Sophies Entscheidung
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Lemmiblog
Lemmiblog

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2,0
Veröffentlicht am 24. Mai 2026
TOXISCHE BEZIEHUNG AM LIMIT

1947 zieht der junge Schriftsteller Stingo nach Brooklyn und lernt dort seine Nachbarn kennen, die Polin Sophie und ihren Freund Nathan. Problem ist nur, dass Nathan gefühlt alle zehn Minuten zwischen charmantem Genie und komplett eskalierendem Irren wechselt. Sophie wiederum lässt sich alles gefallen und Stingo sitzt mittendrin, als drittes Rad am Wagen.

Sophie's Entscheidung geht ca. 150 Minuten, ist ab 16 Jahren freigegeben und brachte Meryl Streep den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein, zu Recht.
Mein Problem ist nur, der Film heißt Sophies Entscheidung und man erwartet irgendwie, dass sich die Handlung um diese Entscheidung dreht. Stattdessen schaut man über 2h einer Beziehung zu, bei der man sich fragt, ob alle Beteiligten kollektiv den Verstand verloren haben.
Nathan, gespielt von Kevin Kline, ist dabei wirklich hervorragend gespielt, aber alter Schwede ging der mir auf die Nerven. Der Mann beleidigt Sophie, rastet aus, dreht komplett frei und taucht am nächsten Tag wieder mit Dackelblick auf. Sophie fühlt sich Nathan emotional verpflichtet. Dadurch soll dieses ganze toxische Konstrukt nachvollziehbar werden.
Peter MacNicol als Stingo spielt ebenfalls stark, auch wenn seine Schwärmerei für Siohie die Dreiecksnummer zusätzlich anstrengend macht.
Das größte Problem ist aber das Pacing.
Der Film dreht sich ewig im Kreis. Streit, Versöhnung, Drama, Geschrei, wieder Versöhnung. Das eigentliche zentrale Thema wird erst nach über 90 Minuten angeschnitten. Und die berühmte Entscheidung selbst? Die wird kurz vor Feierabend schnell reingeschoben und dauert keine Minute.
Unterm Strich ein hervorragend gespieltes Drama mit starken Darstellern, das mich emotional deutlich weniger abgeholt hat als erhofft. Die toxische Beziehung zieht sich enorm und das eigentliche Kernthema kommt viel zu spät zur Geltung.

4,5/10 Punkten. In einer Szene kommt Stingo, was ein Name übrigens, mit einer Frau zusammen die nur übers Vögeln redet. Als Stingo es dann tun will, ist diese völlig schockiert da sie es nicht tun kann. Weisste Bescheid.
Kino:
Anonymer User
4,0
Veröffentlicht am 11. Juni 2015
Die komplexe Rückblendenstruktur des Films und die emotionalen Erinnerungen der Protagonisten überschatten das teilweise etwas durchhängende Geschehen in der Gegenwart: die Geschichte der verdrängten Schuld und der titelgebenden Entscheidung ist oft nur lose verbunden mit dem tölpelhaften Verliebtsein des Protagonisten in Sophie. Ungeachtet dieser teilweise auftretenden Unausgewogenheit, jongliert der Film an anderen Stellen gekonnt mit Rahmen- und Binnenhandlung, lässt diese sanft ineinander gleiten und holt thematisch weit aus. Manchmal geht letzteres auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Nuancierung. Die Beziehung zwischen Sophie und Nathan wird dann zwar in ihren Extremen aufgeführt, reiht sich damit aber in vielen Szenen in die unendliche Zahl dramatisierter Liebesgeschichten ein. In anderen Momenten jedoch, vor allem im letzten Viertel des Films findet das Drama aber zu jener erstaunlichen Kohärenz zurück, die die teils im Sand verlaufenden Nebenhandlungsstränge in der Mitte des Films etwas missen ließen. Konsequent stellt er die Untiefen der Charaktere in den Vordergrund und überrascht ebenso mit einem brutalen und - jedenfalls im Vergleich zu anderen Genrefilmen - sehr unsentimentalen Ende, welches mich für meinen Teil sehr berührt hat.
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