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3,0
Veröffentlicht am 14. Juli 2026
„Hinter dem Horizont“ spricht mich als Kunstfan vor allem auf der visuellen Ebene an. Die Idee, das Jenseits als praktisch begehbares Gemälde zu zeigen, bei dem die Farbe noch nicht getrocknet ist und somit noch gestaltet werden kann, ist schlichtweg genial. Und vor allem in der ersten Filmhälfte sind die Bildwelten ganz klar von den französischen Impressionisten (meine Lieblingskunstepoche) beeinflusst, es gibt aber auch Einflüsse der Romantiker, etwa das Bild das Chris‘ Frau gemalt hat, ist eine unzweideutige Hommage an Caspar David Friedrich. Die Tonart der Bilder wechselt jedoch im Verlauf und wird zunehmend finsterer und dunkler, auch hier sind die Verweise auf Gustave Dorés Illustrationen von Dantes „Göttliche Komödie“ unverkennbar.
Also auf visueller Ebene ist der Film absolut beeindruckend und in jedem Fall allein schon deswegen sehenswert! Gestört habe ich mich eher an der inhaltlichen Aussage. Zunächst mal ist die Geschichte doch immerhin nachvollziehbar, wenn auch nicht besonders originell. Chris ist auf der Suche nach seiner Frau, der offenbar als Suizidantin der Übergang ins schöne Jenseits (mit den impressionistischen Gemälden) verwehrt wird. Und da geht es dann auch schon los: Die Vorstellung, dass „Selbstmörder“ automatisch in der Hölle müssen, ist ein uraltes, streng katholisches Dogma. Und überhaupt, die Vorstellung des „Himmels“ als paradiesisch schöner Ort, der von Engeln bevölkert wird, gegenüber der „Hölle“ als finsterer, einsamer und dunkler Ort, an dem selbst die Hoffnung verloren ist, ist doch sehr stark durch unsere christliche Religionslehre geprägt. Diese Herangehensweise, die der Film hier wählt, bietet wenig Raum für einen Zugang außerhalb des streng religiösen Kontexts. Und dass sich die Seele erst durch „Prüfungen“ des Leids beweisen muss, erinnert ja geradezu an ein mittelalterliches Verständnis von Glauben. Das hat mir als Atheist den Zugang zum Film schon erheblich erschwert.
Und dann ist da noch diese wirklich schon sehr betont melodramatisch-kitschige Inszenierung, bei der es Regisseur Vincent Ward ein ums andere Mal ganz schön übertreibt. Besonders auffällig wird das im direkten Vergleich mit der Buchvorlage, hier sterben nämlich Chris‘ Kinder gar nichts, sondern sind erwachsen und leben ein ganz normales Leben, während er im Jenseits seine Frau sucht. Durch den Tod auch der Kinder wird hier im Film eine zusätzliche Ebene voller Tragik und Melodramatik eingebaut, die eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre. Das fühlt sich dann schon etwas manipulativ an, indem Ward diese eigentlich einfache Geschichte als gewaltiges Familiendrama auswalzt. Zudem geht es im Buch nicht so aggressiv um religiöse Symbolik und religiös aufgeladene Themen, sondern vielmehr um eine spirituelle Erfahrung, so im Sinne von „der Geist formt die Realität“. Diesen christlich-religiösen Subtext hat erst Regisseur Vincent Ward eingebracht.
Nichtsdestotrotz ist hier natürlich Robin Williams voll in seinem Element und wenn jemand die Herzen der Zuschauer erreichen kann – ob jetzt mit oder ohne religiösem Subtext – dann doch er. Und so spielt er seinen Chris eben auch als freundlichen, herzenswarmen Menschen, der vom Schicksal ein wenig zu sehr gebeutelt wurde. Seine Reise durch die jenseitige Welt ist abenteuerlich und aufregend, er begegnet einigen Weggefährten, . Cuba Gooding jr. und Max von Sydow. Allein der Schluss ist dann doch eindeutig wieder zu viel des guten, hier kommt Ward nochmal mit der vollen, gnadenlosen Kitsch-Kelle, dass es fast schon wehtut. Ein bisschen weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. Dennoch bleibt „Hinter dem Horizont“ letztlich wegen seiner opulenten visuellen Schauwerte sehenswert.
Da die Bildgewalt heute nicht mehr so stark überzeugen mag, bleibt von dem Film dann soviel auch nicht mehr übrig. Eine tragische Hintergrundgeschichte, eine etwas zu kitschige Liebesgeschichte und eine ziemlich bizarre Jenseitsvorstellung. Teile von dem Film sind gut und einige Bilder mögen sich noch immer in den Kopf brennen, aber so richtig mitnehmen konnte mich der Film nicht. Außer vielleicht ein bisschen Rührung über die vermeintliche heile Welt der 90iger Jahre.
Wer diesen Film sieht darf sich auch ne Packung Taschentücher dazulegen denn hier wird ordentlich dafür gesorgt dass Tränen fließen egal ob mit Trauer oder durch Freude. Ein bildgewaltiges Drama dass durch eine exzellente Schauspielerleistung der Hauptdarsteller perfekt wird. Dieser Film hat alles verdient was er bekommen hat. Wärmstens zu empfehlen!
Ich erinnere mich noch deutlich an die Kinoplakate von 'Hinter dem Horizont' als der Film anlief 1998. Irgendwie ist mir das Bild von Robin Williams in mitten eines gemalten Blumenmeers in Erinnerung geblieben, obwohl ich den Film damals nicht gesehen habe. Etwa 12 Jahre später, habe ich ihn eher zufällig auf DVD gekauft. Meine Intuition gab mir Recht. 'What dreams may come' ist ein wahrlich unvergesslicher Film.
Wohin geht die menschliche Seele, wenn der Körper stirbt? Diese Frage mit einem Film zu beantwortem kann fast nur in eine kitschiges, oder philosphisches d.h langweiliges Machwerk ausarten? Weit gefehlt! Hinter der Horizont geht wie der Titel sagt über alle Grenzen hinweg, stellt Fragen, die man nicht in Worte formulieren kann, tranzdendiert alle denkbaren und undenkbaren Klischees. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Und dieser relativ unbekannte Film hat eine der ergreifendsten und gleichzeitig visuell beeindruckendsten Bilder der Kinogeschichte gefunden.