Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns! möchte ein warmherziger Ensemblefilm über Freundschaft, Liebe und das Chaos erwachsener Beziehungen sein. Bei mir bleibt jedoch vor allem ein bitterer Beigeschmack, weil der Film Ellens Schmerz immer wieder als Störung der Gruppendynamik erzählt, während die Männer, die diesen Schmerz mitverursachen, erstaunlich wenig zur Verantwortung gezogen werden.
Besonders deutlich wird das in Ellens Affäre
mit dem verheirateten Mann. Er macht ihr Hoffnungen, spricht von gemeinsamen Plänen und greift sogar ihren Wunsch nach Hawaii auf, nur um später vor dem gesamten Freundeskreis zu verkünden, dass er mit seiner Frau dorthin fährt. Ellens Ausbruch am Esstisch wirkt vor diesem Hintergrund nicht wie bloßes Drama, sondern wie eine sehr nachvollziehbare Reaktion auf Manipulation und öffentliche Demütigung. Trotzdem ist sie diejenige, die sozial markiert wird. Er hingegen bleibt Teil der Gruppe.
Genau darin liegt für mich die größte Schwäche des Films: Nicht nur die Figuren behandeln Ellen unfair, auch das Drehbuch scheint diese Unfairness nicht ausreichend zu hinterfragen.
Der verheiratete Mann wird kaum als derjenige benannt, der gelogen, manipuliert und seine Verantwortung auf andere abgewälzt hat. Stattdessen liegt über allem ein unausgesprochenes „selbst schuld“. Ellen hat sich auf einen verheirateten Mann eingelassen, also scheint ihr Leid nur begrenzt ernst genommen zu werden.
Das zeigt sich besonders in den Szenen mit ihrer besten Freundin. Wenn Ellen sagt, dass sie sich verliebt hat, wird das nicht als Erklärung ihrer Verletzlichkeit behandelt, sondern eher ins Lächerliche gezogen. Dabei ist genau das der Punkt: Sie war nicht einfach nur „die andere Frau“, die Drama macht, sondern eine Person, die emotional verstrickt war, der Hoffnungen gemacht wurden und die vor ihrer eigenen Freundesgruppe bloßgestellt wurde
. Der Film lässt Ellen fühlen, leiden und eskalieren, aber er gibt ihr kaum die Sprache, ihre Situation klar zu benennen.
Auch die beste Freundin steht für einen problematischen blinden Fleck des Films. Ihre Härte soll vermutlich tough, direkt und witzig wirken. Für mich wirkt sie aber oft kalt.
Wenn sie die Situation sinngemäß darauf reduziert, dass man eben damit leben müsse, wenn man im Freundeskreis miteinander schläft, macht sie aus Manipulation, Verrat und Verletzung bloß eine peinliche soziale Komplikation. Das ist kein kluger Kommentar zu komplizierten Beziehungen, sondern
Alltagssexismus im Gewand von Freundschaftsdynamik.
Gerade bitter ist, dass dieser Sexismus nicht nur von Männern ausgeht. Auch Frauenfiguren tragen ihn mit, indem sie Ellens Schmerz kleinmachen und ihre Reaktion als Zumutung für die Gruppe behandeln.
Der Mann bleibt geschützt, weil er dazugehört. Ellen hingegen wird zur Störerin der Harmonie. Für ihn gilt Loyalität, für sie gilt moralische Abrechnung.
Auch die spätere Beziehung mit Max hinterlässt deshalb ein zwiespältiges Gefühl. Ja, er beendet seine Beziehung, nach einer Nacht mit Ellen, und das unterscheidet ihn vom verheirateten Mann. Trotzdem scheint der Film zu wenig Verständnis dafür zu haben, dass Ellen nach ihrer vorherigen Erfahrung nicht einfach darauf vertrauen kann, diesmal nicht wieder in die Rolle einer Affäre gedrängt zu werden. Ihre Distanz ist nicht nur unreife Kommunikation, sondern auch Selbstschutz. Sie will es diesmal „richtig“ machen, so wie es ihr von allen suggeriert wurde. Dass am Ende ausgerechnet sie mehrfach Nachrichten hinterlässt und fast darum bitten muss, dass er sich wieder auf sie einlässt, verstärkt den Eindruck, dass die emotionale Arbeit immer wieder bei Ellen landet.
Am Ende bekommt Ellen zwar ein romantisches Happy End, aber für mich keine echte Gerechtigkeit. Es fehlt ein Moment, in dem ihre Perspektive wirklich ernst genommen wird: eine klare Benennung der Schuld des Ehemanns, eine echte Entschuldigung der Freund:innen oder wenigstens die Anerkennung, dass Ellen nicht einfach „Drama“ gemacht hat, sondern verletzt, gedemütigt und allein gelassen wurde.
Für einen Film, der Freundschaft feiern will, ist das ein erstaunlich großer blinder Fleck. Ellen wird nicht wirklich gesehen. Das Leben, die Beziehungen und die Gefühle der anderen scheinen wichtiger zu sein als ihr Schmerz. Und genau deshalb fühlt sich das Happy End für mich nicht warm an, sondern schal.