Der holprige Start in eine weit, weit entfernten Galaxis...
George Lucas hatte während seiner Arbeit an der alten „Star Wars“-Saga immer wieder die Idee einer Geschichte zum mysteriösen Bösewicht Darth Vader im Sinn. Im Laufe der Zeit verlor er jedoch das Interesse an dem Projekt und gewann es einige Jahre später wieder. Schließlich
sollte am Ende (16 Jahre nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“) Vaders Story doch endlich erzählt werden und die Filmlandschaft aufs Neue prägen...
Als 1999 ein neuer „Star Wars“-Film in die Kinos kam, war der Ansturm enorm. Fans der Original-Trilogie stürmten in die Kinos und brachten den Umsatz auf über 900 Millionen Dollar. Damit wurde Episode I („Die dunkle Bedrohung“) schnell zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Jedoch war das Feedback von Kritikern und Zuschauern eher gemischt bis negativ. Viele empfanden den Film als langweilig und fad, es fehlte die Magie der alten Filme. Sehr interessant auch die mittlerweile bekannte Entstehungsgeschichte des Films mit George Lucas, der bei der Produktion sehr überfordert wirkte...
Für mich war das alles jedoch nie ein Thema. Ich wuchs mit den drei Prequel-Filmen (Episode I-III) auf und als Kind betrachtet man ein filmisches Werk noch mal ganz anders. Seitdem sind fast 30 Jahre ins Land gezogen (Stand (2026) und „Star Wars“ ist heute an einem ganz anderen Platz als es damals war. George Lucas hatte eine Vision, die er mit Episode I umsetzte, während Disney (die Firma, die „Star Wars“ 2012 von Lucas abkaufte) das Franchise auf puren Profit und Fan-Service reduziert hat. Da ich Episode I seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, wollte ich die Original Skywalker-Reihe noch ein mal erleben, um zu sehen, wie sich der Film gehalten hat. Ist die Kritik an Jar Jar Binks berechtigt? Ist der politische Anteil wirklich so öde? Finden wir´s heraus!
Die Story beginnt auf dem Planeten Naboo, welcher von der Handelsföderation angegriffen wird. Die Droiden-Armee der Föderation will die Königin des Planeten, Prinzessin Amidala, gefangen nehmen, doch zwei Jedi-Ritter stehen ihr zur Seite. Als der kleine Naboo-Trupp flüchtet strandet das Schiff der Königin auf dem Wüstenplaneten Tatooine. Und so treffen die Schicksale des Jedi-Ritters Qui-Gon Jin und dem kleinen Sklavenjungen Anakin Skywalker aufienander…
Und so beginnt (zumindest im „Star Wars“-Universum, nicht filmisch gesehen) eine mittlerweile legendäre Geschichte eines der populärsten Bösewichts überhaupt.
Zunächst einmal muss ich die technischen Aspekte ansprechen, denn die sind aus heutiger Sicht immer noch sehr gut: Während einige CGI-Effekte eher schlecht gealtert sind (siehe Jar Jar Binks und viele andere komplett animierte Figuren), sehen einige der Raumschiffe, Planeten und Städte hier immer noch großartig aus. Ich mag besonders die neuen Designs der neuen Schiffe oder der Droiden. Alles wirkt eleganter und edler, was sehr gut zur Story passt.
Vor allem die Action ist eine der größten Verbesserungen zu den alten Filmen. Zum ersten Mal waren die Weltraumschlachten wirklich dynamisch und mitreißend inszeniert. Hier war die CGI-Arbeit von ILM (Industrial Light & Magic) wirklich goldrichtig. Was Epsiode I jedoch am meisten von den alten Filmen unterschied, waren die atemberaubenden Lichtschwertkämpfe, unter der Choreografie von Nick Gillard. Besonders der Antagonist Darth Maul (gespielt vom Stuntman Ray Park) verlieh dem Franchise eine Gefährlichkeit und Schnelligkeit, die die Fantasie der Fans auf der ganzen Welt beflügelte. Und auch ich sah mir den epischen Showdown am Ende immer wieder an. Bis heute ist der Kampf von Qui-Gon und Obi Wan gegen Darth Maul einer der besten in der gesamten Reihe und hatte mich und meine Freunde dazu inspiriert selber aus Stöcken Lichtschwerter zu bauen und gegeneinander zu kämpfen.
Und ohne Zweifel muss auch John Williams und sein fantastischer Score hervorgehoben werden: Er kehrte zurück zu seinem Flaggschiff und komponierte einige großartige neue Themen, allen voran das legendäre „Duel of the Fates“! Seine Musik haucht vielen Szenen erst das nötige Leben ein, kreiert Tempo, Spannung, Emotionen und gibt der rauen Weltraumwelt von „Star Wars“ eine Seele.
Richten wir unseren Blick nun auf die Story, wird es schon schwieriger mit den Lobpreisungen: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der wilde, abenteuerliche Stil der alten Trilogie hier nicht in voller Gänze zu finden ist. Einerseits finde ich es nach wie vor gut, dass sich die Prequels stilistisch von der alten Trilogie absetzen, auf der anderen Seite war die Entscheidung das Ganze so politisch aufzublähen vielleicht nicht der beste Weg, um eine neue Geschichte zu starten… Hinzu kommt eine wirklich trockene und hölzerne Performance vieler Darsteller*innen, die nur selten echte Emotionen zulassen. Im krassen Kontrast dazu steht der teils peinliche Humor des Films, der einfach nicht wirklich zündet. Stellvertretend dafür steht natürlich Jar Jar Binks, der „Liebling“ aller Fans. Ja, Jar Jar ist keine gute Figur und ich nehme ihn eigentlich nur in Schutz, da ich noch ein paar nostalgische Gefühle für diesen Film habe. Aber seine Präsenz ist schon anstrengend, da er für unnötigen Slapstick in der Story verantwortlich ist. Mag sein, dass Babys darüber lachen, aber das hatten die alten Filme nie nötig und trotzdem waren Kinder von „Star Wars“ fasziniert. Und so kam es, dass Binks in den späteren Filmen kaum noch eine Rolle spielte, obwohl Lucas große Pläne mit ihm vor hatte (siehe die „Darth Jar Jar“-Theorie)…
Die Hauptfiguren können nur bedingt Abhilfe verschaffen. Liam Neeson als Qui-Gon ist ok und seine Figur an sich spannend, konnte mich aber nie wirklich begeistern. Dafür ist Ewan McGregor als Obi-Wan Kenobi eine der besten Figuren in den Prequels und wunderbar besetzt. Er versprüht eine authentische Prise von Witz und Ernsthaftigkeit, die die Figur in der alten Trilogie schon besaß. Natalie Portman als Amidala ist ebenfalls in Ordnung und immerhin eine der wenigen Frauen in diesen Filmen, die mehr als nur „optisches Beiwerk“ sind. Und dann ist da noch Jake Lloyd als Anakin Skywalker: In meinen Augen macht er seine Sache völlig in Ordnung. Klar, man hätte sicher jemand finden können, der besser in die Rolle passt (allein im selben Jahr begeisterte der junge Haley Joel Osment im tollen „The Sixth Sense“), aber Lloyd war insgesamt eine solide Wahl. Doch leider sahen das viele Fans nicht so… Nach dem Release von Episode I folgte ein Shitstorm der übelsten Sorte gegen Lloyd und auch gegen Ahmed Best, der Schauspieler, der Jar Jar Binks verkörperte. Beide erhielten Hassnachrichten und sogar Morddrohungen. Auch heute noch macht mich diese Tatsache so unfassbar wütend, denn ein Franchise wie „Star Wars“, das vom ewigen Kampf der hellen gegen die dunkle Seite handelt, sollte nicht so viel Hass hervor bringen. Denn wie Yoda im Film selbst sagt: „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Und leider ist die „Star Wars“-Community nach wie vor ein toxischer Haufen, der mir die Lust an den Filmen etwas genommen hat…
Trotz allem gibt es ein paar Highlights im Film: Wie schon angesprochen, sind besonders die Actionmomente äußerst mitreißend, wie etwa das grandiose Pod-Rennen. Aber auch einige intimere Momente, wie Anakins Beziehung zu seiner Mutter, geben dem Film etwas Tiefgang. Was als heldenhafte Geschichte beginnt, in der ein Sohn seiner Mutter ein ebenso heldenhaftes Versprechen gibt, entwickelt sich ja in den späteren Filmen zu einer äußerst niederschmetternden und teils brutalen Tragödie. Und der Film teasert diese Dinge immer wieder sehr subtil an, was ich mag. Auch die Rückkehr bekannter Helden aus den alten Filmen, wie R2-D2 und Yoda, ist in meinen Augen sehr gut begründet. Dass C-3PO von Anakin selbst gebaut wurde, ist natürlich sehr kurios und wurde zu Hauf parodiert, aber ich kann damit leben.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu den verschiedenen Versionen: Ja, auch von Episode I gibt es mehrere Filmversionen, wir sprechen hier immerhin über George Lucas. Yoda ist das beste Beispiel: Er wurde zu Beginn noch als Puppe dargestellt (wie auch schon in den alten Filmen), was aber im 2011-Rerelease auf Blu-Ray geändert wurde. Hier ersetzte man ihn mit dem CGI-Model aus Episode II und III, was schon Sinn ergibt. Im 2001-DVD-Release gab es zudem ein paar neue Szenen, besonders beim Pod-Rennen. All das ist in meinen Augen nicht wirklich notwendig gewesen, aber ich mag die zusätzlichen Momente. Und ja nachdem welchen Yoda man präferiert, kann man auf zwei verschiedene Versionen zugreifen. Wenn man das doch nur bei den alten Filmen tun könnte…
Fazit: „Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ war trotz negativer Kritiken und dem teils abartigem Hass der Fans ein Meilenstein in der Filmgeschichte, vor allem auf technischer Ebene. Zudem begann hier eine nach wie vor unterhaltsame „Star Wars“-Trilogie mit einigen großartigen und ikonischen Momenten. Der Start ist alles andere als perfekt und wenn ich nicht mit dem Film aufgewachsen wäre, würde ich Episode I wahrscheinlich noch schlechter bewerten. So aber bleibt für mich ein holpriger, aber dennoch solider erster Teil in der Weltraum-Saga, den ich nach wie vor immer als erstes anschaue!