Neue Welten, spektakuläre Action und eine kitschige Liebesgeschichte!
„Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“ verhalf dem Franchise zu neuem Leben, selbst wenn der Film sehr gemischte Kritiken erhielt. Wie auch bei der Original-Trilogie (1977-1983) dauerte es wieder drei Jahre, bis George Lucas seinen nächsten Film heraus brachte. Und so erschien 2002 Episode II mit dem Titel „Der Angriff der Klonkrieger“. Jedoch sollte sich einiges ändern: Die Story setzt nun zehn Jahre nach dem ersten Teil an, womit wir einen neuen Darsteller als Anakin haben. Jake Lloyd war noch zu jung, um die Rolle weiter zu verkörpern und zudem gab es leider einen absurden Shitstorm gegen den jungen Darsteller… Zudem wurde Episode II fast komplett digital gedreht und im Zuge dessen wurde auch Yoda nun komplett durch Computereffekte kreiert. Ein neuer Aspekt in der Welt von „Star Wars“ war aber sicherlich auch die Liebesgeschichte zwischen Anakin und Padme, welcher für ordentlich Kritik sorgte. Kritik gab es aber auch ansonsten für den Film und wieder waren es bekannte Probleme vom Vorgänger, so wie hölzerne Dialoge und wenig Emotionen. Und auch der neue Anakin-Darsteller, Hyden Christensen, erhielt unnatürlich viel Kritik von den Fans. Aber dass „Star Wars“-Fans teils sehr problematisch sind, wissen wir mittlerweile seit vielen Jahren. Dennoch wurde auch dieser Teil einer der erfolgreichsten Filme des Jahres (Platz 4, um genau zu sein).
Wie auch bei Episode I, war mir das alles aber vollkommen egal bzw. wusste ich 2002 nichts von der Kritik. Ich schaute diesen Film im Kino und war begeistert als „Star Wars“-liebendes Kind. Die neuen Wendungen und Figuren faszinierten mich, ebenso wie die Action. Aber man bleibt eben nicht ewig ein Kind und als Erwachsener betrachte ich Episode II natürlich noch mal mit ganz anderen Augen. Wie hat sich der Film über die Zeit (mehr als 20 Jahre) gehalten?
Die Geschichte beginnt zehn Jahre nach den Ereignissen von Episode I: Senatorin Amidala schwebt in Gefahr. Ein mysteriöser Attentäter versucht sie umzubringen. Der Rat der Jedi und Kanzler Palpatine beordern Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker zum Schutz von Padmé. Der mittlerweile groß gewordene Anakin verliebt sich jedoch in die Politikerin und kommt damit in Widerspruch zu seinen Werten als Jedi. Währenddessen verfolgt Obi-Wan die Spur eines Kopfgeldjägers…
Was Lucas mit seinen Prequels absolut wunderbar hinkriegt, ist die Erschaffung neuer und faszinierender Welten. Planeten wie Kamino oder Geonosis bringen einen neuen Flair in das Universum und ließen die Welt von „Star Wars“ wieder äußerst lebendig erscheinen. Auch die Schiffe, die Waffen, all das kreiert eine Welt, die fantastisch und doch auch belebt wirkt. Das war schon immer eine von Lucas´ größten Stärken und natürlich der Grund, warum „Star Wars“ so eine absurd große Lore hat. Ebenso schätze ich auch heute noch die teils raue und brutale Welt, die hier geschaffen wird. Während Disney das Ganze extrem sicher und massentauglich umgestaltet hat (siehe z. B. Den seelenlosen Film „The Mandalorian and Grogu“ von 2026), sind diese Prequel-Filme nach wie vor düster und manchmal auch gnadenlos. Natürlich gibt es hier auch die kitschige Love Story als Gegensatz, aber Szenen wie die Rettung von Shmi Skywalker, der anschließende Wutausbruch von Anakin oder Palpatines diktatorischer Aufstieg zeigen, wie dunkel das Ganze werden kann. Lucas war es egal, ob eine Figur wie Jango Fett „cool genug“ für irgendwelche Spin-Off-Serien ist, er kreierte seine Geschichte und lässt immer wieder Figuren drauf gehen. Natürlich nicht wie in anderen Medien, wie etwa „Game of Thrones“, aber in den alten „Star Wars“-Filmen habe ich zumindest nach wie vor das Gefühl von Gefahr und Konsequenzen, die bestimmte Aktionen haben können.
Die Story hat dahingehend auch wieder ihre Vor- und Nachteile: Da wären zum Beispiel die Krimi-Elemente in der Handlung, die ich gut finde. Auch die Rückkehr einiger Figuren aus Episode I geben dem Film eine gewisse Kontinuität. Lucas schafft es in meinen Augen auch immer sehr gut das Vergehen von Zeit zu zeigen. In der Story sind etwa zehn Jahre vergangen und das sieht man auch anhand von veränderten Haarschnitten oder neuen Schiffen. Es mag subtil und unspektakulär erscheinen, aber so was finde ich persönlich immer sehr wichtig, um einen Film glaubhaft wirken zu lassen. Und mein Highlight im Film ist sicherlich das spektakuläre Finale, in welchem wir zum ersten Mal die Klonkriege erleben, von denen Obi-Wan in „Eine neue Hoffnung“ (1977) erzählt hat. Hinzu kommen tolle neue Figuren wie Count Dooku oder auch der erste Onscreen-Kampf von Yoda mit einem Lichtschwert, was auch heute noch etwas surreal ist. Andere Aspekte in der Geschichte lassen die düstere Zukunft des dritten Teils vorahnen. So beharren die Jedi-Ritter auf das Pflichtbewusstsein und verbieten wie in einer Religion das Zusammenleben mit einem geliebten Menschen. Diese Dinge werden von Anakin zurecht kritisiert, doch er muss sich immer wieder fügen, was seine Wut und seinen Wandel zur dunklen Seite im nächsten Film umso mehr gerechtfertigten.
Was die Figuren betrifft, wird es dann schon schwammiger… Anakins jugendliche Naivität passen gut zur Figur, machen ihn aber nicht selten etwas sehr unsympathisch. Dafür funktionieren Szenen wie sein Zusammenbruch nach dem Tusken-Angriff sehr gut und geben einen düsteren Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Jedoch nimmt seine Präsenz auch einen Großteil des Films durch die Liebesgeschichte ein. Und hier muss auch ich zugeben, dass diese Romanze zwischen Ani und Padmé nicht sonderlich gut umgesetzt wurde. Beide Darsteller*innen haben leider nur wenig Chemie miteinander und die teils lächerlichen und forcierten Dialoge helfen dem Ganzen überhaupt nicht. Kein Wunder, dass der Film zu einer Fundstätte für Memes geworden ist („I don´t like Sand.“). Zudem ist Anakins „Flirten“ auch teilweise echt unheimlich… Und dann ist da noch der Humor: Zugegeben, ein paar Momente sind wirklich witzig (die kleine Killersticks-Szene bringt mich immer noch zum Schmunzeln), aber der Slapstick im Finale nervt schon derbe. Zwar wurde Jar Jar Binks´ Screentime aufgrund der negativen Reaktionen der Fans ordentlich zurecht gestutzt, doch dafür übernimmt jetzt C-3PO diese Rolle. Warum? Nun, damit die Kids auch hier und da was zu lachen haben, nehme ich an. Jedoch ist sein Auftreten im Finale absolut unbegründet und nur für halbherzige Pointen gut. Ich bin es zudem Leid C-3PO als dusselige Nervensäge zu sehen, das wurde in Episode V („Das Imperium schlägt zurück“) schon ausgiebig gemacht.
Der Cast ist nach wie vor gut, wie ich finde. Ewan McGregor als Obi-Wan ist weiterhin eine tolle Besetzung und ach Christopher Lee als Dooku ist eine fantastische Neuerung. Christensen als Anakin leidet unter den schwachen Dialogen, ist aber ansonsten keine schlechte Besetzung. Auch wenn er hier nicht besonders glänzen kann, überzeugt er daher umso mehr in Episode III.
Kommen wir zur Action: Die ist ohne Zweifel einer der besten Aspekte am Film und nach wie vor rasant, mitreißend und kreativ. Von wilden Verfolgungsjagden in Coruscant , über Faustkämpfe mit Jango Fett, bis hin zur gigantischen Schlacht im Finale, wird hier einiges geboten. Die Szene im Asteroidenfeld ist besonders eindrucksvoll und der Lichtschwertkampf gegen Dooku kurz, aber intensiv.
Jedoch scheitert der Film an seinem digitalen Größenwahn. Lucas ließ den Film fast zu 90% vor Greenscreens drehen. So konnte man damals schnell und effektiv die Schauspieler*innen in große, eindrucksvolle Welten packen. Doch nach über 20 Jahren merkt man dem Streifen seine in die Jahre gekommenen Effekte deutlich an. Einerseits vollkommen natürlich, auf der anderen Seite hätte man auch etwas mehr auf echte Locations und Sets vertrauen können. Aber das digitale Zeitalter war bereits angebrochen und Filme wie Episode II orientierten sich danach. Und auch wenn sich alle über die digitalen Neuerungen in den alten Filmen aufregen, so fände ich ein ordentliches Remaster der Effekte für äußerst angemessen. Mit Videospielen wird das schon seit Jahren gemacht, wieso nicht auch mal mit Filmen? „Toy Story“ oder eben die „Star Wars“-Prequels würden sich tatsächlich gut für so eine Prozedur anbieten.
Zu guter Letzt John Williams Score: Seine neuen Themen geben dem Film eine romantische und zugleich düstere Atmosphäre. Von allen Prequels ist dieser aber vermutlich sein schwächster Score, besonders da im Finale einfach viele Actiontracks aus Episode I recycelt wurden. Die Musik ist natürlich trotzdem wieder ein Highlight und gibt vielen Momenten und Szenen erst das nötige Leben. Zudem ist die Rückkehr des Imperial March sehr passend.
Fazit: „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ ist vermutlich der schwächste Prequel-Film und leidet unter kuriosen Dialogen und einer größtenteils unglaubwürdigen Liebesgeschichte. Aber die neuen Welten, die Action und viele andere Ideen machen dafür einiges wett. Auch das hier ist kein wirklich hervorragender Film, aber ich kehre dennoch gern zurück und habe Spaß an den spektakulären Kämpfen und der wunderbaren Musik von John Williams.