The Northman ist ein brutaler, kraftvoller Fiebertraum und erzählt die Rachesage einer Kultur nach, die sich in nahezu jeder Hinsicht dem Kampf verschrieben hat. Er versucht nicht eine Sekunde moderne Bedürfnisse nach Lockerheit, Humor oder „Menschlichkeit“ zu befriedigen und humanistische Moralvorstellungen kennt er nicht. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt ein intensives, fast rauschartiges Erlebnis, das seinen Eindruck hinterlässt. Wer sich einfach unterhalten lassen will, guckt lieber was anderes.
Dass The Northman spaltet, überrascht also nicht. Auffällig ist aber, dass der Film im englischsprachigen Raum deutlich besser wegkommt als hier und das dürfte an dem Grund liegen, aus dem auch ich Punkte abziehen muss: Die deutsche Synchronisation ist fürchterlich. Der verantwortliche Dialogregisseur hat zuvor ausschließlich an leichter Kost wie American Pie 3 oder Jackass The Movie gearbeitet und war offensichtlich die denkbar unpassendste Wahl, um einen düsteren Film, der von Immersion lebt, zu lokalisieren. Fast jedem gesprochenen Wort mangelt es an Glaubwürdigkeit, die Audio klingt dünn und hat nicht ansatzweise den Wumms, den der O-Ton hat, kurz: Sie ist einfach unpassend und hat es mir im Kino fast verunmöglicht, mich auf den Film einzulassen.
Natürlich hat der Film auch andere Schwächen. Er könnte etwas gestraffter sein, der CGI-Einsatz im Finale hat mich nicht überzeugt und das Botoxgesicht von Nicole Kidman passt trotz schauspielerischen Bemühungen einfach nicht in das Wikingesetting. Im O-Ton kriegt der Film trotzdem 4,5 Sterne von mir und ist eine Empfehlung für alle, für die „brutaler Fiebertraum“ eigentlich ganz reinzvoll klingt.