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    Phobidilia
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Phobidilia
    Von Björn Helbig

    Einen spannenden Einfall hatten die beiden israelischen Regisseure Doron Paz und Yoav Paz für ihr Debüt: Ein junger Mann schließt sich in sein Apartment ein und damit die Außenwelt aus. Leider wollen die beiden Filmemachern zu viele der Möglichkeiten, die ihnen ihre Ausgangsidee eröffnet, in ihrem Drama unterbringen und dabei verlieren sie sein starkes Zentrum mehr und mehr aus den Augen. So ist „Phobidilia“ letztlich ein interessanter, aber uneinheitlicher Film, in dem vielversprechende Ansätze eines individuellen Porträts neben einer schematischen und grob vereinfachenden Gesellschaftsanalyse stehen.

    Nach einem emotionalen Zusammenbruch entscheidet sich der junge Mann (Ofer Shechter), sein Apartment nicht mehr zu verlassen. Seine Arbeit als Programmierer kann er bequem von zu Hause aus erledigen, Essen und Trinken lässt er sich liefern, zur Unterhaltung reicht ihm sein Fernseher, Sex kauft er sich online. Seine selbstgewählte Isolation gerät allerdings in Gefahr, als ihm Mr. Grumps (Shlomo Bar-Shavi), der Verwalter des Anwesens eröffnet, dass die Wohnung verkauft werden soll. Außerdem bringt die junge Daniela (Efrat Boimold), die sich plötzlich in das Apartment drängt, das Weltbild des Einzelgängers ganz schön durcheinander.

    Der Film beginnt stark: Der namenlose junge Mann sitzt in seiner zugemüllten Wohnung, dazu ist aus dem Off seine abgeklärte Stimme zu hören. Geschickt wird mit diesem Anfang die Neugier auf die Gründe für diesen Zustand geweckt. Auch die folgende halbe Stunde ist ungemein witzig und einfallsreich. Das ist vor allem auch dem jungen Schauspieler Ofer Shechter zu verdanken, der den Protagonisten trotz seiner offenkundigen Verschrobenheit wohltuend selbstsicher und so gar nicht wie ein Opfer seiner psychischen Macken wirken lässt. Als erst Grumps und dann Daniela seine Isolation bedrohen, vermittelt der Darsteller auch die durch den Druck von außen verursachten Risse in seinem selbsterschaffenen Kokon überzeugend.

    Die Filmemacher nutzen ihre Grundidee – ein Vertreter der Internet-Generation, bunkert sich in der virtuellen Welt ein und schließt den „realen“ Alltag aus – zu einigem mehr als nur zu oberflächlicher Medienkritik. Besonders auf der individuellen Ebene besitzt „Phobidilia“ eine beachtliche Dichte, mit Sinn für Details wird ein alternativer Lebensstil präsentiert und zugleich ein Reifeprozess angedeutet. Doch leider soll „Phobidila“ nach dem Willen der Regisseure mehr sein als eine Erzählung über einen Mann und seine Ticks. Im Verlauf ihres Films setzen Doron Paz und Yoav Paz den Schwerpunkt immer mehr auf eine eher diffuse Gesellschaftskritik, indem sie das zunächst anhand des individuellen Einzelfalls durchaus schlüssig illustrierte Phänomen des Cocooning einfach auch ihrem Heimatland Israel als Ganzes unterstellen. Diese Parallelisierung erweist sich als sehr problematisch und insgesamt wird die eigentliche Geschichte dadurch eher verwässert als vertieft. Je mehr der Protagonist zum bloßen Beispiel eines gesellschaftlichen Zustands und von einer Person zu einem Symbol wird, desto weiter entfernt er sich vom Zuschauer.

    Fazit: Obwohl die starken Ansätze seiner Geschichte nicht voll ausgespielt werden, profitiert „Phobidilia“ von einer sehr interessanten Prämisse. Mit seinen starken Darstellern und seiner guten Inszenierung ist das Drama nicht nur für die Freunde des israelischen Kinos durchaus eine Entdeckung wert.

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