The Gentlemen Kritik
Es hat mir keine Ruhe gelassen, dieser Film ist Grund dafür, dass ich mich bei Filmstarts angemeldet habe, um meine erste Kritik hier zu veröffentlichen.
Fast hätte ich es schon am selben Abend getan, wollte meinen Frust dann aber sacken lassen, doch er ist auch am Folgetag nach wie vor da und lässt mir keine Ruhe, so dass ich diese Zeilen hier schreibe.
Als Gestern The Gentlemen im Fernsehen kam, wollte ich schon wegschalten, aber ich entschied mich dann doch, ihm eine zweite Chance zu geben. Denn bereits nach der ersten Sichtung kam in mir schon dieses Gefühl hoch, was mich jetzt dazu bewegt diese Kritik zu verfassen.
Es ist ein Unbehagen, eine Enttäuschung – kurz ich fühle mich verärgert. Ich weiß nicht ob es ähnlich wäre, wenn ein anderer Regisseur, als Guy Ritchie hinter diesem Machwerk stehen würde, wahrscheinlich eher nicht.
Aber gerade weil der Film hier oft positiv in Verbindung mit Bube Dame König Gras und Snatch gebracht wird, möchte ich an dem Punkt entschieden dagegen halten.
Als die besagten Erstlinge von Ritchie ins Kino kamen, war ich begeistert und Ritchie gehörte zu meinen absoluten Lieblingen. Die Filme waren und sind grandios. Umso enttäuschter bin ich von The Gentlemen.
In meinen Augen unterscheiden sich die Vorgänger fundamental von dem, was der Regisseur knapp 20 Jahre später lieferte. The Gentlemen auf eine Stufe mit Bube Dam König Gras und Snatch zu heben, ist falsch. Bis auf das Verbrecher Sujet haben sie nicht viel gemein.
Was den Unterschied ausmacht sind die Figuren.
In The Gentleman gibt es nicht eine Figur, die bei mir Sympathien ausgelöst hat. Es handelt sich bei allen um mehr oder weniger skrupellose Verbrecher, die über Leichen gehen. Dann diese affektierte Art, aufgesetzte Coolness, - es springt kein Funke über. Alle entspringen auch irgendwie dem wohlhabenden Milieu der Upper-Class – aber auch die Trainingsanzugträger mit ihrem Youtube gedrehe – nichts.
Daneben packt die Story nicht wirklich, es fehlt das Mitfiebern. Das Erzähltempo, die Storylines – es kommt bei mir kein Sog in Gang, der einen in die Geschichte zieht und einen Wohlfühleffekt auslöst. Das einzige was aufkommt ist ein ärgerliches Gefühl über die Protagonisten, einer unsympathischer als der andere.
Um jetzt auf den Gegensatz zu Bube Dame König Gras und Snatch zu kommen. Hier genau das Gegenteil. Fast alle Figuren sind auf ihre Art schrullig und sympathisch. Es sind die Geschichten von Underdogs – im Gegensatz zu den Hochglanzsets in Adelsvillen, wird hier die Bruchbude gezeigt, oder der schrammelige Wohnwagen. Eine gewisse dreckige Authentizität wird geschaffen. Die Leute schwimmen nicht im Geld, haben keine Imperien, die sie zu Geld machen wollen, sondern kämpfen eher ums überleben.
Gewalt ist auch kein Selbstzweck. Bis auf die ganz großen Bösewichter, bewegen sich doch alle mehr oder weniger in moralisch Heeren Gefilden.
Zum andern entwickeln die Filme einen ganz anderen Drive, die Erzählstruktur ist vertrackt und ineinander verhakt und kumuliert auf einen Punkt.
The Gentleman versucht das zwar auch irgendwie, aber es hat doch mehr was Episodenhaftes, Verwirrendes – statt zu bannen, lässt es kalt – auch der Witz und Humor bleiben auf der Strecke.
Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, ich wollte nur kurz meine Enttäuschung zu Protokoll geben und darauf hinweisen, dass sich The Gentlemen wesentlich von den Vorgängern unterscheidet – wie zwei Pole – bei den Ersten hätte ich vor Begeisterung eine Kritik schreiben können und Letzterer zwingt mich quasi dazu, meine Enttäuschung kundzutun.
Für sich allein genommen ist er aber auch nicht unbedingt schlecht, aber mir fällt das Urteil halt schwer, da er mir irgendwie wie ein Verrat an Bube Dame König Gras und Snatch vorkommt und ein Menschenbild propagiert, was dem der Vorgänger fundamental gegenüber steht, um es kurz überspitzt zu sagen.