Was für ein Brett von einem Film! Und so völlig unerwartet! Der Film fängt als ziemlich düsterer und dreckiger Polizeithriller an, verbreitet aber schon relativ früh ein irgendwie unbestimmtes, unangenehmes Gefühl, so ein Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, man weiß aber nicht so genau was. Nach einem Zwischenfall auf dem Weg zu ihrem Einsatz, zu dem sie gerufen werden, entwickelt sich der Film auch relativ bald in eine völlig unerwartete Richtung und gerät zu einem immer wilderen, immer abgefuckteren Fiebertraum, um in einem der verstörendsten Finale zu kulminieren, die ich jemals erlebt habe. Worte können nicht beschreiben, was man hier zu sehen bekommt…
Es gibt keine Handlung im eigentlichen Sinne, der Film passiert einfach. Das Aufregende an dem Film für mich war aber – mal ganz abgesehen von der absolut heftigen Entwicklung, die die Geschichte nimmt -, dass es so viele religiöse, philosophische und kulturell-mythologische Anspielungen gibt. So ist beispielsweise die Darstellung der Polizisten (die allesamt männlich sind) in der ersten Szene beim Essen nicht zufällig. Sie werden sehr machohaft und sexistisch gezeichnet, es geht um unterdrückte Emotionen und das was man neudeutsch „toxische Männlichkeit“ nennen würde. Auch taucht im Film zu Beginn eine große Menge Frösche auf, die am Straßenrand sitzen. Der Frosch symbolisiert in der türkisch-schamanischen Mythologie oft die Ewigkeit, ebenso wie eine bevorstehende Katastrophe. Durch sein Erscheinen wird oft der „Übergang in eine andere Welt“ angekündigt, was im Film schon zu Beginn als unheilvolles Omen dient.
Das Wort „Baskin“ bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie Polizeieinsatz oder Razzia. Dieser Einsatz, der dann ja letztlich ziemlich heftig und abgefuckt endet, ist in gewisser Weise das vorherbestimmte Schicksal der Männer, ihr Kismet. Durch ihr gotteslästerliches und arrogantes Verhalten zu Beginn haben sie das Unglück förmlich angezogen, ebenfalls ein Thema, das in der türkischen Kultur verankert ist. Wenn man will, kann man den Film auch als Ardas persönliches Trauma sehen, der ja irgendwie die Hauptperson ist. Seine Kollegen, die anderen Polizisten könnten verschiedene Aspekte seiner Psyche oder seiner Kindheit verkörpern. Und das Gebäude am Ende ist kein physischer Ort, sondern ein Labyrinth aus Ardas Sünden und verdrängten Erinnerungen.
FAZIT: „Baskin“ ist düster, dreckig, brutal, erbarmungslos und ein sprichwörtlicher Schlag in die Fresse! Wer sich auf etwas ent- und verrückten Independent-Horror aus der Türkei mit zahlreichen mythologisch-philosophischen Andeutungen und einem apokalyptischen Fiebertraum-Finale einlassen kann, wird auf jeden Fall mit einem der beeindruckendsten und aufregendsten Filme der letzten Jahre belohnt. Sehenswert!!!