Schöne, zeitgemäße Aufarbeitung. Und ein schöner Kniff, die ganze Geschichte aus der Opferperspektive laufen zu lassen, als - wie es die literarische Vorlage ja tut - aus der Täterperspektive. Damit das alles funktioniert, braucht man aber natürlich 1. ein starkes Drehbuch mit dichter Atmosphäre und 2. einen charismatischen Schauspieler, der das alles emotional für und mit uns durchlebt.
Zum Drehbuch: Das ist an sich nichtt schlecht, aber der Film ist einfach zu lang. So eine Geschichte turn mehr, wenn sie "quick and dirty" ist, als so episch auf 2 Stunden ausgewalzt. Dadurch schleichen sich in der zweiten Hälfte - dann wenn der Film weg vom Suspense-Thriller zum Horror-Actioner mutiert - doch erhebliche Längen ein, die eher nerven als nützlich sind. Es wäre günstiger gewesen, den Film weiter als Mystery-Thriller zun inszenieren, wie er es sehr gut in der ersten Hälfte ja tut.
Zur schauspielerischen Performance: Elisabeth Moss ist sichtlich bemüht und hat ja auch (zumindest im Serienbereich) schon Preise eingeheimst, in diese Rolle hier will sie aber nicht so richt reinpassen. Sie hat den ganzen Film über eigentlich nur zwei Gesichtsaudrücke, einen davon (erschreckt/besorgt) trägt sie 85% der Zeit ohne wesentliche Variation. Dadurch wird ihr Spiel dann auch etwas lahm, ja fast langweilig, ich konnte zu keinem Zeitpunkt mit ihr relaten. Dadurch, dass sie auch - vor allem am Anfang - gerne mal hysterisch überspannt reagier, wird sie als Charakter auch eher unsympathisch. Da fällt dann auch auf, dass ihre schauspielerischen Fähigkeiten dann doch etwas begrenzt sind.
Dann sind noch die Effekte zu beurteilen: In der ersten Hälfte sieht das alles ziemlich gut aus, wenn der Unsichtbare ja auch nur angedeutet wird und nie so richtig zu sehen ist. Als er sich dann sozusagen offenbart, wird es etwas komisch. Der Kampf . in der Küche ist zwar höchst dramatisch inszeniert (quasi als One-Cut), aber wie die gute Elisabeth Moss da mit der Luft kaämpft und rumzappelt, das sieht eher lächerlich aus und erinnert an die alten 80er Jahre-Klamauk-Filme. Auch später sieht das alles nicht so wirklich gut aus, sondern manchmal ein nisschen peinlich.
Achja, zum Schluss muss man auch noch mal erwähnen, dass sich der Film von vornherein selbst schon gleich mal etwas Wucht und Dynamik nimmt, nämlich indem der Twist im Titel schon gespoilert wird. Somit ist von Anfang an klar, dass ihr Mann es ist, der hinter ihr her ist. Cooler wär es gewesen, wenn das länger im Unklaren geblieben wäre und erst im Laufe des Films heruasgekommen wäre. Da hat man ordentlich eine Chance verpasst. Aber somit ist dann auch klar, dass es Regisseur Leigh Whannell (der auch das Drehbuch geschrieben hat!!) eben gerade nicht um Suspense geht, sondern er seinen Film von Beginn an gleich in eine andere Richtung lenken will. Schade.
FAZIT: Aufregende Story mit einer sichtlich bemühten Protagonistin. Der Film scheitert am Ende jedoch an einem zu langen, langatmigen Drehbuch, schwachen Effekten und auch an einer überforderten Schauspielerin, die nicht in der Lage ist, uns als Zuschauer emotional zu erreichen. Insgesamt ganz unterhaltsam, aber sicher kein Film für die Samnmlung.