeschnitten. Vor allem soundtechnisch noch mal ordentlich aufgemotzt, werden sie so zu einem Leinwanderlebnis der besonders exzessiven Art.

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