"House of Gucci" von Ridley Scott ist als Farce oder Satire zwar gelungen, kam im Trailer aber temporeicher und bissiger rüber, als er letztendlich war. Auch hatte ich mich darauf gefreut, tolle Mode zu sehen, aber darum ging es eigentlich gar nicht, daher kam das nur am Rande vor. Die Kostüme sind aber schon sehr cool und sorgen für ein stimmiges Zeitkolorit. Eigentlich sagt es ja auch schon der Titel, dass es um die Familie Gucci geht, nicht um die Marke Gucci, also hätte ich mir das auch denken können, dass die Mode im Hintergrund bleibt. Enttäuscht bin ich aber trotzdem ein wenig.
Na gut, aber ich versuche mal, den Film als Farce/Satire zu bewerten. Das funktioniert wie gesagt recht gut, hätte aus meiner Sicht aber noch knackiger und fieser erzählt werden können. Denn sympathisch ist hier keine einzige Person aus dem Gucci-Clan. Wir haben hier im Grunde einen Haufen eingebildeter, eitler Gockel ohne Geschäftssinn, ohne Gespür für Mode, die eine einst ruhmreiche Marke zu ruinieren drohen, und eine rasend eifersüchtige, durchgeknallte Ehefrau mit absurdem Ehrgeiz.
Das Problem ist, wie schafft man es bei Figuren mit so einem furchtbaren Charakter, trotzdem Sympathie beim Publikum zu erzeugen, eine Figur herausstechen zu lassen, mit der man Mitfiebern kann und deren Schicksal in dem Film einem am Herzen liegt? Das ist gar nicht so einfach und aus meiner Sicht hat der Film das auch nicht geschafft. Am meisten Potenzial sehe ich hier noch bei Maurizio, aber der ist im Grunde auch nur ein egozentrischer Geck. Also vielleicht doch Patrizia, die von außen zum Gucci-Clan dazustößt? Dafür ist sie dann aber doch zu sehr aus dem selben Holz geschnitzt ... Aber sie scheint ja Maurizio trotzdem auf ihre Weise wirklich geliebt zu haben. Da hätte man sie vielleicht von ihrer verletzlichen, sanften Seite zeigen können - nur für ganz kurze Momente - um sie etwas sympathischer wirken zu lassen,
Jedenfalls, wenn man so viele fiese Persönlichkeiten aufeinanderprallen lässt, dann muss der Rhythmus stimmen, dann darf das nicht langatmig werden - und ich fand, das hat nicht immer so gut geklappt.
Fazit: Bei diesem Film hängt viel von der Erwartungshaltung ab, mit der man ihn ansieht. Ich hatte etwas anderes erwartet und war entsprechend enttäuscht. Schlecht ist der Film aber nicht.