Regisseurin Susanna White geht es hier nicht um eine akkurate Darstellung der exakten historischen Geschehnisse. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen hat sie ihre Figur Catherine Weldon genannt, die historische Figur, an die sie angelehnt ist, hieß jedoch Caroline Weldon. Vielleicht soll dieses kleine Detail der Hinweis sein, dass wir es nicht mit einem konkreten Biopic zu tun haben. Die Geschehnisse rund um Sitting Bull und die aggressive Enteignungspolitik der Amerikaner gegenüber den Ureinwohnern ist indes einigermaßen korrekt dargestellt, wenngleich sie sich auch hier gewisse künstlerische Freiheiten genommen hat. Aber darüber muss man sich gar keine Gedanken machen, denn die Art, wie Susanne White ihre Geschichte hier inszeniert ist visuell atemberaubend, emotional berührend und vor allem unterhaltsam.
Manche Bilder sind unfassbar schön arrangiert (. Jessica Chastains Gang über den Friedhof!) und haben fast die poetische Schönheit eines Gemäldes. Auch weiß sie es zusammen mit ihrem Kameramann Mike Eley, die Landschaft fantastisch in Szene zu setzen, die Optik ist oftmals wirklich beeindruckend. Dazu gehört auch ein sehr liebevolles und detailliertes Setdesign und die authentische Verwendung der Lakota-Sprache, für die sich die Regisseurin Sprachberater der Lakota Language Conservancy dazuholte.
Die Rollen der Protagonisten sind ebenfalls toll besetzt. Allen voran natürlich die großartige Jessica Chastain, die ihrer Catherine Weldon die nötige charakterlichen und emotionale Tiefe gibt, damit der Film überhaupt funktionieren kann. Sam Rockwell spielt die Rolle des ekligen Arschloch-Colonels ebenfalls sehr überzeugend, vor allem die Szenen zwischen ihm und Jessica Chastain bersten förmlich vor Dramatik. Michael Greyeyes kannte ich vorher gar nicht, hat mich aber in der Rolle des Häuptlings Sitting Bull extrem überrascht und wirklich beeindruckt.
FAZIT: Wenngleich auch nicht in jedem Punkt historisch akkurat, liefert uns Susanna White hier einen aufregenden und auch schmerzhaften Einblick in ein Kapitel der US-amerikanischen Geschichte, dass gerne ausgeblendet wird. Grandios mit Jessica Chastain, Sam Rockwell und Michael Greyeyes großartig besetzt und mit streckenweise unfassbar schönen Bildern, ist ihr hier ein wirklich großartiger Film gelungen. Sehenswert!