Red Rooms - Zeugin des Bösen
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No Use For A Name
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4,5
Veröffentlicht am 25. Juli 2026
Ich würde nicht sagen, dass „Red Rooms“ ein Horrorfilm ist, auch kein Thriller sondern vielmehr ein persönliches Drama, das uns in die Abgründe von Obsession und Faszination für True Crime entführt und dabei ganz, ganz weit an den Rand des Wahnsinns führt. Der Film erfordert wohl etwas intellektuelle Leistung des Zuschauers, da viele Fragen nur indirekt beantwortet werden, manche bleiben gar gänzlich offen. In erster Linie ist da natürlich die Frage nach der Motivation, die Kelly-Anne antreibt und die der Regisseur Pascal Plante bewusst offengelassen hat. Ebenso sehen wir von den schrecklichen Taten im Film nichts, nur in zwei Szenen wird das Grauen auf der Tonspur ansatzweise angedeutet. Das sind die Gründe, warum die ganzen Splatter-Aficionados hier (die von den der Tagline „Der beste Horrorfilm des Jahres“ hergespült wurden und einen Film mit klaren Erklärungen erwartet haben) den Film alle so schlecht bewertet haben. Ich will gar nicht sagen, dass die ihn nicht verstanden haben, aber möglicherweise sind sie mit den falschen Erwartungen an den Film herangegangen und haben ganz offensichtlich nicht bekommen, was sie haben wollten.

Aber lasst euch davon nicht irritieren! „Red Rooms“ liefert – wenn man sich darauf einlässt – einen der verstörendsten und erbarmungslosesten Filme überhaupt! Die Gerichtsverhandlung gegen den vermeintlichen Mörder dreier Mädchen steht dabei nur vordergründig im Zentrum der Geschichte. Tatsächlich dreht sich der eigentliche Kern um Kelly-Anne, die wir gleich zu Beginn kennenlernen, wie sie vor dem Gerichtsgebäude übernachtet, um einen guten Platz bei der Verhandlung zu bekommen. Warum sie dies tut und für wen sie die Träne verliert, das bleibt zunächst im Dunkeln. Auffällig ist jedoch sofort, dass sie äußerlich keinerlei Gefühlsregungen zeigt – selbst diese Träne scheint sich gegen ihren Willen herausgequält zu haben. Ab hier fällt es mir aber schwer, ohne explizite Spoiler weiterzuschreiben, daher folgende Warnung:

spoiler: Es bleibt sehr lange unklar, wohin der Film überhaupt gehen will, es gibt aber zwei entscheidende Wendepunkte im Film. Der erste Einschnitt ist, als die etwas überdrehte Clementine in ihr Leben tritt. Bis dahin haben wir Kelly-Anne als sehr intelligent, offenbar sehr wohlhabend, clever, kontrolliert und jederzeit überlegt und kalkuliert erlebt. Das verleiht ihrer Person schon fast etwas Roboterhaftes und Unheimliches. Clementine ist das komplette Gegenteil, sie ist aufgeregt, aktiv, emotional und offenbar ein Fangirl des Angeklagten, den sie für unschuldig hält. Sie treffen sich bei der Gerichtsverhandlung und Clementine wähnt in Kelly-Anne so etwas wie eine Seelenverwandte, da sie beobachtet hat, wie sie vor dem Gerichtsgebäude campt. Sie fungiert am Ende aber als emotionaler und moralischer Kompass für uns als Zuschauer. Während Kelly-Anne emotional völlig kühl bleibt und die Morde eher als technisches Puzzle oder Rätsel betrachtet, geht sie viel emotionaler an die Sache ran. Nachdem sie eines der Mordvideos bei Kelly-Anne gesehen hat, bricht ihre Welt zusammen, sie ist unter Schock und vollkommen zerstört. Kelly-Anne bemerkt das natürlich, aber auch das lässt sie völlig kalt, sie hält sich die andere Frau eh nur wie eine Art Haustier oder psychologisches Experiment und lässt sie dann eben auch ebenso schnell wieder fallen. Dabei ist es Clementine, die die Emotionen, den Schmerz der Opfer, wie auch der deren Familien, gewissermaßen stellvertretend für Kelly-Anne spür- und erfahrbar macht. In mehreren Interviews hat der Regisseur Pascal Plante immer wieder betont, dass er das Ende ganz bewusst zweideutig gelassen hat, er wollte uns als Zuschauer absichtlich mit Kelly-Annes bizarrem Verhalten alleine lassen. Er wollte vorgefertigte psychologische Erklärungen (wie . in „Psycho“) unbedingt vermeiden. Ein bisschen erklärt er uns aber doch Kelly-Annes Verhalten: In der Abgabe des USB-Sticks mit dem Video, das letztlich den Mörder überführt, sieht er keine reine altruistische, gute Tat. Sie handelt eher wie eine „Besessene“, die das Puzzle um jeden Preis lösen will. Es geht ihr nicht um Gerechtigkeit, sondern ihr Antrieb ist eine Mischung aus Stolz (sie ist die Einzige, die das Video finden konnte) und schlichtweg Faszination (der Regisseur nennt sie „orgasmisch“) für das Böse und das Grauen. Immerhin war sie bereit, offenbar (fast) ihr gesamtes Bitcoin-Vermögen für das Video zu bezahlen. 21,5 BTC sind umgerechnet ,44 EUR (Stand: 18. April 2026)!!! Daneben – und das ist jetzt vielleicht nicht so subtil versteckt – geht es Pascal Plante auch um eine scharfe Kritik am aktuell sehr beliebten True Crime-Phänomen. Er möchte uns zeigen, dass sich hinter vermeintlich spannenden Fällen immer auch reale Opfer und Familien verbergen. Wenn manche hier aufregende Puzzles oder herausfordernde Rätsel sehen, so werden dadurch auch die Privatsphären der Betroffenen verletzt. Wie sehen das ganz konkret an der Mutter des dritten Opfers, Kelly-Annes Selfie in der Pose des getöteten Mädchens in deren ehemaliger Wohnung ist die ultimative Respektlosigkeit! Eine letzte Bemerkung noch zu ihrem Online-Namen „Lady of Shalott“, falls ihr euch auch (wie ich) gefragt habt, ob der Name eine Bedeutung hat. Und ja klar, natürlich hat der Name eine Bedeutung! Der Name bezieht sich auf eine Ballade von Alfred Tennyson. In der Geschichte darf die Lady of Shalott die Außenwelt nicht direkt ansehen, da sie sonst verflucht werden würde. Sie kann das Leben in der realen Welt nur durch Reflexionen in einem Spiegel sehen. Und so ergeht es eben auch Kelly-Anne, sie nimmt nicht am wirklichen Leben teil, sie lebt abgetrennt und isoliert in ihrem luxuriösen, aber sterilen Appartement und beobachtet die Welt nur durch ihre Bildschirme. Das selbstgewählte Pseudonym spiegelt ihren Hang zur Melancholie, sie sieht sich – wie die Frau in der Ballade – als tragische, einsame Figur. Tennysons Geschichte endet, indem die Lady ihren Turm schließlich verlässt, sich in ein Boot legt und flussabwärts in den Tod treibt, während die Bewohner von Camelot sie nur als schönes, aber lebloses Objekt beobachten. So ergeht es am Ende auch Kelly-Anne, für sie gibt es kein Happy-End. Nachdem sie den USB-Stick abgeliefert hat, ist sie psychisch vollkommen zerstört, wir sehen das in den letzten Einstellungen des Films.


FAZIT: Man muss sich schon etwas auf „Red Rooms“ einlassen können. Es ist kein Horrorfilm, es gibt keine Splatterszenen und statt eindeutiger Erklärungen gibt es nur angedeutete Antworten. Lasst euch nicht von den schlechten Bewertungen hier irritieren, „Red Rooms“ ist auf seine Art brutal, erbarmungslos und maximal verstörend. Mich hat der Film absolut kalt erwischt und tagelang nicht mehr losgelassen. Von mir gibt’s eine ganz klare Empfehlung!
Horridus
Horridus

210 Kritiken User folgen

1,5
Veröffentlicht am 13. Juni 2026
Die Beleuchtung der Szenen und die gesamte Kameraführung wirken eher wie eine Live-Übertragung eines Gerichtsprozesses als wie ein Kinofilm. Viele Einstellungen sind statisch und nüchtern inszeniert. So werden beispielsweise die Plädoyers nahezu in voller Länge gezeigt, was den Eindruck einer Dokumentation oder Prozessaufzeichnung verstärkt.

Auch die Szenen außerhalb des Gerichtssaals wirken oft amateurhaft und erinnern stellenweise eher an selbst gedrehte Aufnahmen als an eine professionelle Filmproduktion.

Zudem erschließt sich mir die Handlungsweise der Hauptdarstellerin nicht. Nach dem Gerichtsprozess geht sie zunächst nach Hause, hört Nachrichten ab, trinkt etwas, duscht und packt ihren Rucksack – nur um die Wohnung kurz darauf wieder zu verlassen und die Nacht in einer schmutzigen Seitengasse zu verbringen. Am nächsten Morgen steht sie dann früh für den nächsten Verhandlungstag in der Warteschlange, was allerdings nicht einmal besonders gut funktioniert. Diese Entscheidungen wirken konstruiert und wenig nachvollziehbar, wodurch es schwerfällt, eine Verbindung zur Figur aufzubauen.

Insgesamt hinterlässt der Film bei mir den Eindruck, dass Realismus angestrebt wurde, dabei aber häufig die Grenze zwischen authentischer Darstellung und langatmiger, wenig filmischer Inszenierung überschritten wird.

Dadurch vergeht bereits ein großer Teil der Laufzeit nahezu ohne jede Spannung. Später verlagert sich der Fokus auf die Erlebnisse der Hauptdarstellerin mit ihrer neu gewonnenen Bekanntschaft. Doch auch dieser Abschnitt entwickelt kaum Dynamik und wirkt eher wie eine dokumentarische Alltagsbeobachtung als wie ein spannender Spielfilm.

Zwar werden im Verlauf immer wieder das besonders grausame Verbrechen geschildert, und gelegentlich sind Tonaufnahmen eines Videos zu hören, die das Ausmaß der Taten verdeutlichen sollen. Abgesehen davon passiert jedoch nur wenig, das wirklich fesselt oder die Handlung vorantreibt.

Letztendlich empfand ich den Film als gähnend langweilig. Zahlreiche belanglose Szenen werden gefühlt endlos ausgespielt, ohne einen erkennbaren Mehrwert für Handlung, Atmosphäre oder Figurenentwicklung zu bieten. Statt Spannung, Emotionen oder neuen Erkenntnissen dominieren Leerlauf und Monotonie, sodass sich die Laufzeit deutlich länger anfühlt, als sie tatsächlich ist.

Das Einzige, was im letzten Drittel noch etwas Aufmerksamkeit für mich erzeugt, ist eine Szene, in der sich die Hauptdarstellerin bewusst wie eines der Opfer kleidet und sich damit in den Gerichtssaal setzt. Offenbar erhofft sie sich eine Reaktion des Angeklagten, doch dieser quittiert die Aktion lediglich mit einem müden Winken.

Auffällig ist dabei, dass sie den anschließenden Aufruhr offenbar eher genießt, als sie schließlich aus dem Saal geschleppt wird. Ihr Gesichtsausdruck vermittelt zumindest den Eindruck.
Jan H
Jan H

19 Follower 115 Kritiken User folgen

4,5
Veröffentlicht am 31. Mai 2026
Tatsächlich war ich noch nie gleichzeitig so angewidert und angezogen von einer Protagonistin, die sich in keiner Sekunde richtig greifen lässt und über die man genau deswegen noch lange nachdenkt, wenn der Film vorbei ist.

Stimmungstechnisch irgendwo zwischen „Black Mirror“ und „Black Swan“ - ich war auch an „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert“ - zieht einen der Film nach und nach so sehr in einen Bann, dass man ganz vergisst, wie handwerklich und inszenatorisch gut gemacht und gut gespielt er dabei ist.

Das ist wirklich Kunst.
Davki90
Davki90

49 Follower 359 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 8. Juni 2025
Ein sehr verstörender Thriller aus Kanada. Ein Serienkeller, der "Fans" hat und seine Prozesse verfolgen. Ein wirklich sehr spannendes Gerichtsdrama, was nicht unbedingt für schwache Nerven ist. Auch dies ist wider ein Streifen, der nicht jedem gefallen wird. Er wird sicher die Meinungen spalten. Die Darsteller sind super und die Länge des Films, ist auch akzeptabel, das Ende hat mir persönlich nicht so sehr gefallen. Einfach immer schön, dass es auch abseits von Hollywood und der USA, tolle Filmperlen gibt.
Verena S.
Verena S.

2 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 5. April 2025
Interessanter Film mit spannenden Charakteren und viel Raum für eigene Interpretationen. Eher anspruchsvoll, für Menschen die sich gerne mit psychologischen Fragen auseinandersetzen
Carmen Paul
Carmen Paul

2 Kritiken User folgen

0,5
Veröffentlicht am 27. März 2025
Das ist mit Abstand einer der schlechtesten Filme die ich jamals gesehn habe..es baut sich 0,0 Spannung auf..ich musste aufpassen dass ich nicht dabei einschlafe...wollte ihn schon in der Hälfte ausknipsen, dachte aber naja vielleicht wird er ja noch besser..er blieb auf dem gleichen Level bis zum Ende...einfach nur grottenschlecht und für sowas habe ich 5 Euro auf prime video gezahlt..es ist eine Frechheit für diesen Schrott Geld zu kassieren, denn stellt man nicht mal kostenlos zur Verfügung!!!!
The Dark Knight
The Dark Knight

2 Follower 128 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 9. März 2025
Nur weil etwas reales dargestellt ist, was auch wirklich schlimm ist, ist es noch kein guter Film. Langweilig, zäh und ohne gute Schauspieler wird zwar ein Thema behandelt was wohl real existiert, aber der Film transportiert eigentlich nichts. Mich hat der Film nicht angesprochen.
Habibi
Habibi

4 Kritiken User folgen

1,0
Veröffentlicht am 22. Februar 2025
Richtig langweiliger Film ohne jede Spannung. Das Ende versteht wohl niemand so richtig. Schade für die zwei Stunden.
Kevin Vorbeck
Kevin Vorbeck

1 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 17. November 2024
Dieser Film ist ein Meistetwerk. Ich habe seit "Die Act of killing" keinen Film mehr gesehen der mich so getroffen hat.
Keksi
Keksi

1 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 10. November 2024
Wir waren zu dritt im Kino, keiner hat ihn verstanden. Hinter uns haben wir die Leute auch gefragt, keiner hat den Film wirklich verstanden. Dennoch bekommt der Film durchweg gute Kritiken, manchmal sogar 5. Ich fand die Hauptdarstellerin wirklich unsymphatisch und auch das gut bezahlte Model hab ich nicht wirklich erkannt (gut, ist Geschmackssache). Ich hab ihr im Grunde gar nichts abgekauft... Viele sagen ja, sie ist von den Serienmörder faziniert und lebt seine/ihre Obsession aus...selbst das hab ich nicht verstanden, das sie anscheinend länger selbst kriminell ist/gewesen ist. Gut gemeinte 2 Sterne gibt es noch, weil der Beginn sehr stark gewesen ist und das Ende ist okay. Ansonsten ist wirklich rein gar nichts passiert im Film, hab immer gehofft da kommt noch ein richtiger Twist. Hab immer irgendwie gedacht, das ist alles im Aufbau, die Vorgeschichte... aber länger es ging, je zäher ging der Stoff. Nicht mein Film.
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