Dass die Story ja auf der wahren Geschichte des Bobby Sands beruht, macht das Ganze nochmal zusätzlich schmerzhaft. Michael Fassbender ist zu Beginn mit dem Rauschebart kaum zu erkennen und später maximal abgemagert auch fast nicht mehr. Selbst wenn Fassbender absolut großartig spielt, so reicht sein Method Acting aber meiner Meinung nach nicht an Christian Bales unübertroffener Performance in “The Machinist” heran. Auch macht es einem der Film nicht besonders leicht, die offensichtliche Dreiteilung der Geschehnisse wirkt etwas zu erzwungen und die seltsame Dialogszene in der Mitte hat mich komplett rausgerissen.
Nichtsdestotrotz bekommen wir einen mutmaßlich einigermaßen realistischen Einblick in die Zustände der berüchtigten H-Blocks in Long Kesh. Seine Entscheidung, sich zu Tode zu hungern, ist mindestens genauso schwer zu ertragen, wie die Haltung der damaligen Thatcher-Regierung, den Tod der Gefangenen billigend in Kauf zu nehmen. Der Film verzichtet aber zum Glück auf eine Moralisierung und Wertung, sondern bleibt (abgesehen von dem etwas merkwürdigen philosophischen Diskurs in der Mitte) die ganze Zeit sachlich und beschränkt sich auf die (erschreckend) nüchterne Darstellung der Geschehnisse. Somit fehlt auch die Einordnung in einen historischen Kontext, nachdem es zuletzt in der medialen Öffentlichkeit recht still um den Nordirlandkonflikt geworden ist, musste ich mich auch erst einmal wieder einlesen. Ein Akt, den vielleicht nicht jeder bereit ist, zu tun, somit bleibt der Film und die krassen Ereignisse am Ende dann doch etwas verloren stehen.
FAZIT: Harte Kost und in seiner Radikalität und Konsequenz absolut erschreckend. Eine Wertung oder eine politische Einordnung bleibt aus, der Zuschauer wird am Ende mit dem Gesehenen allein gelassen und muss sich seine eigenen Gedanken machen. Das kann Vor-, aber auch Nachteil sein, das hängt von der subjektiven Perzeption jedes einzelnen ab. Somit kann ich auch keine allgemeine Empfehlung aussprechen, aber sehenswert ist er allemal.