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    The Guardians Of The Galaxy Holiday Special
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Guardians Of The Galaxy Holiday Special

    Guardians Of The Galaxy Vol. 2.5

    Von Julius Vietzen
    Selbst wenn „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ (auch bei uns) längst nicht mehr so gut ankam wie der herausragende erste Teil, war die Erleichterung in Fankreisen laut vernehmbar, als Disney den zwischenzeitig wegen jahrealter Tweets gefeuerten Regisseur und Drehbuchautor James Gunn schließlich doch wieder für das große Trilogie-Finale „Guardians Of The Galaxy Vol. 3“ angeheuert hat. Aber dabei ist es nicht geblieben – zusätzlich liefert Gunn nun auch noch für Disney+ ein „The Guardians Of The Galaxy Holiday Special“!

    Dabei ist die sogenannte Marvel Studios Special Presentation zwar als ein (verfrühtes) Geschenk für MCU-Fans gedacht, überzeugt am Ende aber – zum Glück! – weniger durch den für Weihnachtsspecials üblichen Festtagskitsch. Stattdessen punktet der 40-Minüter mit den üblichen Gunn-Tugenden wie schrägem Humor, einer gelungenen Figurendynamik sowie einer vortrefflichen Musikauswahl. So fühlt sich das Holiday Special beinahe wie ein „Guardians Of The Galaxy Vol. 2.5“ an.

    Die Guardians wollen ihren Anführer Peter Quill (Chris Pratt) aufmuntern.


    Im Raumschiff seines Entführers und Ziehvaters Jondu (Michael Rooker) wollte der junge Peter Quill einst Weihnachten wie zu Hause auf der Erde feiern. Aber das wurde ihm von dem knurrigen Ravager-Captain verboten. Als wieder einmal das Weihnachtsfest vor der Tür steht, wollen Mantis (Pom Klementieff) und Drax (Dave Bautista) dem deprimiert wirkenden Star-Lord (Chris Pratt) deshalb eine Freude machen: Das Guardians-Duo reist zur Erde, um Peters Kindheitshelden, den Hollywood-Star Kevin Bacon (spielt sich selbst), als Geschenk zu entführen. Es ist der Beginn eines von allerlei Missgeschicken und Missverständnissen geprägten Abenteuers...

    Viel Vorbereitung für "Guardians Of The Galaxy 3"


    Das „Guardians Of The Galaxy Holiday Special“ beginnt auf der mittlerweile von den Guardians übernommenen Raumstation Knowhere. Wir sehen einen noch mal deutlich gealterten Groot, der von der Körperform mittlerweile an seinen Original-Sprecher Vin Diesel erinnert, und hören zum ersten Mal „Borat 2“-Star Maria Bakalova als Stimme von Weltraum-Hündin Cosmo, die über telekinetische Kräfte verfügt. Außerdem wird noch eine überraschende Familienbeziehung enthüllt, die wir hier aber nicht vorwegnehmen wollen.

    So fühlt sich das außer der Reihe direkt auf Disney+ erscheinende Weihnachts-Special in vielen Momenten schon sehr stark nach erzählerischer Vorarbeit für „Guardians Of The Galaxy 3“ an, der am 3. Mai 2023 in die deutschen Kinos kommt und zumindest für den zur DC-Konkurrenz wechselnden James Gunn dann auch der Abschied von der chaotisch-liebenswerten Truppe sein soll. Und auch sonst wirkt das Holiday Special über weite Strecken wie ein typischer „Guardians“-Film.

    Das kennt man von James Gunn nicht anders


    Bei ihrem intergalaktischen Abenteuer werden Drax und Mantis wie gewohnt von einem vortrefflichen Soundtrack begleitet, wobei diesmal natürlich nur Songs mit Weihnachtsthematik erklingen. Das Highlight ist dabei ein von Gunn selbst geschriebener und im Film von einer Alien-Band performter Song namens „I Don't Know What Christmas Is (But Christmastime Is Here)“. Zurück auf der Erde tobt sich der Regisseur dann genüsslich im Genre der „Fish Out Of Water“-Comedy aus, wenn die Guardians am Hollywood Walk Of Fame für Fotos posieren, in einem Club in Los Angeles feiern und saufen und schließlich sichtlich angetrunken die Villa von Kevin Bacon stürmen.

    Hollywood-Star Kevin Bacon spielt sich im Holiday Special selbst.


    Bei der anschließenden Verfolgungsjagd quer durch das Anwesen des Hollywood-Stars und durch die Vorgärten der umgebenden Villen bleibt trotz der Mini-Spieldauer sogar noch Zeit für eine Actionszene. Hier darf Drax dann Polizeiautos durch die Gegend schmeißen und sich vor Lachen fast in die Hose machen, weil die Kugeln der Cops so kitzeln, während Mantis ihre Gegner mit einer Mischung aus Martial Arts und Schlaf-Kräften ausschaltet.

    Nicht nur in diesen Momenten rückt Gunn die beiden sonst eher am Rand stehenden Guardians in den Fokus – und verleiht so im Laufe des Holiday Specials zumindest Mantis deutlich mehr Profil. Die sonst so sanftmütige und verhaltene Empathin zeigt sich hier nämlich erstaunlich bestimmend und weist den wie gewohnt mit der Einfühlsamkeit eines Holzhammers agierenden Drax das eine oder andere Mal scharf zurecht.

    Weihnachten auf der Raumstation Knowhere ist eigentlich auch nicht anders als auf der Erde.


    Trotz aller Vorarbeit auf „Guardians Of The Galaxy Vol. 3“ und allem Comic-Action-Trubel bleibt im „Guardians Of The Galaxy Holiday Special“ aber tatsächlich auch noch Zeit für Weihnachtsstimmung, wobei dieser Teil des Films insgesamt sehr erwartbar ausfällt. Denn nachdem Gunn mit dem bereits erwähnten „I Don't Know What Christmas Is (But Christmastime Is Here)“ noch ein frühes freches Ausrufezeichen setzt, schwenkt er dann doch recht bald in konventionellere Bahnen um.

    Am Schluss lernen so etwa alle Figuren noch eine wichtige Lektion über die wahre Bedeutung von Weihnachten, während dazu Geschenke verteilt werden und Knowhere im Glanz der von der Erde gestohlenen Festtagsbeleuchtung erstrahlt. Vor solchen Genre-Konventionen schreckt also – zumindest bei einem Weihnachts-Special – nicht mal ein Rebell wie James Gunn zurück.

    Fazit: Das „Guardians Of The Galaxy Holiday Special“ erfüllt alle Erwartungen an einen Weihnachtsfilm mit der chaotischen Marvel-Truppe, ist aber mindestens genauso sehr ein das große Trilogie-Finale vorbereitender „Guardians Of The Galaxy Vol. 2.5“.

     

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