Der kleinste Held der Welt… mit toller Action und schwachem Drehbuch!
Die zweite Phase des Marvel Cinemtaic Universe (MCU) ging 2015 mit dem zweiten Avegers-Film („Age of Ultron“) eher nüchtern zu Ende. Während „Guardians of the Galaxy“ und „Captain America 2“ die Fans begeisterten, enttäuschten fast alle anderen Filme der Phase, auch der zweite „Avengers“ konnte nicht so wirklich überzeugen. Der offizielle Abschluss der Phase sollte jedoch der Film „Ant-Man“ sein. Schon ironisch, dass nach dem wohl bis dato größten MCU-Film („Age of Ultron“) ein Film zum kleinsten Helden der Marvel-Welt erscheint und die zweite Phase beendet. Ergibt für mich wenig Sinn, aber was soll´s? 2015, im selben Jahr von „Ultron“, brachte Peyton Reed also „Ant-Man“ in die Kinos. Ursprünglich war ja Edgar Wright („Shaun of the Dead“) für den Film zuständig, weswegen viele Fans so gespannt auf den Film waren. Wright verließ jedoch das Projekt (aufgrund kreativer Differenzen…), hatte jedoch zumindest noch Credits als Drehbuchautor. Nichtsdestotrotz ist Ant-Mans Fähigkeit auf Ameisengröße zu schrumpfen eine wunderbare Idee für einen ganz besonderen und kreativen Superhelden. Und stellenweise ist der Film auch genau das, was ich mir gewünscht habe: „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ mit mehr Action. Auf der anderen Seite jedoch ist „Ant-Man“ sehr enttäuschend und erschreckend plump in seiner Gewöhnlichkeit…
Doktor Pym hat es geschafft Menschen auf Ameisen-Größe schrumpfen zu lassen und deren Kräfte dadurch zu vervielfachen. Als jedoch große Investoren und diverse andere zwielichtige Gestalten davon Wind bekommen, wollen sie diese Technologie natürlich nutzen, um eine neue Waffe zu kreieren: Winzige Supersoldaten. Einer dieser Leute ist Darren Cross, ein ehemaliger Mitarbeiter von Hank Pym. Als Darren kurz vor der Vollendung seines ersten Prototyps steht, will Hank dem entgegen kommen und zwar mit seiner eigenen Idee des Supersoldaten: Ant-Man.
Ich habe kein Problem mit simplen Storys, um einen MCU-Film zu füttern. Bei „Guardians“ hat das auch funktioniert. Doch wenn man sich dazu entscheidet, dann sollte man auch mit den Klischees auf kreative Art umgehen. Marvel hat leider immer wieder ein Problem damit in ausgelutschte Klischees zu verfallen. Sicherlich um somit niemandem auf die Füße treten zu müssen, denn je sicherer die Grundstory, desto mehr Leuten wird es gefallen, so die Idee der gierigen Studios. Aber nein. „Ant-Man“ konnte überzeugen, war aber dennoch kein bahnbrechender Hit. Und warum? Weil die Geschichte einfach nicht mitreißen kann. Scott ist ein lustiger Protagonist, aber mittlerweile ähnelt er zu vielen anderen Helden, wie Starlord oder auch Iron Man. Das liegt sicherlich auch am typischen MCU-Humor, der sich 2015 bereits fest in allen Filmen verankert hatte. Die restlichen Charaktere sind fast durchweg langweilig. Scotts Kollege Luis sorgt für einige witzige Momente, aber vor allem die dramatischen Szenen mit Hank und seiner Tochter Hope haben mich unfassbar kalt gelassen. Mehr noch: Sie waren unfreiwillig komisch an manchen Stellen. Die MCU-Filme sind allesamt auf ihre Art vollkommen albern, aber bisher konnten Kevin Feige und sein Team selbst die dusseligsten Helden cool wirken lassen. Bei „Ant-Man“ fing ich zum ersten Mal an zu merken, wie dämlich das ganze Konzept doch irgendwie ist. Ein älterer Michael Douglas, der mit Ameisen spricht und seiner Tochter nicht erlaubt einen Ameisen-Anzug anzuziehen? Das klingt nicht nur bescheuert, es ist auch bescheuert.
Dennoch hat der Film viele tolle und obercoole Momente, besonders die Action überzeugt. Wenn Scott schrumpft und als Ant-Man gegen oder mit Ameisen kämpft, ist das visuell wirklich beeindruckend. Für mich hat „Ant-Man“ auch einige der besten Special Effects, die das MCU bis dato abgeliefert hat. Auch der Score von Christophe Beck rockt, vor allem das großartige Hauptthema.
Der Cast macht ebenfalls eine gute Sache, allen voran Paul Rudd, der viel Spaß in seiner Rolle hat. Auch Michael Peña liefert ab und ist für viele sicherlich der heimliche Star des Films. Nur die (damals) kleine Abby Ryder Fortson als Cassie (Tochter von Scott) ist zwar putzig, aber überhaupt nicht glaubwürdig...
Fazit: „Ant-Man“ hat so viel Potential, lässt es aber immer wieder ungenutzt rumliegen. Während die Actionszenen unterhalten und Spaß machen, sind die ernsteren Momente erschreckend blutleer und vollkommen substanzlos. Zum Glück sollten Ant-Mans spätere Auftritte deutlich besser werden...