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    Der Kampf der Konfessionen - Kyrill und Method
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    Michael S.
    Michael S.

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    4,0
    Veröffentlicht am 17. September 2015
    Aus Tschechien hört man filmisch nicht mehr allzu viel. Ein beliebtes Produktionsland für deutsche und englischsprachige Filme die nicht zuviel kosten dürfen, aber die überregional bekannten Eigenproduktionen halten sich in Grenzen. Dass jetzt ausgerechnet ein als großer Historienfilm beworbener Streifen auf sich aufmerksam macht, lässt Hoffnung aufkeimen.
    Die titelgebenden Brüder Kyrill und Method wachsen als Konstantin und Michael in Konstantinopel auf und schlagen zunächst unterschiedliche Wege ein. Während Konstantin sich mit großem Eifer auf das Lernen von Sprachen, Rhetorik und Philosophie stürzt, zieht Michael als Archont (eine Art Beamter) durch das Land. Wenig später treten beide aus ganz unterschiedlichen Gründen ins Kloster ein, wo sie nicht nur ihre Ordensnamen erhalten sondern wo sich auch bald eine neue Aufgabe stellt. Der mährische Fürst Rastislav will sich von der der fränkischen Kirche und deren Herren distanzieren und einen eigenständigen Glauben etablieren. Aus diesem Grund schickt er eine Abordnung nach Byzanz, um fähiges Personal anzufordern. Kyrill und Method werden dafür ausgewählt. Um der Bevölkerung in ihrer eigenen Sprache vorlesen und predigen zu können, erfindet Kyrill kurzerhand eine eigene Schrift für die mährische Sprache. Kaum sind sie in Rastislavs Hauptstadt Weligrad angekommen, werden sie nach einem herzlichen Empfang des Fürsten von den immer noch anwesenden fränkischen Priestern angefeindet und der Ketzerei beschuldigt. Damit beginnt ein langwieriger Streit um die geistliche und politische Oberhoheit in Mähren.
    Vorab: es ist wichtig, diese Verfilmung in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Neben einer etwa neunzigminütigen Spielfilmfassung, die auch als Einzel-DVD vertrieben wird, handelt es sich hier ursprünglich um eine vierteilige Fernsehserie mit einer Gesamtlaufzeit von fast vier Stunden. Die BluRay-Ausgabe enthält gücklicherweise beide Versionen. Eine sinnvolle Ergänzung. Die Kurzfassung erlaubt zwar einen knappen Überblick über das Geschehen, viele Wendepunkte und Charakterentwicklungen, aber auch ganze Handlungsstränge gehen darin verloren.
    Während diese Kürzung als eigenständiger Film eher gemischte Gefühle hervorruft, ist die Produktion für eine TV-Serie durchaus hochwertig gestaltet. Die Schauspieler dürfte man als deutscher Zuschauer eher nicht kennen, dadurch ist man aber immerhin nicht unnötig abgelenkt. Die Figuren werden so gut wie alle glaubwürdig verkörpert. Lediglich Kyrill ist in der Wahl seiner Frisur und des Synchronsprechers ein wenig zu idealistisch um wahr zu sein, während die fränkischen Priester als prototypische Bösewichte ohne größere Variationen herhalten müssen.
    Die Ausstattung ist gerade an den Originalschauplätzen äußerst gut gelungen und glänzt mit reichlich Mittelalter-Atmosphäre. Viele der eingefangenen Bilder hätten auch auf der Kinoleinwand gut ausgesehen. Dagegen können manche der byzantinischen Studiokulissen und die meisten digitalen Einstellungen ihre künstliche Herkunft nicht völlig verleugnen, aber damit kann man leben. Die Musik schwankt zwischen epischen eingängigen Themen und manchmal ein wenig synthetischen Fanfaren, passt aber größtenteils gut.
    Neben der Tatsache, dass hier ein selten verfilmtes Kapitel der (Kirchen)Geschichte anspruchsvoll inszeniert wird, dürften auch Historiker, Theologen und Sprachwissenschaftler auf ihre Kosten kommen. Die Erfindung der glagolitischen Schrift, der ewige Streit um die korrekte Sprache der Liturgie (obwohl der slawische Gottesdienst von drei (!) Päpsten im wahrsten Sinne des Wortes abgesegnet wurde), die Entstehung der später orthodoxen osteuropäischen Kirche und die vielfältigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den slawischen Fürsten und Ludwig dem Bayern werden thematisiert. Vielleicht ist gerade diese Fülle an Informationen der Grund, weshalb die vier Serienfolgen auf dem Cover und im Menü als Dokumentation ("im Stil einer BBC-Produktion") bezeichnet werden. Dokumentarisch ist daran höchstens der Erzähler, der ab und zu ergänzende Infos und Zusammenfassungen liefert. Da hätte allerdings auch der Off-Kommentar, des auf sein Leben zurückblickenden Methods genügt, der ohnehin zusätzlich noch eine Menge erklärt und umschreibt.
    Die BluRay enthält zwar schon gut vier Stunden Filmmaterial, dennoch wurden beim HD-Bild keine Kompromisse gemacht. Alles erscheint klar und unterstreicht den atmosphärischen Look. Als Bonusmaterial gibt es eine Handvoll Trailer, sowie eine Bildergalerie zum Film.
    Obwohl die Filmfassung nicht unbedingt das nächste große Mittelalterepos ist, als das sie mitunter dargestellt wird, kann vor allem die Gesamtausgabe dieses Werks überzeugen. Für Fans von gut recherchierten und anspruchsvoll inszenierten Mittelalterfilmen und -serien ist "Kyrill und Method" definitiv ein lohnender Geheimtipp, der an keiner Stelle langweilig wird.

    Originaltitel: Cyril a Metoděj – Apoštolové Slovanů
    Darsteller: Josef Abrhám, Milan Bahúl, Ondrej Novák, Roman Zach, Vuk Celebic, Radka Fiedlerová, Petr Florián, Petr Halícek uvm.
    Regie: Petr Nikolaev
    Jahr: 2015
    Label: KSM Film
    Laufzeit: 283 min
    FSK: ab 12 Jahren
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