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    Reno 911!: Miami
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Reno 911!: Miami
    Von Jürgen Armbruster
    Der deutsche Schriftsteller Otto Julius Bierbaum hatte vollkommen recht: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wichtigster Bestandteil dieser zum Sprichwort gewordenen Formulierung ist das unscheinbare Wörtchen „trotzdem“. Humor ist eben nicht universell, sondern beispielsweise auch ein kulturelles Phänomen. Dies ist auch die Erklärung dafür, warum manche Unterhaltungsformate in Amerika funktionieren, bei uns in Deutschland jedoch nicht. Ein exzellentes Beispiel hierfür ist „Reno 911“. Dieses Comedy-Format, das sich selbst als Satire auf die Reality Show „Cops“ versteht, läuft in den USA in der mittlerweile fünften Staffel überaus erfolgreich. In Deutschland kräht danach jedoch kein Hahn (selbst Kabel 1 setzte die Show nach nur einer Staffel ab). Es verwundert also kaum, dass „Reno 911!: Miami“, der erste Kino-Ableger der Serie, bei uns direkt auf DVD veröffentlicht wurde und nie das Licht der großen Leinwand erblickt hat.

    „Ich bin Polizistin geworden, weil mein Arzt wollte, dass ich mehr an die frische Luft komme“, gesteht Deputy Trudy Wiegel (Kerri Kenney-Silver). Damit ist sie im Polizei-Team des stockschwulen Lieutenant Jim Dangle (Thomas Lennon), das einem Auffangbecken für gescheiterte Gesetzeshüter gleicht, genau richtig aufgehoben. Gott sei’s gedankt, dass diese Chaos-Truppe nur über Recht und Unrecht in der verschlafenen (und fiktiven) Kleinstadt Reno zu sorgen hat. Dies ändert sich, als nach einem Anschlag mit biologischen Waffen auf einen Polizei-Kongress in Miami alle „echten“ Polizisten unter Quarantäne gestellt werden. Die große Stunde für das Team aus Reno scheint zu schlagen, doch selbstverständlich sind Dangle, Wiegel & Co. mit dieser Situation vollkommen überfordert…

    Die TV-Show „Reno 911“ ist dafür bekannt, dass so etwas wie ein Drehbuch häufig nur in Grundzügen existiert und verstärkt auf Improvisation gesetzt wird. Mit dieser Tradition wird nun beim Leinwand-Ausflug radikal gebrochen – und damit wären wir bereits beim großen Problem angelangt, an dem „Reno 911!: Miami“ krankt: Während am Dokumentar-Stil der Show festgehalten wurde, müssen die Charaktere nun so etwas wie einer Handlung folgen, die sich aus kruden Versatzstücken zusammen setzt. Damit kommt man nicht darum herum, die große Sinnfrage zu stellen. Denn durch diesen Umstand beraubt sich die Kino-Adaption des wohl wesentlichsten Merkmals der Serie. Heraus gekommen ist dabei eine abstruse Mischung aus „Police Academy“, „Jackass“ und „Stromberg“ (bzw. „The Office“), die so ganz und gar nicht zu überzeugen weiß. Nonsense ohne jede Bedeutung oder gar hallervordenschen Größe.

    Zugegeben: Das Konzept hinter „Reno 911!: Miami“ und insbesondere der Dokumentar-Stil lassen einen kurz aufhorchen. Doch dieser Hauch von Faszination ist schnell verflogen. Um das Serien-Format auf Leinwand-taugliche 84 Minuten aufzublähen, ist den Machern um Regisseur Robert Ben Garant und den Drehbuchautoren Thomas Lennon und Kerri Kenney offensichtlich nicht mehr eingefallen, als die Klaviatur des Fäkal-Humors hoch und runter zu spielen. Die traurigen Highlights sind die Notsprengung eines gestrandeten Wals am FKK-Strand und eine in den Schamhaaren verhedderte Armbanduhr. Lustig ist das alles nicht. Stattdessen lässt einen „Reno 911!: Miami“ immer wieder ungläubig mit dem Kopf schütteln. Auch die diversen prominenten Gaststars wie Paul Rudd (Jungfrau (40), männlich, sucht..., Beim ersten Mal), Dwayne „The Rock“ Johnson (Be Cool, Doom) und Patton Oswalt (der Spence Olchin aus „King Of Queens“) können bei all dem Humbug die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen.

    Und dennoch ist da etwas an „Reno 911!: Miami“, das einen irgendwie davon abhält, den Film dann doch nicht bis zum Ende anzuschauen und die DVD ihrer gerechten Bestimmung als Kaffeetassen-Untersetzer zuzuführen. Es ist keineswegs Unterhaltung oder gar Humor, sondern das „Jackass“-Phänomen. Man möchte einfach sehen, was den Machern noch alles an Unsinn eingefallen ist und wie viel Schwachsinn sich in einem einzigen Film packen lässt. Und außerdem darf man sich hinterher selbst auf die Schultern klopfen, weil man das alles wirklich bis zum Ende durchgestanden hat.
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