"Napoleon" von Ridley Scott ist temporeich inszeniert und bildgewaltig umgesetzt. Joaquin Phoenix spielt Napoleon Bonaparte großartig, aber ist für die Rolle leider zu alt. Der Schauspieler wird dieses Jahr 50 Jahre alt und ist somit nur wenige Jahre von Napoleons Todesalter entfernt, Napoleon selbst war zu Beginn seiner Karriere und am Anfang der Filmhandlung erst knapp über 20 Jahre alt. Joséphine war in Wahrheit 6 Jahre älter als Napoleon - Vanessa Kirby ist 14 Jahre jünger als Phoenix. Obwohl sie ebenfalls sehr gut spielt, führt dieser unstimmige Altersunterschied zu Verwirrung, etwa, wenn Joséphine Napoleon keinen Thronfolger gebiert und nicht mehr schwanger wird. Ich habe das gar nicht verstanden, dass das Problem ihr Alter war. Vanessa Kirby sieht halt einfach nicht älter aus als sie ist. Und Joaquin Phoenix sieht nicht jünger aus als er ist. Das verstehe ich nicht, warum nicht zumindest für Napoleons Anfänge ein jüngerer Schauspieler ausgewählt wurde. Und für die spätere Lebensphase eine ältere Schauspielerin für Joséphine.
Na gut. Von dieser Eigentümlichkeit des Films abgesehen, war er aber spannend und eindrucksvoll. Und Joaquin Phoenix verkörpert ihn überzeugend. Man bekommt den Eindruck, so könnte Napoleon vielleicht wirklich gewesen sein - ein ehrgeiziger Mann mit Geltungsdrang, der darunter gelitten hat, dass er von den besseren Kreisen, zu denen er unbedingt gehören wollte, verachtet wurde, als Emporkömmling, ungebildeter Grobian und Provinztrampel. Der bis über beide Ohren in Joséphine verliebt war, aber auch den Erwartungen seines Umfeld unbedingt gerecht werden wollte. Der aber auch eine grandiose Selbstüberschätzung an den Tag legte und mit seinem Größenwahn katastrophale militärische Entscheidungen traf und Zehntausende deswegen ihr Leben ließen.
Fazit: Durchaus sehenswerter Film, bei dem man vielleicht nicht allzu penibel auf die historische Korrektheit achten sollte.