Spa Weekend
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Spa Weekend

Viel Hektik, wenig Witz

Von Dobrila Kontic

In den Nullerjahren haben sich mit Jon Lucas und Scott Moore zwei Drehbuchautoren zusammengetan, die das Comedy-Genre mächtig aufgemischt haben: denn nach einigen eher mittelmäßigen Komödien gelang ihnen 2009 mit dem Skript zum überraschenden Comedy-Megahit „Hangover“ der große Durchbruch. Bei den Fortsetzungen waren sie zwar nicht mehr mit an Bord, aber dafür zeichneten sie bei ihrem Kinohit „Bad Moms“ nicht länger nur für das Drehbuch, sondern direkt auch für die Regie verantwortlich. Ähnlich wie bei „Hangover“ setzten Lucas und Moore auch bei „Bad Moms“ auf ein Trio, das sich gemeinsam lustvoll (wenn auch nicht ganz so hemmungslos) ins Chaos stürzte.

In diesem Fall waren es drei Mütter, die auf die ständigen Forderungen ihrer Kinder, Ehemänner und all der scheinbar perfekten Alleskönnerinnen pfiffen und sich gemeinsam exzessiver Entspannung hingaben. Was flach klingt, hatte dank des Casts um Mila Kunis, Kristen Bell und Kathryn Hahn durchaus Charme und Witz, wie auch Christoph Petersen in seiner FILMSTARTS-Kritik zu „Bad Moms“ befand: „Derb und frech, warmherzig und sympathisch – ‚Bad Moms‘ bringt diese scheinbaren Gegensätze wunderbar zusammen.“ Fast schien es, als hätten Lucas und Moore das Rezept für leichte und zugleich bestärkende Botschaften versprühende Komödien für ein weibliches Publikum perfektioniert. Doch bei ihrem neuesten Streich „Spa Weekend“ geht der Plan leider nicht auf.

Spätestens beim Ziegen-Yoga kommt es zum Eklat! DCM
Spätestens beim Ziegen-Yoga kommt es zum Eklat!

Drei gestresste Freundinnen mittleren Alters stehen auch hier wieder im Vordergrund, jede von ihnen holzschnittartig mit einem eigenen Sorgenpäckchen versehen: Jane (Leslie Mann) ist eine erfolgreiche Anwältin, aber findet als alleinerziehende Mutter kaum Zeit, sich ein Liebesleben aufzubauen. Die große Liebe meinte Coco (Michelle Buteau) schon in ihrem Ex-Ehemann Roger (Dominic Ona-Ariki) gefunden zu haben, bis er sie für eine andere – und zwar zur Abwechslung deutlich ältere – Frau verließ. Unterdessen wird Sophies (Anna Faris) Leben von ihrem tyrannischen Chef überschattet, der schon verzweifelt, wenn sie nicht für seine gewohnte Mittagessenauswahl sorgt. Obwohl ihre Terminkalender randvoll sind, beschließen die drei, Janes anstehenden Geburtstag bei einem gemeinsamen Wochenende in einem luxuriösen Spa in Palm Springs zu feiern.

Da Jane, Coco und Sophie allesamt trotz einiger Spleens vernunftbegabt und verantwortungsbewusst durch ihre festgefahrenen Leben schreiten, hat das Autoren-Duo noch für eine vierte Figur als handlungstreibenden Faktor gesorgt: Mit breitem Aussie-Akzent, in greller Klamotte und immer zu einem (Herren-)Witz aufgelegt, stapft auch Mel (Isla Fisher) ins Spa, um sich ihren drei Freundinnen aus Kindheitstagen trotz ausbleibender Einladung anzuschließen. Fortan drehen sich fast alle Gags in „Spa Weekend“ darum, wie Mel mit ihrer vulgären Art alles an Entspannungskursen von der Kristallmeditation bis zum Ziegen-Yoga sabotiert, die Spa-Besitzerin aus der Fassung bringt und die Lebensunzufriedenheit der drei Freundinnen mit rabiaten Mitteln zu lösen versucht …

Gags ohne Raum, Witz oder Herz

Leider zündet, so sehr sich Isla Fisher („Now You See Me“) in der Rolle als Chaos-Queen auch abmüht, so gut wie keiner dieser Gags. Dafür sorgt über die gesamten 97 Minuten hindurch ein allzu hektischer Schnitt, der nicht einmal dem kleinsten Dialogwitz zwischen den vier ansonsten komikbegabten Schauspielerinnen Raum zur Entfaltung zugesteht. Zu dem wiederholt verfehlten komödiantischen Timing kommt hinzu, dass jede Slapstick-Situation in „Spa Weekend“ mit einem allzu penetranten Score unterlegt ist, der der Komödie zwanghaft Schwung verleihen soll.

Ärgerlich wird es bei „Spa Weekend“ aber vor allem, wenn es um den fehlenden emotionalen Kern des Films geht. Zwar wird hier und da wie schon bei „Bad Moms“ das Thema weiblicher Überlastung durch Care-Arbeit gestreift, aber dann bald doch lieber fallen gelassen, um sich stattdessen zu teils fragwürdigen Botschaften durchzuringen, etwa über Frauenfreundschaften: So heißt es an einer Stelle, dass doch jede Frauen-Clique diese eine chaotische Person brauche, die niemand wirklich mag (?!), aber die das festgefahrene Dasein der übrigen Freundinnen zumindest gehörig aufwirbelt.

Trotz flauschiger Bademäntel ist an Entspannung bei diesem Spa-Wochenende der besonders chaotischen Art leider gar nicht zu denken. DCM
Trotz flauschiger Bademäntel ist an Entspannung bei diesem Spa-Wochenende der besonders chaotischen Art leider gar nicht zu denken.

Dass es auch anders geht und eine Female-Buddy-Komödie ungehemmt der Albernheit frönen und trotzdem das Wesen und die Tiefe von Frauenfreundschaften durch alle Lebenslagen verhandeln kann, hat „Brautalarm“ schon 2011 vorgemacht. Doch von der gefühlvollen Aufrichtigkeit, die das Skript und die Figurengestaltung von Kristen Wiig und Annie Mumolo damals ausmachte, ist „Spa Weekend“ leider weit entfernt.

Fazit: Trotz komikbegabter Besetzung zünden die Gags in „Spa Weekend“ selten und die hektische Inszenierung vermag vom fehlenden Herz dieser vermeintlichen Female-Buddy-Comedy auch kaum abzulenken.

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