Robert Rodriguez zwischen Zombie-Spaß und Sexismus...
Robert Rodriguez und Quentin Tarantino verbindet eine lange Freundschaft. Mit ihrem gemeinsamen Horror-Klassiker „From Dusk Till Dawn“ (1996) startete für beide eine erfolgreiche Karriere. Doch 2007 führte sie die Kinogeschichte wieder zusammen mit ihrem Projekt Grindhouse. Ein Double-Feature, bei dem zwei Filme nacheinander gezeigt wurden. Ein Format, welches nach den 30ern und 40ern nach und nach ausstarb, doch Tarantino und Rodirguez wollten diese Kino-Tradition wieder aufleben lassen, ebenso wie das Genre der B-Movies. Während Tarantino mit „Death Proof“ einen deutlich ernsteren Action-Film präsentierte, zeigte Rodriguez eine Gore-Komödie mit Zombies und Rindfleisch: „Planet Terror“. Das Experiment war jedoch nur mäßig erfolgreich und floppte an den Kinokassen. Doch seit dem Release wurden beide Filme bei Fans zu Kultklassikern, ebenso wie die Fake-Trailer, die von anderen Regisseuren wie Edgar Wright oder Eli Roth gedreht wurden. Mittlerweile sind jedoch fast 20 Jahre ins Land gezogen. Während „Death Proof“ recht gut gealtert ist, zeigt sich „Planet Terror“ nicht von seiner besten Seite…
An der mexikanischen Grenze bricht eine Zombie-Epidemie aus. Der Grund: Ein dubioses, grünes Gas wird frei gesetzt und macht aus lebenden Menschen, untote, eitrige Monster. Inmitten des ganzen Chaos treffen eine Gogo-Tänzerin, ein Barbecue-Spezialist, ein Cop, eine gelähmte Ärztin und ein mysteriöser Ex-Knacki aufeinander und versuchen der Hölle zu entkommen…
Von der ersten Sekunde an ist klar, was „Planet Terror“ ist: Eine aufwendige und leidenschaftliche Hommage an alte Exploitation-Filme. Der Film nimmt sich nie ernst, ist oftmals sogar dermaßen over the top, dass es schon albern wird. Das macht aber oftmals auch sehr viel Spaß und selbst die schlechten Dialoge machen dieses Ereignis irgendwie rund. Hinzu kommt ein künstlicher, aber passender Old School Vintage-Look mit richtig schicken und guten Effekten, Stunts und Gore-Momenten. Und der fetzige, verruchte Score von Rodriguez selbst ist einer meiner Lieblings-Soundtracks des Jahres.
Klingt alles ganz solide und unterhaltsam, aber aus heutiger Sicht ist „Planet Terror“ nicht gut gealtert. Dass der Film dabei stolz von der Weinstein Company produziert wurde, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs… Der ganze Streifen strotzt nur so vor konservativem Sexismus und hohlem Macho-Gehabe. Die weiblichen Figuren werden manipuliert und übermäßig sexualisiert, während das fragile, aggressive Männerbild der 80er und 90er regelrecht zelebriert wird. Gerade Freddy Rodriguez´ Figur (El Wray) und Jeff Faheys . sind ein Paradebeispiel für den absurd, lächerlichen Versuch das Ganze cool wirken zu lassen. Damals als Jugendlicher fand ich das Alles auch sehr cool, aber als Erwachsener, halbwegs reifer Mensch wirkt „Planet Terror“ doch unfassbar pubertär und hohl. Und ja, mir ist klar, dass Rodriguez seinen Film absichtlich mit B-Movie-Qualitäten ausstattete, doch da merkt man schnell, dass Tarantino das deutlich besser kann mit Filmen wie „Kill Bill“. Rodriguez kann seine Filme gut produzieren und drehen, aber er braucht deutlich bessere Autor*innen als ihn selbst. Zudem scheint der Film Tiere leidenschaftlich zu hassen, was ich persönlich extrem uncool finde. Während Tarantino seinen Fußfetisch in seine Filme einbaut, ist es hier bei Rodriguez ein Faible für frisches Tierfleisch. Das ist sogar noch ekliger als die ganzen Zombie-Matsch-Effekte.
Ein paar Worte noch zum Release: In Deutschland war der Film von 2008 bis 2019 indiziert, was schon sehr lachhaft ist, bedenkt man, was für Filme in dem Genre in der Zeit uncut erschienen sind… Also, wer den Streifen ungekürzt sehen will, kann das wieder tun, muss aber auf den Untertitel „Uncut“ achten. Zudem gibt es seit 2026 eine zweite Neusynchronisation (warum auch immer)...
Fazit: „Planet Terror“ hat Unterhaltungswert mit blutiger Action, herrlich überzeichneten Momenten und einem tollen Soundtrack. Doch unter dem ganzen Zombie-Splatter schlummert eine zutiefst konservative und sexistische Ader, die aus heutiger Sicht sehr unangenehm ist. Serh schade, denn Rodriguez hat eigentlich das Zeug ganz gute und kurzweilige Actionfilme zu drehen. Wer etwas mehr Substanz und nicht Rodriguez´ Namen verzichten möchte, sollte lieber „Sin City“ schauen, da sind diese Elemente zwar auch vorhanden, aber das Gesamtpaket ist deutlich stimmiger.