Solides Finale der Eiscreme-Trilogie, welches wie ein guter Wein reift!
Verwirrungen in Bezug auf diesen Film sind normal: 2013 kamen zwei Filme mit dem Thema „Weltuntergang“ ins Kino. „This Is The End“ (im Deutschen „Das ist das Ende“) und „The World´s End“. Während der eine ein satirischer Film von Seth Rogen war, ist dies der Abschluss der berühmten Cornetto-Trilogie von Simon Pegg und Nick Frost, die mit dem wunderbaren „Shaun Of The Dead“ (2004) ihren Anfang nahm und mit dem durchgeknallten „Hot Fuzz“ (2007) weiter geführt wurde. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern, wurde „The World´s End“ jedoch nicht ganz so gut aufgenommen, sowohl von Kritikern als auch dem Publikum. Der Film gilt nach wie vor als gut, aber steht in keinem Vergleich zu den anderen beiden Werken. Dem würde ich auch noch zustimmen, allerdings hat sich meine Sicht auf „The World´s End“ nochmal geändert… und zwar zum Positiven. Als ich den Film damals sah, war ich doch recht enttäuscht, weil mich das Ganze an eine schwächere Version von „Shaun“ erinnert hat. Doch schaut man genauer hin, findet man einige spannende Aspekte, die man selbst vielleicht erst mit dem Alter wirklich versteht.
Gary King und seine Kumpels wollten in ihrer Heimat die „goldene Meile“ schaffen, was so viel heißt wie alle 12 Kneipen im Dorf abzuhaken. In ihrer Jugend scheitert der Plan leider, doch Gary will den Traum der Meile nicht aufgeben und scharrt seine Kumpels wieder um sich… Nach 20 Jahren! Doch im Gegensatz zu Gary, haben sich seine Freunde weiter entwickelt, haben Frau und Kinder, einen anständigen Job usw. Doch das wird nicht das einzige Problem sein, vor dem Gary bald stehen wird…
Wer „The World´s End“ noch nicht kennt, sollte nicht zu viel über den Plot lesen. Es sei nur so viel gesagt, dass es auch hier wieder ein übernatürliches Element gibt.
Der Film von Edgar Wright und Simon Pegg (welcher das Drehbuch mitschrieb) wirkt gleich von Beginn an sehr persönlich, gerade für Pegg. Dabei geht es um deutlich mehr als nur ums Saufen. Die Figuren haben teils echte und traumatische Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, besonders Gary. Das Ganze wird natürlich mit dem gewohnten Cornetto-Humor erzählt und der Witz ist nicht selten extrem schwarz. Das alles ist auch sehr gut gemacht, wenn auch nie so bissig und grandios wie in „Shaun of the Dead“. Und die Parallelen zu „Shaun“ sind nicht verkennbar, besonders der übernatürliche Aspekt des Films und einige Actionmomente erinnern an den Zombie-Streifen von 2004.
Und dennoch behandelt „The World´s End“ einige andere Themen, wie zum Beispiel Freiheit, Unabhängigkeit, Verantwortung und das unabwendbare Älterwerden. Ich finde es dahingehend auch großartig, dass der Film diese Prinzipien nie über Bord wirft und daraus am Ende einen Witz auf Kosten der Vernunft macht. Die Message hinter „The World´s End“ ist eine durchaus positive und wohltuende! Aber auch hier gelingt dem Film das Ganze nicht so gut, wie seinem Vorgänger „Shaun“, der in seiner Aussage vielleicht simpler gestrickt, aber dennoch kraftvoller umgesetzt war.
Was „The World´s End“ aber definitiv richtig macht, ist der abermals starke Cast. Pegg und sein Kumpel Nick Frost sind wie immer das Herz der Geschichte. Dazu gesellen sich aber auch Martin Freeman, Paddy Considine, Rosamudn Pike, Pierce Brosnan, Eddie Marsen und David Bradley. Und der Spaß der Crew überträgt sich auch auf den Zuschauer.
Ebenfalls stark, sind die vielen Actionszenen, die mit eindrucksvollen Choreos und digital, zusammengebastelten One Takes (Kameraeinstellungen ohne Schnitt) umgesetzt wurden. Auch der Score von Steven Price und die Songauswahl überzeugen.
Fazit: „The World´s End“ ist ein solide Abschluss der „Three Flavours Cornetto Trilogy“ mit sympathischen Figuren, toller Action und teils sehr interessanten Konzepten. Dem Ganzen fehlt am Ende nur der Biss, den eben „Shaun of the Dead“, aber auch „Hot Fuzz“ gehabt haben. Dennoch gibt es viele schöne Momente hier, die ich vor allem erst mit einem späteren Alter nachvollziehen kann. Deswegen empfehle ich allen Fans der Cornetto-Trilogie diesem Film nochmal eine Chance zu geben!