„Top Gun“, aber dieses Mal mit Autos.
Ich bin ja überhaupt kein Fan von Motorsport, auch wenn ein Teil meines Freundes- und Familienkreises großer Verfechter davon ist. Dennoch schaue ich mir in filmischer Form die Thematik doch immer wieder gerne an. Auch von der Formel 1 habe ich keine Ahnung, wenn gleich mich dann doch eine Sache von Beginn an neugierig gemacht hat, nämlich der Mann hinter der Kamera: Joseph Kosinski.
„F1“ ist auch genau die Art von Film geworden, die man von Kosinski erwartet, mit all seinen Stärken und auch Schwächen. Wie oben schon erwähnt kann man diesen Film nämlich am ehesten mit seinem letzten Film vergleichen „Top Gun: Maverick“. Nicht nur die Handlung ist Deckungsgleich, auch die Inszenierung und die Figuren finden sich 1:1 im Vorgänger.
Der Film dreht sich um APXGP. Ein Rennstall, der kurz davor steht verkauft zu werden, da sie weder einen Sieg errungen haben, noch einen Punkt geholt haben. Deren Vorstand Ruben wendet sich an seinen alten Freund Sonny. Der ehemalige Rennfahrer soll den Laden wieder auf Kurs bringen und ihnen einen Sieg bescheren. Doch im gleichen Team gibt es auch den noch sehr jungen Joshua, der in Sonny zunächst einen Rivalen im eigenen Team sieht.
Die Handlung ist hier leider wirklich absolute Standartkost, bietet wenig Wendungen und auch inhaltlich keine neuen Ideen. Wie zuvor zeigt sich einfach, dass Kosinski einfach kein herausragender Autor ist und er oft dafür verantwortlich ist, wieso es vielen seiner Filme am Ende zum Meisterwerk fehlt. Hier kopiert er im Grunde viele Aspekte aus seinen Vorgängern. Besonders „Top Gun“ und „No Way Out“ sind hier stark rezipiert. ABER wie so oft bei seinen Filmen kann ich hier dennoch sehr gut über die dünne Handlung hinwegsehen.
Kosinski hat einfach ein großartiges Auge für Ästhetik. „F1“ ist da keine Ausnahme und reiht sich in die visuellen Rausche von „TRON: Legacy“ oder „Oblivion“ ein. Die Nutzung der echten Strecken ist ein großer Gewinn für den Film und lässt die vielen Rennen einfach spektakulär aussehen und zeigt mir auch einfach wieder, dass im Medium Film einfach alles funktionieren kann, egal ob mich das Thema interessiert. Durch Schnitt und Kameraarbeit einstehen hier spektakuläre Bilder. Da verzeiht man auch das extreme Productplacement oder die wenig kritische Auseinandersetzung mit der Formel 1. Auch die Laufzeit ist im Grunde viel zu lange, aber die einzelnen Rennen machen das alles wieder weg. Die Musik von Hans Zimmer ist ebenfalls verdammt gut gemacht und bringt einen treibenden Beat mit, der gut zum Grundton passt.
Darstellerisch kann man wenig meckern. Die Figuren sind zu weiten Teilen wenig komplex und wirken wie aus dem Kosinki Lehrbuch. Super maskulin, mit dem Herz am rechten Fleck, dazwischen ein paar freie Oberkörper vor Sonnenuntergängen, eine taffe Dame fehlt auch nicht, echte Männerfreundschaften und die Rivalität zweier Generationen, die am Ende aber zu Freunden werden. Das findet man ebenfalls in all seinen Filmen, funktioniert hier aber wieder und ist auch in keinem Punkt, der oben genannt ist, negativ gemeint. Brad Pitt ersetzt den Tom Cruise, bringt aber das nötige Charisma mit. Damson Idris ersetzt Milles Teller. Kerry Condon kommt der Part der taffen Dame zu, den sie aber wieder hervorragend ausfüllt (allgemein muss ich hier mal anmerken, dass Condon einfach viel zu selten gewürdigt wird) und Javier Bardem hat einfach eine verdammt starke Aura und Ausstrahlung in all seinen Rollen. So mal er hier in seinen schicken Anzügen einfach verdammt se*y ist.. gut aussieht. Am ehesten muss man wenn kritisieren, dass das Verhalten der beiden Protagonisten es sehr lange schwierig macht mit ihnen zu sympathisieren.
„F1“ erreicht zwar nicht die Klasse eines „Le Mans 66“, dafür fehlt es an Drama und spannenden Figuren, ist aber (mal wieder) ein großartiger visueller und auditiver Rausch, wie man ihn von Joseph Kosinski erwartet hat. Die Handlung ist zwar im Grunde die selbe wie „Top Gun: Maverick“ funktioniert aber. Trotz all der Schwächen machen die Rennszenen, die das Herzstück sind, einfach extrem viel Spaß und ich konnte mich über zwei Stunden an stylishen Bildern erfreuen, die man zwischen all den CGI Orgien, so nicht mehr für Verständlich sehen darf.