Bibi Blocksberg - Die total verhexte Zeitreise
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Bibi Blocksberg - Die total verhexte Zeitreise

Sogar noch besser als der erste Teil!

Von Christoph Petersen

Nachdem sich die vier „Bibi & Tina“-Leinwandabenteuer mit Lina Larissa Strahl und Lisa-Marie Koroll als zuverlässige Millionen-Hits erwiesen hatten, konnte selbst das Kino-Spin-off der nach einer Staffel schon wieder abgesetzten „Bibi & Tina“-Amazon-Serie 2022 noch mehr als 700.000 Besucher*innen in die hiesigen Lichtspielhäuser locken. In Anbetracht dieser Erfolgszahlen kommt man kaum darum herum, das Einspielergebnis des qualitativ absolut gelungenen „Bibi Blocksberg – Das große Hexentreffen“ als handfeste Enttäuschung einzuordnen: Ja, der Reboot ist nach den Teenie-tauglichen Pferdeabenteuern bewusst wieder auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten – aber die gerade mal 377.000 verkauften Tickets in Deutschland waren dennoch eine kalte Dusche. Das sind schließlich noch mal weniger als bei dem leider völlig versemmelten Neustadt-Konkurrenten „Benjamin Blümchen“ von 2019.

Ob das unter normalen Bedingungen wirklich zu einer Fortsetzung gereicht hätte? Zum Glück für die kleinen und größeren Fans von „Das große Hexentreffen“ hat sich diese Frage aber nie ernsthaft gestellt. Denn bei Filmreihen mit Kinderdarsteller*innen ist man längst nicht so flexibel – und so bekam der erneut von „Die Schule der magischen Tiere“-Regisseur Gregor Schnitzler inszenierte „Bibi Blocksberg 2 – Die total verhexte Zeitreise“ bereits grünes Licht, bevor der Vorgänger überhaupt in den Kinos gestartet ist. Und während sich der Verleih vor allem aufgrund eines wesentlich besser gelegenen Starttermins diesmal viel mehr erwartet, würden wir noch hinzufügen, dass sich mittlerweile wohl hoffentlich herumgesprochen hat, wie viel Spaß Teil 1 auch einfach macht. Und um das mal direkt vorwegzunehmen: Teil 2 setzt da sogar noch einen drauf!

Bibi (Nala) und ihre besten Freund*innen – mit und ohne Hexenkräften – sind natürlich auch in der Fortsetzung wieder mit von der Partie. Leonine
Bibi (Nala) und ihre besten Freund*innen – mit und ohne Hexenkräften – sind natürlich auch in der Fortsetzung wieder mit von der Partie.

Marita (Fia-Marie Lin) und Florian (Aithonas Avgoustakis) haben richtig coole Plätze bei Kommissar Krause (Thorsten Merten) beziehungsweise der rasenden Reporterin Karla Kolumna (Palina Rojinski) abbekommen. Bibi Blocksberg (Nala) hat sich hingegen mal wieder zu viel Zeit gelassen – und muss ihr Schulpraktikum nun wohl oder übel als Aufpasserin im Schlossmuseum ableisten. Immerhin steht dort gerade eine Sonderausstellung über die Neustädter Geschichte auf dem Plan – mit einer besonders wertvollen historischen Spieluhr als Publikumsmagnet!

Trotzdem stellt sich Bibi bereits auf jede Menge Langeweile ein, als die Spieluhr plötzlich verschwindet. Die Spuren führen zunächst zur Museumsdirektorin Farrah Pahani (Nilam Farooq), aber Bibi ist sich sicher, dass diese mit der ganzen Sache bestimmt nichts zu tun hat. Allerdings geht bei ihren eigenen Nachforschungen ein Hexenspruch schief. So landen Bibi und Marita mehr als 130 Jahre in der Vergangenheit – und treffen dort auf die junge Schlosserbin Fritzi von Klunkerburg (Carmen Diego). Gegen ihren Willen soll diese nach dem Tod ihrer Eltern von ihrer hinterlistigen Tante (Fritzi Haberlandt) mit ihrem tölpelhaften Cousin verheiratet werden …

Nachts im Museum

Wenn Bibi zunächst enttäuscht ist, dass es mit ihren jede Menge Aufregendes versprechenden Wunschpraktika nicht hingehauen hat, möchte man sich ihr als Zuschauer*in eigentlich sofort anschließen: „Bibi als Polizistin“ oder „Bibi als Reporterin“ – das klingt doch beides direkt spannender als „Bibi die Museumswärterin“, zumal gerade Palina Rojinski („Nightlife“) ihr rasendes Neustadt-Vorbild auch perfekt trifft. Aber Pustekuchen! Zeitreise, Kriminalfall, ein bisschen „Bridgerton“ mit Schloss-Spektakel – „Bibi Blocksberg 2“ liefert definitiv ab, was den Unterhaltungswert angeht.

Mein persönlicher Lieblingsgag: Wenn Marita als Assistentin von Kommissar Krause am Tatort des Spieluhren-Coups auftaucht – und die übrigen Cops schon nach einem einzigen Tag Schulpraktikum wie selbstverständlich herumscheucht, als würde sie die Ermittlungen leiten. Auf den ersten Auftritt des Bürgermeisters müssen wir trotz des Mini-Auftritts seines Sekretärs Pichler am Ende von „Das große Hexentreffen“ zwar weiter warten, aber insgesamt hat „Die total verhexte Zeitreise“ ohnehin schon eher zu viele als zu wenige Figuren.

„Die total verhexte Zeitreise“ macht ihrem Titel alle Ehre – denn diesmal wird auch im 19. Jahrhundert allerlei Hexen-Schabernack angestellt. Leonine
„Die total verhexte Zeitreise“ macht ihrem Titel alle Ehre – denn diesmal wird auch im 19. Jahrhundert allerlei Hexen-Schabernack angestellt.

Gerade wenn im letzten Drittel noch Bibis bis dahin abwesende Hexen-Freundinnen Schubia (Carla Demmin) und Flauipaui (Philomena Amari) zur zeitreisenden Rettungscrew stoßen, ist das fast schon zu viel des Guten – trotz Schubias natürlich saucoolem Staubsauger-Fliegebesens Kawasaki. Aber genau da kommt eben Songwriter Peter Plate ins Spiel, denn der macht diesmal endgültig keine Gefangenen mehr!

Stattdessen startet er diesmal gleich zu Beginn mit einer Bernhard-&-Bibi-Kombo durch, deren diamantengefächerte Videooptik an die verspielte DIY-Frühzeit der Digital-MTV-Ära erinnert. Damit ist der Grundstein gelegt – und die Fans des aktuellen Intendanten vom Theater des Westens in Berlin (wo auch das „Bibi & Tina“-Musical läuft) werden auch anschließend sicher nicht enttäuscht. Die meisten zwischen 13 und 19 dürften das vermutlich absolut cringe finden – aber genauso werden alle anderen sicherlich eine Menge Spaß an den farbenfrohen Gute-Laune-Popsongs haben!

Fazit: Wieder ein kurzweilig-charmantes Hexen-Zeitreise-Abenteuer, bei dem vor allem das Schloss-Setting für spektakuläre Schauwerte sorgt. Zudem macht die Fortsetzung die eine Schwachstelle des Vorgängers mehr als wett: Der Rosenstolz-Sänger/Komponist Peter Plate, der schon für die Ohrwürmer der „Bibi & Tina“-Reihe verantwortlich war, gibt nach den eher enttäuschenden Songs von „Das große Hexentreffen“ diesmal wieder richtig Vollgas in Sachen Musical-Pop!

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