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    2 Tage Paris
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    2 Tage Paris
    Von Björn Helbig
    Brauchen wir wirklich noch eine Komödie, die ihren Witz vornehmlich aus kulturellen Unterschieden und dem ewigen Konflikt zwischen Mann und Frau zieht? Die Antwort: Klar, wenn sie so gut gemacht ist wie Julie Delpys neuester Film. Nach Broken Flowers und Before Sunset meldet diese sich eindruckvoll mit ihrer Culture-Clash-Komödie „2 Tage Paris“ zurück. Diesmal spielt sie nicht nur die Hauptrolle, sondern zeichnet sich auch für das wortspritzige Drehbuch und die Regie verantwortlich. In bester Woody-Allen-Manier lässt sie ein amerikanisch-französisches Pärchen während eines Paris-Urlaubs in die kulturellen Fettnäpfchen treten und versäumt es dabei nicht, gelegentlich zielsicher Schüsse unter die Gürtellinie abzugeben. Der Film lief auf der Berlinale 2007 in der Sektion Panorama Special. In einer Nebenrolle zu sehen: Daniel Brühl.

    Die in New York lebende Französin Marion (Julie Delpy) macht mit ihrem Freund, dem Amerikaner Jack (Adam Goldberg), Urlaub in Europa. Auf dem Rückweg in die USA wollen die beiden Streithähne noch einen kurzen Stopp bei Marions Eltern in Paris machen. Kulturschock: Das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen dem Paar wird in der Stadt der Liebe erneut auf die Probe gestellt. Jack, der kein Wort Französisch spricht, sieht sich mit Marions Alt-68er-Eltern, fremden Essgewohnheiten und – das ist für ihn am schlimmsten – zahlreichen Ex-Lovern seiner Freundin konfrontiert. Je mehr Marion seine Eifersucht mit kleinen Lügen zu beschwichtigen versucht, desto misstrauischer wird Jack.

    Julie Delpy hat schon häufiger gezeigt, dass sie gut spielen kann. Ob in Neben- (Killing Zoe) oder Hauptrollen (Before Sunrise) – ihre Figuren bleiben hängen. Nun zeigt sich, dass sie auch sehr gute Drehbücher schreiben kann und auch mit der künstlerischen Gesamtleitung eines Films keinerlei Probleme hat. Mit „2 Tage Paris“ ist ihr ein kleiner, bissiger Film über kulturelle und intersexuelle Differenzen gelungen, der geschickt mit den Vorurteilen zwischen den Ländern und Geschlechtern spielt. Delpys Pointen-Feuerwerk enthält Gags für jedes Gemüt, vom Schenkelklopfer bis zum hintersinnigen Spätzünder. Dass der Humor, von wenigen Ausnahmen abgesehen, so prächtig funktioniert, liegt zum einen an den pointierten Dialogen. Dieser nicht abreißen wollende Redeschwall erinnert oft an Woody-Allen-Filme, ohne dabei allerdings in die bei ihm gelegentlich selbstverliebte wirkende Intellektualität zu verfallen. Delpy erweist sich hier auf angenehme Weise eher als Frau fürs Derbe. Die Dialoge und der Wortwitz sind aber nur das eine. Zum anderen funktioniert der Film auch prächtig, weil sich die Hauptdarsteller nicht krampfhaft bemühen, um die Zuschauergunst zu buhlen. Sie lassen Figuren ihre Ecken, Kanten, Schwächen und unsympathischen Charakterzüge. Und trotzdem stimmt die Chemie zwischen den beiden. Dabei tragen nicht nur Julie Delpy und der vielen als Jimmy aus der TV-Serie „Friends“ bekannte Adam Goldberg (Zodiac, Déjà Vu) zum Gelingen des Films bei. Auch die Nebenrollen, voran Delpys leibliche Eltern Albert Delpy und Marie Pillet, die auch im Film ihre Eltern spielen, machen ihre Sache gut. Zur Besetzung gibt Delpy freimütig zu, dass sie einen Film mit Freunden und Bekannten gedreht habe. „I always dreamed of directing my parents“, scherzte sie auf der Pressekonferenz.

    Nachdem es lange Zeit so ausgesehen hat, als würde Julie Delpy mit „2 Tage Paris“ ein glatter Durchmarsch gelingen, verzettelt sie sich leider gegen Ende doch ein wenig, so, als hätte sie nicht gewusst, wie sie ihre Geschichte zum Abschluss bringen soll. Der Höhepunkt des Konflikts zwischen Marion und Jack wirkt im Vergleich zum stellenweise schon genial zu nennenden restlichen Film, seltsam lasch und unausgereift. Auch der kleine Auftritt von Daniel Brühl (Die fetten Jahre sind vorbei, Ein Freund von mir) als selbsternannte Fee und Imbissketten-Terrorist kann in diesem Zusammenhang nicht überzeugen. Doch trotz der Schwächen im Ausklang – insgesamt ist der Film von Allroundtalent Julie Delpy ein starkes Stück geworden. Vor allem Freunde der bissigen Konversations-Komödie können hier bedenkenlos zugreifen. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, den Wortwitz des englisch-französisch-sprachigen Originals auch in die synchronisierte Fassung hinüberzuretten.
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